#129 mit Niusha Zakerfathi & Marianne Arndt - Abschiebungen im Schulkontext. Der Fall der Familie Rouf aus Köln-Mülheim
Was passiert, wenn plötzlich ein*e Mitschüler*in fehlt, weil eine Abschiebung droht?
Niusha ist Lehrerin an einem Schulzentrum in Köln und Marianne Seelsorgerin und Vorsitzende des Vereins Mosaik Köln-Mülheim. Die beiden erzählen von einem Fall, der eine ganze Schulgemeinschaft bewegt hat: Eine seit acht Jahren in DE lebende Familie soll nach Sri Lanka abgeschoben werden, die Tochter kurz vor dem Abi, der Sohn kurz vor dem Realschulabschluss. Sie berichten, wie ein „Fantasiepapier" der Behörden die Lage verschärft hat und wie innerhalb weniger Tage die Aktion „Bildung statt Abschiebung" entstand: in einer Mittagspause, inklusive Presse, Petition und Härtefallantrag.
Die GEW schreibt, dass viele Lehrkräfte und Schulleitungen verunsichert seien, was sie bei einer drohenden Abschiebung tun können.
Die erklärte Absicht der Bundespolitik, die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen, hat zuletzt wieder dazu geführt, dass junge Menschen auch aus Schulen zur Abschiebung abgeholt wurden. Schulleitungen und Lehrkräfte werden dabei zur Kooperation mit der Polizei aufgefordert. Die Reaktionen von Lehrkräften reichen von Fassungslosigkeit oder Ohnmacht über Gleichgültigkeit, und die Verunsicherung über den eigenen Handlungsspielraum ist groß. Was lässt sich in dieser Situation tun, wenn man eine Abschiebung nicht unterstützen oder sogar verhindern möchte? Wichtig sind früh eingeschaltete Anwält*innen, ein Unterstützungsnetzwerk, Öffentlichkeit und Bleiberechtsoptionen wie § 25a AufenthG für gut integrierte Jugendliche. Dazu kommt die Frage, wie Schule für betroffene Kinder ein sicherer Ort bleiben kann. Die Regelungen unterscheiden sich teils je nach Bundesland, aber das Thema ist für alle Schulen relevant.
Fotocredits: Niusha Zakerfathi & EVKK 2026