Begegnungen in der Teeküche
00:00:00: Deswegen müssen wir in aller Deutlichkeit aufstehen, dass die Leute hier Lust haben, hier zu bleiben.
00:00:04: Und kein Mensch verlässt seine Heimat wenn es gut ist!
00:00:07: Wir Deutschen... Ich bin früher auch gereist, meine Kinder sind gereist.
00:00:11: Die sind so alt wie ihr etwa.
00:00:12: Die hatten die Möglichkeit weil sie einen deutschen Pass haben.
00:00:15: Ja, habe ich was dafür getan das ich einen deutschen pass hab?
00:00:18: Na da!
00:00:19: Ich musste nie aus dem Krieg flüchten.
00:00:20: Das geht doch nicht an, dass wir uns so über den Menschen hinwegstellen.
00:00:25: kleine Pause Begegnungen in der Tee Küche.
00:00:44: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
00:00:48: kleine Pause Podcast Begegnungen in der Theküche.
00:00:51: bevor es mit dem Gespräch losgeht, möchte ich heute vor ein paar Sachen sagen denn Es ist eine Folge die Ich mich schon lange lange vorgenommen habe zu machen.
00:01:02: bin mir sicher dass ich zwei ganz tolle passende Gästinnen für dieses doch sehr komplexe, schwierige und auch belastende Thema gefunden habe.
00:01:12: Es geht um das Thema Abschiebungen.
00:01:14: Und bei diesem Thema ist es mir wichtig dass wir zuvor vielleicht ein paar Begriffe klären.
00:01:19: Dazu möchte ich mich an eine Handreichung der GEW Baden-Württemberg orientieren die da heißt Abschriebungen im Kontext Schule.
00:01:29: Die Handreiching ist auch in den Show Notes verlinkt und ich würde euch sehr empfehlen euch das ganze mal selbst anzuschauen.
00:01:37: Ähnliches gibt es auch von anderen Stellen, Flüchtlingsräten aus anderen Bundesländern.
00:01:42: Mir persönlich – ich habe mir die angeguckt – hilft, die aus Baden-Württemberg jetzt zuverlägt ganz gut, da ich diese übersichtlich finde!
00:01:50: Warum ausgerechnet jetzt diese Folge?
00:01:52: Honestly auch viel zu spät für diesen Podcast.
00:01:55: Aber die Verunsicherung bei den Schulleitungen und Lehrkräften, das schreibt auch die GEW über ihren Handlungsspielraum.
00:02:02: Bei einer drohenden Abschiebung von Schülerinnen ist groß.
00:02:05: Geschürt wird das Ganze natürlich durch derzeitige Bundespolitik, die immer wieder betont mehr abschieben wollen.
00:02:14: Da Abschiebungen nicht mehr angekündigt werden müssen, kann die Polizei auch unangekündig in der Schule erscheinen.
00:02:20: Dazu hören wir in dieser Folge auch ein bisschen was.
00:02:22: das ist nicht überall gleich.
00:02:24: trotzdem ist es wichtig sich damit auseinanderzusetzen.
00:02:27: also stellt sich natürlich die Frage Was können Schulen in dieser Situation tun wenn sie die Abschielung nicht unterstützen bzw verhindern wollen?
00:02:35: Dazu wird in der GEW-Handreichung erstmal Grundsätzliches geklärt.
00:02:39: Und das finde ich auch für diese Folge wichtig, es geht los und jetzt zitiere ich tatsächlich aus der Handreichung mit der Frage was ist überhaupt eine Abschiebung?
00:02:47: Von einer Abschiefung wird gesprochen wenn eine für Ausländerinnen bestehende Ausreisepflicht zwangsweise mithilfe der Polizei durchgesetzt werden soll.
00:02:56: Die Person wird von der Polizei abgeholt und ins Flugzeug gesetzt oder an die Landesgrenze gebracht, und gegebenenfalls vorher in Abschiebungshafen oder Ausreise gewahrsam gebracht.
00:03:06: Abschiebenen erfolgen oft überraschend – sie dürfen nicht angekündigt werden, außer Familien mit minderjährigen Kindern sind betroffen.
00:03:14: Im Folgenden nennt die Broschüre eine vollziehbare Ausreisepflicht als Voraussetzung einer Abschiebung und nen Beispiele dafür, wann diese vorliegt.
00:03:23: Das werde ich jetzt nicht alles zitieren – das könnt ihr auch in der Broschure nachlesen.
00:03:28: Wichtig ist hierbei sicherlich dass man sich mit diesem grundsätzlichen Setting einmal auseinandersetzt und auch in Schulen darüber informiert.
00:03:36: Auch dazu werden wir gleich im Gespräch kommen!
00:03:38: Und jetzt gibt es noch eine Sache.
00:03:40: neben den Dingen, die er gern selber in der Broschüre nachlesen könnte ich für diese Folge gerne betonen würde.
00:03:45: Denn Marianne berichtet davon dass es in Köln einer Absprache gibt das keine Abschiebungen aus Schulen heraus stattfinden.
00:03:53: wie schon gesagt sind diese Dinge je nach Ort und Bundesland unterschiedlich.
00:03:59: Ich möchte dazu vorlesen was an der Broschwere von der GW Baden-Württemberg hierzu steht.
00:04:05: unter der Überschrift Die Abschielung steht unmittelbar bevor Polizei in der Schule schreibt die GW folgendes.
00:04:11: Wenn sich eine geflüchtete Person in einer öffentlichen Schule auffällt, darf die Polizei zwar in das Gebäude kommen um die Abschiebung oder Festnahme vorzunehmen sie muss dabei aber den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachten.
00:04:24: Das bedeutet niemand darf vor der Klasse bloßgestellt werden.
00:04:28: Der Unterricht oder das Schulleben sollen möglichst wenig gestört werden.
00:04:32: Das Innenministerium Baden-Württemberg betonte gegenüber der GEW, dass Abschiebungen aus Schulen und Kitas möglichst vermieden werden sollen – allerdings nicht gegänzlich ausgeschlossen werden!
00:04:43: Die Polizei braucht für den Zutritt in eine öffentliche Schule keine Erlaubnis der Schulleitung.
00:04:49: Sie soll die Aktion aber vorher mit der Schuleitung absprechen, damit die Schule vorbereitet ist und unruhe vermiedenen wird.
00:04:57: dass die Abschiebungen nicht aus der Schule erfolgt.
00:05:00: Anders ist die Lage bei Privatschulen, Kindergärten oder anderen privaten Einrichtungen.
00:05:05: Dort gilt der besondere Schutz aus Artikel XIII des Grundgesetzes und Verletzlichkeit der Wohnung – das heißt, die Polizei darf die Räume nur betreten wenn die Leitung zustimmt oder ein Gericht dies ausdrücklich erlaubt.
00:05:18: Es gilt immer die Verhältnismäßigkeit.
00:05:20: Die Durchführung sollte schonend erfolgen.
00:05:22: Schulleitungen obliegt die Fürsorgepflicht für alle Kinder an der Schule.
00:05:28: Muss die Schule bei einer Abschiebung mit der Polizei kooperieren.
00:05:32: Die Schulleitung und die Lehrkräfte sind nicht verpflichtet, die Polizei bei der Vorbereitung und Durchführung eine Abschiefung zu unterstützen.
00:05:40: Sie müssen also keine Auskunft darüber geben wann Schülerinnen Unterricht haben oder wo sie anzutreffen sind.
00:05:46: Grundlage dafür ist Paragraf eighty-seven Aufenthaltsgesetz.
00:05:50: Dort ist geregelt dass bestimmte Behörden Informationen an die Ausländerbehörde weitergeben müssen.
00:05:55: Öffentliche Schulen und Bildungseinrichtungen davon ausdrücklich ausgenommen.
00:06:00: Das bedeutet, Lehrkräfte und Schulleitungen dürfen Anfragen der Polizei unbeantwortet lassen.
00:06:06: Sie dürfen die betroffene Personen sogar darüber informieren, dass es eine Anfrage gegeben hat.
00:06:12: Eine Schweigepflicht besteht
00:06:14: nicht.".
00:06:16: Verbot eine Abschiebung vorher anzukündigen, gilt nur für die Auseinanderbehörde selbst.
00:06:21: Für Lehrerinnen oder Schulleitungen gilt dieses Verbot
00:06:24: nicht.".
00:06:24: Wer also eine betroffene Schülerin informiert muss keine Strafe befürchten – auch dann nicht wenn dadurch eine Abschiedung erschwert oder verhindert wird!
00:06:33: Ich lese das hier so explizit vor um die Spielräume zu eröffnen und um daran zu appellieren sich mit diesen Handreichungen der GW in der eigenen Schule vertraut zu machen.
00:06:45: Logischerweise geht es dann noch weiter mit beispielsweise Vorschlägen für vorbereitende Maßnahmen von Pädagoginnen bei möglicher Abschiebung, mit Informationen über psychosomatische Auswirkungen von Abschiebenbedrohung auf Kinder und Jugendliche, mit Handlungshilfen für Lehrkräfte im Alltag, mit Information zur Unterstützungsmöglichkeiten, Kontaktadressen usw.. Wie gesagt ich möchte jetzt hier nicht die ganze Broschüre vorlesen sondern in dieser Folge am Beispiel eines ganz bestimmten Falles aufzeigen, was möglich ist und was vielleicht auch nicht möglich ist.
00:07:18: Mit dieser Folge wollen wir auf das Thema Aufmerksam machen – am Beispiel einesfalls aus Köln.
00:07:23: Die Personen um die es in diese Folge geht haben sich ausdrücklich bei uns bedankt dass wir das Thema nochmal aufgreifen und freuen sich über dieses Gespräch.
00:07:33: Das haben wir uns nach unserem Gespräch extra noch mal versichern lassen Denn auch hier besteht dieses Paradox, dass es ein Überpersonen sprechen Was ich hoffentlich innerhalb unseres Gesprächs erklärt, da es eine Folge ist die aus leerer Innenperspektive auf dieses Thema schauen möchte.
00:07:55: Um der Verunsicherung nicht zu Beginn genannt habe und auch die GW benennt ein wenig entgegenwirken zu können.
00:08:02: Jetzt hab' ich lange geredet.
00:08:03: Es war mir wichtig das bei dieser Folge voranzustellen Und jetzt geht's los.
00:08:12: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
00:08:15: kleine Pause-Podcast Begegnungen in der Tee Küche, wie fast immer in der digitalen Tee Küche.
00:08:21: Obwohl wir in der gleichen Stadt sind, ich spreche so oft mit Leuten die ja nicht in Köln sind.
00:08:27: Es ist unter der Woche und schon relativ spät.
00:08:30: trotzdem freue ich mich dass wir es geschafft haben heute für ein sehr wichtiges Thema was mir auch schon lange vorgenommen habe im Podcast mal zu besprechen zusammenzukommen.
00:08:42: Und wie immer würde ich mich total freuen, wenn ihr euch zu Beginn vielleicht erstmal selber vorstellen würdet.
00:08:50: Dann einfach mal anfangen?
00:08:51: Also hallo!
00:08:52: Ich freue mich sehr hier zu sein.
00:08:54: Ich bin Lehrerin, neunundzwanzig Jahre alt.
00:08:59: Er ist seit kurzem Lehrerin seit zwei Jahren ungefähr.
00:09:01: Vielen Dank!
00:09:03: Ja danke ich freue mich auch total dass du das machst Nicole und dass ich dabei sein darf.
00:09:08: mein Name ist Marianna Arndt.
00:09:11: Ich bin Vorsitzende im Verein Mosaik-Köln-Mühlheim.
00:09:14: die Flüchtlingsarbeiter arbeitet mit Geflüchtetenmacht in ja Köln Mühlheim wie eben schon gesagt.
00:09:21: da bin ich im Vorstand und unterstütze viele also in meinem Beruf, wo ich Geld verdiene.
00:09:28: Bin ich Seelsorgerin im Krankenhaus und in verschiedenen kirchischen Gemeinden?
00:09:32: Ja dir auch vielen Dank!
00:09:35: Ich finde es immer ganz gut am Anfang auch so ein bisschen transparent zu machen wie wir hier zusammengefunden haben.
00:09:43: Sie für diese Folge Und darüber werdet ihr ja gleich noch eine ganze Menge erzählen Denn es soll heute um das Thema Abschiebung und Schule gehen.
00:09:53: Das würden wir oder besprechen wir an einem ganz konkreten Fall.
00:09:59: Ich nenne es jetzt mal euer Fall, also das habe ich gerade schon im Vorgespräch gesagt auch wenn's natürlich nicht euer fall ist sondern uns das Thema alle irgendwie was angeht oder angehen sollte.
00:10:12: aber einfach so sprachlich der Einfachhalber für unsere Folge Der Aufhänger ist ein bisschen klar, es ist so oder so ein wichtiges Thema.
00:10:20: Aber auch ich habe in den letzten vielleicht zwei drei Jahren immer wieder darüber nachgedacht dazu meine Folge zu machen Auch weil ja die Bundespolitik immer wieder ankündigt die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen und dass auch ein Thema ist das mit Schule zusammenhängt Und manchmal macht man sich das ja vielleicht gar nicht so klar.
00:10:40: Es gibt dazu von der GEW unterschiedliche Handreichungen, von unterschiedlichen Bundesländern.
00:10:46: Die sich aber alle sehr ähnen und auch da ist in diesem Jahr immer mal wieder.
00:10:51: also mir auch aufgefallen dass da immer mal was Neues kamen und nochmal so eine Überarbeitung
00:10:58: usw.,
00:10:59: weil einfach wie bei so vielen Themen momentan auch Lehrkräfte oft verunsichert sind wenn es ums Thema Abschiebung geht.
00:11:07: Natürlich auch nicht nur Lehrkräfte, aber jetzt im Kontext Schule.
00:11:10: Viele Lehrkräften sich vielleicht noch gar nicht so explizit mit diesem Thema auseinandergesetzt haben und vielleicht auch nicht wissen wo sie anfangen sollen.
00:11:19: Ich formuliere das jetzt vorsichtig und deshalb dachte ich es wäre cool dazu auf jeden und wichtig dazu auf den Fall auch mal eine Folge zu machen.
00:11:30: Und am besten funktioniert das sehr oft wenn man irgendwie an Weichwählen arbeitet und an konkreten Fällen, um so ein bisschen auch zu zeigen was man auch tun kann.
00:11:40: Und wo vielleicht auch Schwierigkeiten liegen oder warum es überhaupt auch wichtig ist sich mit den Themen auseinanderzusetzen.
00:11:45: Das vielleicht erst mal vorab?
00:11:47: Ich würde sagen damit starten wir auch so ein bißchen vielleicht mit dir Niuschein, dem du überhaupt erstmal von dem Fall Erzählt, weil du hast ja auch Eurenkontakt initiiert.
00:11:59: Ja
00:11:59: genau also Marianne und ich kennen uns durch den Verein Musaik wo ich eine Zeit lang ihren Amplich auch tätig war und als sich dann von dem Fall an der Schule mitbekommen habe bin ich direkt zu Marianne gegangen um Hilfe und Unterstützung zu beten denn auch ich war natürlich komplett überfordert und hatte das so noch nicht erlebt auch weil ich natürlich erst seit zwei Jahren Lehrerin bin, aber ich glaube auch dass das nicht nur mich betrifft sondern auch allgemein in der aktuellen Situation häufiger vorkommt als von vor zwanzig Jahren zum Beispiel.
00:12:34: Genau und meine Kollegin Felicia hat mich dann auch an dich weitergeleitet und den Kontakt hergestellt zu dem Podcast, den ich richtig gut finde übrigens.
00:12:44: Und ja also der Fall an der Schule.
00:12:48: wir sind ein Schulzentrum Wir haben ein Gymnasium und eine Realschule in einem, aber sind keine Gesamtschule.
00:12:55: Wir sind eine staatlich anerkannte Privatschule Und wir haben einen Geschwisterpärchen bei uns.
00:13:02: Die Tochter Rammler ist am Gymnasien bei uns und der Sohn Rohheim ist bei uns an der Realschuhe.
00:13:07: Sie macht grad Abi und er ist gerade in der zehnten Klasse und macht beim Realschoolabschluss.
00:13:12: Der Fall kam letztes Jahr vor einem Jahr auf.
00:13:17: ungefähr bin ich direkt zu Marianne gegangen, hab um Hilfe gebeten und weil ich mich da auch mit der Rechtslage gar nicht auskannte.
00:13:27: Und ich war ehrlich gesagt im ersten Moment einfach emotional komplett überfordert, weil das ist auch nicht mein Schüler im Sinne von Ich unterrichte ihn aber er ist der Schüler meines Mannes Er ist ja Klassenlehrer und ich kenne ihn natürlich auch.
00:13:41: und ich weiß noch dass ich erstmal auf dem Sofa saß und geweint habe als ich das gehört habe Weil ich mir das einfach nicht vorstellen konnte Dass einer von uns In Anführungszeichen einfach so, möglicherweise nicht mehr zur Schule kommt bald.
00:13:56: Und auch ein sehr engagierter Schüler.
00:13:58: also er ist im Schuhsprecher-Team in der Schülervertretung aktiv.
00:14:03: Ja danke vielleicht auch nochmal ganz kurz für die jetzt zuhören.
00:14:07: da werden wir gleich noch zu zu sprechen kommen.
00:14:10: Wir haben gerade kurz überlegt, inwiefern wir explizit über diesen Fall überhaupt sprechen können.
00:14:17: Aber dadurch das es ja auch journalistische Begleitung gab zu dem was wir jetzt gleich alles noch oder was ihr noch erzählen Es ist, denke ich mal okay, dass wir dann auch explizit sprechen.
00:14:31: Weil diese Artikel werden wir auch in die Shownotes packen weil man dazu sowieso relativ viel nachlesen kann und das an diesem Beispiel sich auch ziemlich viel zeigt.
00:14:41: Wie ist es denn weitergegangen?
00:14:42: Also du hast von dem Fall gehört über dann diese zwei Schülerinnen Und hast dich an Marianne gewendet So, was wusstest du denn überhaupt schon von dem Fall?
00:14:56: Also was war in dem Moment dann irgendwie wichtig für... also oder was ist vielleicht auch wichtig zu wissen.
00:15:03: Also am Anfang wusste ich gar nicht so viel!
00:15:05: Es ging dann so los dass der Klassenlehrer von Ruheim kam und meinte ...also er wusste, der Klassenehrer wusste das ich mit Musa-i Kontakt habe und er kennt Musa ik auch und weiß was die für Arbeit leisten Und meinte dann vielleicht es sinnvoll wäre ich da den Kontakt herstelle.
00:15:22: Die Familie ist von der Abschiebung in Zerkunftsland Sri Lanka bedroht.
00:15:26: So, das wusste ich dann und dass Rohheim ins Sekretariat gegangen ist und zu Lehrern gegangen ist um sich zu verabschieden falls möglicherweise was passiert.
00:15:34: Das war so der Kontext!
00:15:36: Und dann habe ich eigentlich einfach direkt Marianne angerufen und sie hat auch eine Notfall-Sitzung einberufen noch abends und das war richtig toll.
00:15:47: also... dass noch nie so erlebt dieses Gefühl, so eine Unterstützung zu bekommen auch in so einem Fall.
00:15:53: Ja und dann haben wir uns mit der ganzen Familie auch getroffen.
00:15:57: Genau da kann Marianne vielleicht auch noch mehr dazu sagen... Wir haben es schon öfter getroffen!
00:16:02: Es geht mir ja schon was länger jetzt.
00:16:04: Ja Marianne, vielleicht möchtest du da an dem Punkt mal einsteigen?
00:16:08: Und vielleicht, wo du auf diesen konkreten Moment eingehst noch ein bisschen beschreiben, was deine Arbeit bei Musikern sowieso
00:16:16: regt
00:16:17: und was ihr macht.
00:16:17: Weil ich glaube das wäre für die Einordnung.
00:16:19: Ich kann nicht so schlecht, weil es gab ja einen Grund, weshalb du dich auch am Marianne gewendet hast.
00:16:24: Ja
00:16:25: also ich unterstütze seit vielen vielen Jahrzehnten schon Geflüchtete und jetzt in Köln-Mühlheim durch die Migrationsbewegung der letzten, sage ich mal drei zehn Jahre bin ich sehr engagiert und dadurch auch sehr bekannt Und was eigentlich die Wiese unseres Vereines ist, nicht gleich zu sagen ach das schaffen wir nicht.
00:16:51: Wir haben keine Zeit sondern wirklich genau hinzugucken und einzuladen weil zu uns kommen Montag für Montag ganz viele Menschen die wirklich in großer existenzieller Not sind.
00:17:05: Natürlich haben wir die Not der Familie gesehen und gehört.
00:17:09: Und auch die Not von Nuscha, den Lehrerkollegen und was da alles war.
00:17:16: Dann haben wir natürlich gesagt, dann müssen wir sofort ran und finden dann – auch wenn es keine Zeit gibt – doch immer wieder Zeit und Zeitfenster.
00:17:26: Das ist so wichtig!
00:17:28: erst mal zuzuhören und das haben wir gemacht.
00:17:32: Und dann war irgendwie klar, natürlich müssen wir in diese Situation ran und wir müssen Haltung zeigen und es kann nicht angehen dass Menschen die schon acht Jahre hier sind sich so integrieren und so engagiert sind dann auf einmal eigentliche Art und Weise.
00:17:52: Ich will ein freundliches Wort nutzen, deswegen nutze ich das so ausgenockt werden und ausgeschlossen werden aus einer Gesellschaft in der sie eigentlich schon ihren Platz
00:18:03: haben.".
00:18:05: Und dafür sind wir als Mosaik bekannt.
00:18:08: Deswegen haben wir oft mit tragischen Fällen zu tun und als du Nisha gerade erzählt hast vielmehr auch einen Abschiebefall ein vor Jahren nach Albanien, da war ich morgen sogar im Camp wo das Mädchen abgeschoben ist.
00:18:26: Ganz schreckliche Situation und die war so schockiert als sie in Albanien war, die konnte dann erst mal Wochen lang, Monate lang überhaupt nicht gehen weil sie diesen Schock der Abschielung mit bei sich hatte und tragen musste.
00:18:41: und da hat man noch bisschen Kontakt zu der Familie.
00:18:44: es ist schrecklich die Leben auf der Straße Das Mädchen hat eine traumatische Erkrankung dadurch bekommen und deswegen müssen wir solche Dinge, da wo Möglichkeiten bestehen verhindern.
00:18:56: Und dafür steht Mosaik und ich auch.
00:19:03: Was würdest du denn sagen?
00:19:04: Wann besteht dann überhaupt die Möglichkeit oder wie besteht denn überhaupt die möglichkeit das zu verhinderen?
00:19:10: also das kannst Du aus Deiner Arbeit heraus ja vielleicht ein bisschen besser erklären als jetzt.
00:19:17: so, ich nenne uns jetzt mal zero acht fünfzehn Lehrerinnen die sich vielleicht nicht jeden Tag mit dem Thema explizit beschäftigen.
00:19:28: Also in Köln gibt es eigentlich noch die Zusage von den Kölner Behörden.
00:19:32: aus der Schule wird nicht abgeschoben.
00:19:35: Das ist zunächst mal auch eine Zusage und dann nehme ich auch die Stadt im Moment ernst, auch wenn sie jetzt wegen einer politischen Kampagne sehr unter Beschuss ist.
00:19:46: Aber mit unserer Ausländerbehörde kann man immer noch sprechen.
00:19:50: Insofern habe ich jetzt keine Sorge dass da die Polizei reingeht in anderen Bundesländern.
00:19:56: Ist das ja der Fall vielleicht auch demnächst noch in anderen Städten?
00:20:01: Jetzt ist es so die Kinder gehen.
00:20:05: Insofern passt das gut.
00:20:07: Sie wohnen in der Kommune Leverkusen, das ist nicht gut weil die haben eine andere Praxis.
00:20:16: ich weiß es gibt Kommunen mit denen kann man ganz anders verhandeln und sprechen.
00:20:24: in Köln finden wir oft über Gespräche ein Weg.
00:20:28: In der Situation dieser Familie ist es so, der Vater war Arbeiten.
00:20:31: Die Mutter hatte ein Job und die Kinder leben schon acht Jahre jetzt in Deutschland.
00:20:38: Das heißt sie gehen eigentlich schon viele Jahre zur Schule.
00:20:42: Sie hätten im Grunde genommen das Anrecht haben können nach §...Aufenthaltstitel zu bekommen für gute integrierte Schülerinnen oder junge Menschen Und da gibt es sogar ein Passus, dass Sie den bekommen können.
00:21:01: Auch wenn sie noch nicht ihre Pässe haben.
00:21:07: So jetzt war's ein langer Weg.
00:21:09: der Vater könnte auch im Fünfundzwanzig B bekommen weil Wenn ein Aufenthaltszettel dar gewesen wäre hätten sie Kindergeld bekommen und könnten Wohngeld und Kindergeldzuschlag bekommen und bräuchten keinerlei Sozialleistungen mehr in Anspruch nehmen.
00:21:32: Und das ist die Ungerechtigkeit, die in diesem System geschehen ist.
00:21:39: Menschen, die über irgendwelche Wege nach Deutschland kommen, denen wird oft unterwegs der Pass abgenommen.
00:21:47: Das heißt sie sind dann manchmal passlos und müssen gucken wie sie einen Pass dann irgendwann später bekommen um ihre Identität zu klären.
00:21:57: Jetzt ist aber so, dass man während dem laufenden Asylverfahren gar nicht die Botschaft besuchen darf.
00:22:05: Weil wenn man Asyl bekommen würde durfte man ja auch nicht zur Botschaft gehen.
00:22:10: damit würde man das kontakarieren.
00:22:13: Das heißt die Familie konnte erst versuchen ein Termin bei der Botschaft zu bekommen nachdem das Asyl-Verfahren abgeschlossen ist.
00:22:24: Man muss wissen, es ist eine tamidische Familie die auch noch Ausgrenzung in Sri Lanka erlebt hat und aufgrund einer lebensbedrohlichen Situation das Land verlassen haben.
00:22:36: Aber in Sri Lanker ist ja alles gut, deswegen bekommt man kein Asyl.
00:22:43: Und weil die Situation so ist dass sie eigentlich recht hätten da zu bleiben habe ich gesagt dieses können wir nicht so stehen lassen.
00:22:54: Das heißt Menschen Mehr als Kinder- und Schüler-Schülerinnen von vierzehn bis siebenundzwanzig, die in die Schule gehen und mehr als drei Jahre die Schule besucht haben können den Antrag auf Vierundzwantig A stellen.
00:23:10: Familien, die zu einfünfzig Prozent ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können wenn Sie dann zum Beispiel auch Kindergeld trinken das kann man im Nachhinein dazurechnen.
00:23:21: da können die Erwachsenen Vierunzwanziger für gut integrierte Deutsche bekommen.
00:23:25: Voraussetzung ist der Schulbesuch bei Schülern und Schülerinnen.
00:23:30: Bei Erwachsenen, dass sie den Sprachzertifikat haben B-I, A-II, dass Sie den Testleben in Deutschland haben und dass Sie Ihre Identität klären, sprich die Passgeschichte.
00:23:48: Daran harpert es bis im Oktober letzten Jahres Und wir sind davon ausgegangen oder die Familie ist davon ausgegangen, wenn sie im Oktober letzten Jahres nachdem Sie dann endlich die Nationalpässe aus Relanka bekommen haben.
00:24:04: Die bei der Behörde abgeben, bekommen sie auf der anderen Seite die Zusage des Aufenthaltes oder erst noch die Duldung und den Aufenthaltstitel.
00:24:17: Das ist aber nicht so gelaufen!
00:24:20: Die Ausländerbehörde hat die Pässe in Empfang genommen und hat auf der anderen Seite ihnen eine Bescheinigung erteilt, die es gar nicht im Nordrhein-Westfalenischen Ausländegesetz gibt.
00:24:33: Eine Bescheidigung über den vorübergehenden Aufenthalt ohne rechtliche Möglichkeiten.
00:24:40: Und mit dieser Bescheindigung darfst du nicht mehr arbeiten?
00:24:44: Mit dieser Beschildigung wirst Du entrechtet!
00:24:49: Du hast keine rechtlichen Möglichkeiten
00:24:50: mehr.".
00:24:52: Und das war sozusagen der Status-Co in dem Moment, wo ihr zusammengekommen seid.
00:24:58: Das
00:24:58: war der Status Co, in dem wir zusammen gekommen sind.
00:25:01: Die Anwältin hat noch versucht dagegen zu klagen aber man muss jetzt wissen wenn die Auslandebehörde dieses Rechtspapier ausgibt kann das Gericht natürlich sagen ja dieses Papier gibt keinerlei Möglichkeiten mehr.
00:25:20: Aber eigentlich gibt es nichts unterhalb der Duldung und selbst mit einer Duldungen kannst du auf der Straße aufgegriffen werden, abgeschoben werden.
00:25:28: Also brauchst du gar kein anderes Papier.
00:25:31: aber mit einer Duldung hast du zumindest Anrecht nach zwölf Monaten die du eine Dulding hast den Antrag auch für einen Zwei A oder B zu stellen.
00:25:43: Dieses Anrecht haben sie nicht mehr weil dieses Papier, der nennt es auch Fantasie-Papier, weil's keine Rechtsrundlage hat Gibt den Menschen keine Möglichkeit, irgendeine Rechtsgrundlage noch zu erreichen?
00:26:00: Und das ist die Fatale dieser Situation.
00:26:03: Ja vielen Dank für das Erklären!
00:26:05: Neusche, ich weiß nicht wie es dir geht.
00:26:07: Ich merke schon beim Zuhören bei diesen... also wenn man sich nicht auskennt auch im Recht und in diesem ganzen bürokratischen Vorgehen das sich da ja ganz schön der Kopf verknutet so und dass das wirklich etwas ist wo ich jetzt, wenn ich zuhöre direkt denke eigentlich müssten auch Kolleginnen und Schulen da so eine Art Einführung zumindest bekommen in Asylrecht und so weiter, weil das ja in Schule natürlich relevant werden kann.
00:26:41: Das würden wir jetzt hier nicht sitzen und uns nicht darüber unterhalten.
00:26:47: aber das war jetzt ein erster Gedanke.
00:26:50: ich habe mehrere Gedanken
00:26:51: die
00:26:52: einfach nur gerne nochmal ganz kurz festhalten würde damit ich sie nicht vergesse mal gucken ob es klappt.
00:26:57: dass zweite ist dass man oft so Hohen-und Ei fragen hat in der deutschen Bürokratie.
00:27:05: Also man kann das eine nur machen, wenn man ... ich nenne es jetzt mal Formular, also wenn man das sind als Formular besitzt aber das Formular bekommt man nur, wenn Man das andere macht so Und dann ist immer so die Frage, also das kennen wir glaube ich alle.
00:27:21: Wenn man das dann in einer sehr vulnerablen Situation wo es dann auch noch gegebenenfalls zumindest Sprachbarrieren gibt oder Dinge... Ich sag jetzt mal sowas wie Schichtdienst oder irgendwelche Umstände, Lebensumstände Dann kann man sich ja nur an Ansätzen vorstellen wie kompliziert es ist.
00:27:42: und wenn dann Also das ist, würde ich sagen erst mal das Grundsetting von diesen Situationen was an sich eh schon sehr komplex ist.
00:27:50: Und wenn dann noch dorthin zukommt dass Behörden Papiere ausstellen die so die selber keine Rechtsgrundlage haben wie jetzt das von dir Marianne genannte Fantasie-Papier Dann kann ja nur so ein Absolute also noch zu positiv ausgedrückt Verwirrung entstehen.
00:28:10: Und die aber eine sehr gefährliche Verwirbung und der auch irgendwann eine absolute Machtlosigkeit, irgendwie zumindest das Gefühl der Machtloskeit
00:28:19: verursacht.".
00:28:20: Jetzt hatte diese Familie ja schon eine Anwältin, wenn ich das richtig verstanden habe.
00:28:26: Immerhin aber es gibt auch noch ganz andere Settings die man sich vorstellen kann wo dass vielleicht noch nicht mal der Fall ist so und da ist ja sowas wie Rechtsberatung und sowas sehr ultra wichtig oder zumindest Vereine, Leute an die man sich wenden kann und so weiter.
00:28:43: Dazu gehört ihr.
00:28:44: da gibt es mit Sicherheit auch noch ganz andere Möglichkeiten.
00:28:47: deshalb auch nochmal der Verweis sich im Vorfeld vielleicht auch schon mal miteinander zu setzen in Kontextschule.
00:28:53: aber das waren jetzt so Dinge die mir beim Zuhören direkt irgendwie durch den Kopf gegangen sind.
00:29:00: Jetzt würde ich aber gerne nochmal zurückkommen so ein bisschen auf die Chronologie Eures Fals und fragen, wie ging es denn dann weiter?
00:29:08: Jetzt habt ihr euch getroffen.
00:29:09: Jetzt habt Ihr irgendwie so diesen Status quo ja wahrscheinlich auch erstmal so transparent gemacht.
00:29:15: Euch irgendwie informiert was ist die Situation, was ist das Setting, was sind unsere Möglichkeiten?
00:29:21: und was ist dann passiert?
00:29:23: nach meinem Eindruck hatte hatte dann Marianne und die ganzen Ehrenamtlerinnen, die da geholfen haben hatten sehr schnell einen Überblick den ich halt nicht hatte.
00:29:32: Ich hatte wie du bei deinem ersten Gedanken gesagt hast auch es war alles ganz durcheinander in meinem Kopf mit Paragrafen und Gesetzen und Papilen, die eigentlich gar nicht existieren.
00:29:41: Und nachdem dieser überblick geschaffen wurde Es war immer so ein hin und her zwischen warten und jetzt sofort müssen wir handeln extrem viel oder eigentlich alles hat mit Beziehungen zu tun.
00:29:57: Mit Politikerinnen, mit der Öffentlichkeitsarbeit und das habe ich alles nicht!
00:30:03: Und dafür war dann Mosaik und halt vor allem Marianne auch gut sie hat ja schon gesagt dass sie ist halt bekannt in dem was die tut und er hat einen Namen und der Name bedeutet auch etwas.
00:30:14: Dann saßen wir in diesen Runden oft abends, die auch immer anders aussahen.
00:30:18: Manchmal waren neue Ehrenamtlerinnen dabei und wollten das auch mal miterleben.
00:30:21: wie so ein Gespräch abläuft dann Also die Eltern haben fünf Kinder insgesamt.
00:30:28: Es ist natürlich noch einmal mit zwei kleinen Kindern, die beide in Deutschland geboren wurden, die beiden Jüngsten.
00:30:34: Das auch nochmal Genau, da waren immer andere Menschen dabei.
00:30:39: Dann wurden Telefonate geführt von Marianne.
00:30:42: Teilweise hatte ich das Gefühl, sie ruft drei Leute gleichzeitig an und schreibt hier in die Mail und telefoniert mit denen.
00:30:46: Und dann wurden da irgendwie auf einmal Politiker angerufen, deren Namen so auch bekannt sind.
00:30:53: und ich denke so was für ein Film!
00:30:56: Das war echt viel Arbeit und es hat alles damit mit der Öffentlichkeit zu tun dass man die Aufmerksamkeit darauf lenkt.
00:31:02: und du hattest ja auch schon gesagt Nicole, diese Geschichte der Familie schon journalistisch begleitet wurde und so, ich würde mal sagen nicht der Höhepunkt.
00:31:12: Aber sowas ähnliches war als wir dann diese Aktion an unserer Schule gemacht haben in der Mittagspause die sehr spontan entstanden ist.
00:31:21: dieser ganze Aktion also dass das auf die Beine gestellt wurde hat man wirklich allen Akteurinnen zu verdanken die dabei irgendwie mitgewirkt haben Und da kamen auch die Presse WDR Kölner Stadtanzeiger, genau also auch große Namen.
00:31:38: Da waren wir alle sehr überrascht und die Schulleitung hat mitgemacht.
00:31:42: das lief dann.
00:31:43: ich glaube ich war am Donnerstag bei denen und am Dienstag war dann diese Aktion und an dem Wochenende selbst war auch noch viel los aber irgendwie hat man das dann alles geschafft und die Aktion war in der Mittagspause.
00:31:58: Bei uns sind die Mittagspausen so gestaffelt da Ruheim damals noch in der neunten Klasse war und Rammler, ich glaube hier in der Elften.
00:32:08: Haben wir das dann in der Pause der Älteren gemacht?
00:32:10: Das waren die Mittagspause der acht bis zehn Klässer.
00:32:14: Genau!
00:32:14: Und dann habe ich das im Collegium in unserer Collegiums WhatsApp-Teamsgruppe verbreitet und gesagt Wir machen diese Aktion Bildung statt Abschiebung.
00:32:22: Die ist ja auch schon vorher.
00:32:23: in einem anderen Bundesland gab Ich bin mir gerade nicht sicher welchen Hannover oder... Hessen!
00:32:27: Äh, Hannover ist nicht mein Bundesland.
00:32:29: Hessen genau.
00:32:32: Und dann dachte Marianne, machen wir das auch.
00:32:35: Das ist also alles auf Mariannes Idee gewachsen.
00:32:39: und dann kam Marianne mit Bananen, mit Mikrofonen, Mit Boxen alles angeschleppt und mit der Presse im Schlepptau ja und die SchülerInnen haben... Also ich habe der Schulleitung gesagt Wir würden das gerne machen.
00:32:55: können wir das tun, weil es fällt kein Unterricht aus und habe versucht dann die Argumente so zu entkräften, die die möglicherweise haben könnten.
00:33:02: Tatsächlich kamen da gar keinen Widerstand von denen.
00:33:05: Die stehen sehr hinter uns und für das was wir stehen wofür auch die Schule eigentlich steht.
00:33:10: Und die Kinder haben dann im Unterricht von einigen Lehrkräften.
00:33:15: die haben gesagt dass diese Aktion in der Mittagspause stattfindet und dann haben sie ganz spontan wenn es sich so ergeben hat und wenn die Zeit hatten so Plakate erstellt.
00:33:24: Wo dann so?
00:33:24: was stand wie Menschenrechte für alle, Bildung statt Abschiebung.
00:33:28: Solche Slogans und dann standen da schon hundert über hundert Schüler bei uns auf so einer Treppe haben die Schiller brav hochgehalten.
00:33:37: eine halbe Stunde Und verschiedene Schüler haben auch gesprochen haben sich Einverständnis Erklärungen der Eltern geholt dass sie vor der Kamera sprechen dürfen.
00:33:45: Die Schüler Vertretung die Schulleitung wir Lehrkräfte Marianne das war auf einmal ganz groß So emotional auch, dass die Kinder – was mir als Lehrkraft so wichtig ist oder auf mich persönlich nicht nur als Lehrkraft aber das Ruhheim und Rammler merken sie sind nicht alleine.
00:34:04: Und natürlich auch die Eltern waren hin- und weg davon, dass so viel Unterstützung da ist.
00:34:14: Das war eigentlich finde ich sogar noch viel wichtiger diese Hoffnung nicht zu verlieren in so einer Situation.
00:34:21: und das was Marianne beschrieben hat über die Familie, dass ist ja nur ein Buchteil von dem was da ist.
00:34:32: Das war ganz besonders und es ging dann auch ungefähr nur die Mittagspause und dann habe ich der Unterricht und das hat alles so reibungslos geklappt und ich glaube das war dein zweiter Gedanke mit diesem Leitfahren für die Lehrkräfte.
00:34:45: aus dieser Aktion hat sich das auch entwickelt weil Ich wusste ja auch nicht, was ich tun sollte.
00:34:50: Hätte ich jetzt Marianne und den Verein Mosaik nicht gekannt?
00:34:53: Wer weiß, was passiert wäre... Genau!
00:34:57: Und da brauchen die Lehrkräfte einfach einen Leitfaden oder auch mal so Mini-Fortbelungen in Lehrerkonferenzen oder Schulkonferenz am besten.
00:35:08: Da hat sich dann auch eine AG, eine Arbeitsgemeinschaft bleiben.
00:35:14: Wie gab es schon von Mosaiks abgespalten.
00:35:17: Und jetzt haben wir da auch eine kleinere AG-Bildungsstadtabschiebung, wo wir auch überlegen wie können wir das?
00:35:24: Wer kann was tun?
00:35:26: und ich dachte mir so mal... Ich kann dieses ganze Recht nicht!
00:35:30: Ich würde gerne versuchen einen Leitfaden zu erstellen für Lehrkräfte um den zugänglich zu machen und genau dass die Lehrerinnen sich da auch orientieren können und auch Unterstützung finden und Halt finden.
00:35:45: erstmal Ja, das ist ganz wichtig.
00:35:49: Ja vielen Dank!
00:35:50: Da war noch ein Gedanke den ich davor schon hatte dass ihr auch sozusagen Glück hattet und ich würde es jetzt nicht nur als Glück definieren weil das ja sicherlich auch was mit Vertrauen- und Beziehungsarbeit und so zu tun habt, dass ihr überhaupt davon erfahren habt.
00:36:06: also ich glaube das muss man auch nochmal betonen ne?
00:36:09: Dass das ja auch je nach Schulsettingen nicht selbstverständlich ist offen waren und mit ihnen Lehrkräften irgendwie schon gesprochen haben, uns ja sogar zur Schulleit schon gegangen sind.
00:36:22: Was ihr zu Beginn erzählt hattest oder was ihr zubeginn erzählt hatte das ist ja zumindest schau mal ein Moment in dem man darüber informiert wird dass eine Abschiebung stattfinden könnte.
00:36:35: Das stelle ich mir jetzt, dass du Mariane eben gesagt in Köln gibt es eigentlich so eine Absprache.
00:36:41: Dass aus der Schule heraus nicht abgeschoben wird und du hast aber auch betont, dass das ein fragiler Sache ist und auch nicht überall nicht gemacht wird sozusagen.
00:36:52: Und das ist ja auch total wichtig für Schulen überhaupt erst zu wissen also welche Potenzialen Momente können wir auf uns zukommen.
00:37:03: Und wenn das eben auch in Schule stattfinden kann, dann erst recht.
00:37:09: Also das ist glaube ich noch mal eine Sache die ich einfach betonen wollte.
00:37:14: Aktuell ist die Absprache es gibt keine Abschiebung aus den Schulen.
00:37:18: aber und das ist ja das Tolle was der Junge gemacht hat zeigt welchen Weitblick der junge Mann hat Dass er zu seinen Lehrkräftengang ist, nicht weil er Angst hat in der Schule abgeschoben zu werden aber irgendwann morgens rausgefischt zu werden.
00:37:35: Und da schon mal den Lehrern zu sagen hey wenn ich irgendwann mal nicht mehr komme dann bin ich nicht verunglückt auch wenn sich das für euch und für mich anfühlt wie auf einmal tot zu sein denn ich habe mit anderen Lehrkräften gesprochen die dann mit abgeschobenen Schülern und Schülerinnen zu tun hatten, die sagten wie erkläre ich das meiner Klasse.
00:37:58: Das ist ja wie wenn ein Schüler plötzlich einen Unfall tot hat und weg ist weil es gibt oft dann erst mal kaum Kontaktmöglichkeiten was natürlich gut wäre.
00:38:08: aber wie will das alles geleistet werden?
00:38:11: Und das macht etwas mit der ganzen Schulgemeinschaft aus den Lehrern.
00:38:15: Und deswegen war so mein Impuls, als Niescher kam erst mal zu hören und sich der Situation wirklich zu vergegenwärtigen.
00:38:24: ist da was möglich?
00:38:26: Ist da nichts möglich?
00:38:28: In dem Fall war für mich relativ schnell klar, es ist etwas möglich.
00:38:32: Da müssen wir für Recht und Gerechtigkeit sorgen.
00:38:37: Dann gab's einen Punkt, dass wir den Hinweis bekommen haben wenn nicht jetzt schnell was passiert dann kann natürlich auch schnell noch eine Abschiebung passieren.
00:38:48: Und deswegen haben wir bewusst nochmal Öffentlichkeit erwirkt, um die Petition und der Härtefallgeschichte, die wir dann an Start gebracht haben, nochmal zu untermauern.
00:38:59: Im Grunde genommen zeigt es diese Situation denn wenige Tage nachdem wir das gemacht haben ist in Leverkusen eine einzelne Person voll berufstätig aus dem Krankenstand aufgegriffen worden und abgeschoben worden.
00:39:18: Und dann habe ich gesagt, hätten wir jetzt nicht diese Aktion gemacht und diese Anträge eingereicht und diese Öffentlichkeit erreicht, selbst die Familie auch am Flieger?
00:39:29: Und zwar sogar auch Abschiebungen nach Sri Lanka, ne?
00:39:32: Nach
00:39:32: Sri Lanka ist man abschieben nach Sri Lanker!
00:39:34: Das heißt der Flug war wahrscheinlich schon mit für die Familie gebucht und das konnten sie aber da nicht durchziehen.
00:39:39: Also meine Formu ist eine Hypothese, die ich jetzt habe Aber sie ist nicht unberechtigt.
00:39:47: Ja, ich glaube es wird auch in dem Gespräch so zwischen euch und total deutlich wie wichtig auch Vernetzung von Schule natürlich in die Stadtgesellschaft und auch zu externen Organisation ist.
00:40:00: Ich meine das jetzt auch nichts Neues.
00:40:01: aber vielleicht auch explizit zur Organisation die Flüchtetenhilfe leisten und dass wir dich sogar erweitern zur Organisation, die auch Antidiskriminierungsarbeit und sowas machen weil das sehr oft miteinander verschränkt ist.
00:40:16: Wir kennen den Schulen, dass wir viel Vernetzung haben.
00:40:19: Ich weiß nicht, wie es dir da geht.
00:40:21: Aber mein Bauchemperie-Gefühl ist, dass es oft so Kontakte zu Familienberatungsstellen gibt und was natürlich auch alles ... Also ich will das jetzt nicht in eine Hierarchie bringen, was natürlich super wichtig ist.
00:40:36: So psychosoziale Beratungsstellende wenn's um mentale Gesundheit geht und all diese Dinge.
00:40:43: aber ich wüsste jetzt Zum Beispiel von meiner Schule nicht, ob es so einen expliziten Kontakt wie zum Beispiel in der Organisation Wie Mosaik im Datei gibt.
00:40:53: Das ist auf jeden Fall was ich auch nochmal erfragen werde und versuchen werde dann herzustellen.
00:41:00: Und wenn du das jetzt nicht privat sozusagen gehabt hättest, das hast du eben auch schon betont.
00:41:07: Dann hätte sich das ja auch zeitlich verzögert.
00:41:10: Also dann hätte es ja auch irgendwie eine Woche oder zwei länger dauern können und wenn man schon an so einem Punkt ist kann das natürlich ne vulnerable Zeit sein.
00:41:19: also Das ist ja nicht unwichtig dass auch präventiv zu denken.
00:41:25: Und ich würde dann Marianne auch nochmal fragen wollen, warum ist denn gerade diese Öffentlichkeitsarbeit so wichtig?
00:41:30: und auch da ergänzen das eine Vernetzung in diese Richtung?
00:41:35: Super, super wichtig ist.
00:41:37: Weil Niusche du hast ja eben auch schon gesagt ich habe jetzt nicht diese ganzen Kontakte.
00:41:42: Ich kann jetzt nicht innerhalb von drei Tagen irgendwie BDR-Presse, keine Ahnung Stadtanzeiger und so weiter über diese Kontakte an die Schule bringen.
00:41:52: Aber durch die Brücke zu Mosaik hat es dann geklagt.
00:41:56: Also da einmal die Betonung von Vernetzung Und die Frage nach Vernetzung und der Bedeutung davon Und auch die Frage warum gerade bei diesem Thema öffentliche Keitsarbeit so unglaublich relevant ist?
00:42:09: Ja, ich glaube zwei Dinge sind relevant.
00:42:10: Also einmal den Kontakt zu einer politischen Ebene weil es ja auch politische Fragen und über die politische Ebene dann das auch in die Öffentlichkeit zu bringen.
00:42:20: Weil natürlich will letztendlich keine Stadt irgendwie da kritisch dastehen.
00:42:26: Das sehen wir jetzt auch in diesen Fragestellungen Und dann ist aber wichtig dass man den Fall gut und klar begründet, auch da sich ein Blick reinholt.
00:42:40: Das heißt also wenn wir so einen Fall angehen dann informieren wir uns breit.
00:42:45: Wir gehen nie alleine daran sondern schauen dass wir verschiedene Expertinnen haben und auch uns mit Rechtsanwälten beraten.
00:42:55: Also ich bin ja jetzt Theologin und keine Rechtsanweltin aber habe natürlich jahrzehntelang Erfahrung.
00:43:03: Das Spannende ist bei dieser Situation, wir sind unabhängig.
00:43:09: Es gab ja eine Beratung auch vonseiten eines freien Trägers aber oft brechen die dann ab wenn sie sehen naja wie wollen wir jetzt noch weiter machen?
00:43:21: weil es ist eine Rechtsendlichkeit die da geschaffen wurde durch die Ausstellung des Papiers.
00:43:27: und über diese Grenze gehen wir als Mosaik hinweg und sagen Aber es ist keine Gerechtigkeit.
00:43:35: Es ist eine Rechtsendlichkeit, aber keine Gerechtigkeit.
00:43:38: und die Begriffe jetzt so richtig sind... ...aber das sind meine Begrüsse, die ich jetzt dafür nutze.
00:43:42: Und ich stehe in Mächtigkeit!
00:43:46: Unsere Systeme sind nicht mehr gerecht und deswegen müssen wir genau schauen und brauchen eine gute Haltung.
00:43:54: Um eine gute haltung zu haben muss man natürlich selber eine eigene Überzeugung haben und eine eigene Klarheit eine Kompetenz, die man sich erarbeiten muss mit anderen zusammen und dann entwickeln muss.
00:44:07: Und dann brauchst du Solidaritätspartner.
00:44:11: Das ist einmal das Thema Öffentlichkeit, da sind anders das Thema die Menschen drum herum und die Fahrexperten und dann halt eben die Politikerinnen, die auch noch unterstützen zur Seite stehen.
00:44:25: Das sind so für mich die Voraussetzungen des Inbots zu haben.
00:44:31: Dann sind wir aber immer noch nicht am Ende, wissen wir in dem Fall.
00:44:33: Immer noch dran.
00:44:35: und was ich total beeindruckend fand und das hat mir auch nochmal eine enorme Kraft gegeben also diese die Situation die Nische erzählt hat von der Schule Die Schüler und Schülerin die so hinter ihren beiden Schulern stehen Schülerinnen stehen die Lehrkräfte die das ermöglicht haben.
00:44:57: Also das war Eine Atmosphäre in dieser Stunde, die war echt herzerreißend.
00:45:08: Da muss man handeln!
00:45:12: Und da muss man gucken wie zäh hält man das durch?
00:45:16: Ich sage jetzt mal so wir haben die Petition den Härtefallantrag gestellt.
00:45:21: Die Ertefallkommission hat das scheinbar positiv beschieden.
00:45:25: Zumindest ist mir das so herangetragen worden.
00:45:27: von der Petition, habe ich eine positive Rückmeldung und dennoch reagiere die Stadt nicht.
00:45:34: Sogar ein Bundestagsabgeordneter hat einen Oberbürgermeister geschrieben und gebeten doch im Sinne der Möglichkeiten zu handeln, die es für die Familie gibt.
00:45:48: Und
00:45:49: dennoch nada!
00:45:54: Also da bin ich unerbitterlich.
00:45:57: Es geht nach diesem Podcast noch eine Mail raus, an die Behörden wieder.
00:46:04: Ich war gerade vorgestern nochmal bei der Ausländerbehörde mit der Familie schon allein zu sehen, mit welcher Angst die Menschen da hochgehen und zu spüren wie sie quasi vor einer Wand sitzen.
00:46:21: Und es war scheinbar nicht das erste Mal als sie der Sachbearbeiter, der Familie das neue Papier, also nur wieder für ein Monat das gleiche Papier geben wollte.
00:46:35: Haben sich es erst weggesteckt und dann hat er gesagt, lass uns noch mal gucken!
00:46:39: Dann war da das falsche Datum drauf.
00:46:42: Das Datum vom Ablauftag von dem wo wir's jetzt abgeholt haben.
00:46:46: Also er hat das nur auch wieder ausgedruckt.
00:46:51: Also welche Würdelosigkeit Achtlosigkeit heißt, da können wir nicht schweigen.
00:47:00: Also meine Situation.
00:47:02: Danke, dass du das auf jeden Fall auch nochmal berichtest.
00:47:06: Das ist ja jetzt auch so ein bisschen die Frage, die natürlich offen bleibt was es jetzt gerade diese Situation hat eurer Meinung nach denn das ist jetzt auch vorsichtig formuliert Die Aktion und die Aufmerksamkeit gebracht Und das würde mich aus schulischer Sicht interessieren da dann auch im Nachgang sich Leute bei der Schulleitung gemeldet haben oder so, ob da dann irgendwas noch in Gang gesetzt wurde neben dem.
00:47:36: Vielleicht auch an Aufmerksamkeit was Mariane du jetzt schon erzählt hast, was ihr weiter macht und wo ihr ja weiter dran seid?
00:47:43: Und natürlich okay wie geht's der Familie jetzt gerade so und natürlich unter Achtung Privatsphäre, dass wir jetzt natürlich auch nicht alles irgendwie dann erzählen können und wollen.
00:47:55: Aber das wäre jetzt natürlich einfach ein wichtiger Punkt.
00:48:01: was also eure Einschätzung ist.
00:48:04: Ja ich wollte diese Begegnung hier in der Teeküche vor allem für dieses Gemeinschaftsgefühl so nutzen um darüber zu sprechen, Schülerinnen erfahren, dass ein Mitschüler einfach möglicherweise aus dieser Gemeinschaft herausgerissen werden kann in irgendeinem Moment ohne Vorwarnung.
00:48:29: Und ich finde gerade Schule ist ein Ort wo wir ja den Kindern versuchen diese Gemeinscharf nahezubringen auch um sie natürlich auf die Gesellschaft vorzubereiten.
00:48:38: Paradoxerweise ist Schule finde ich immer so einen sehr abgeregelter Raum unter sich.
00:48:43: also wir haben keine Vernetzung zu irgendwelchen Organisationen wie zum Beispiel Mosaik, so von der Struktur her gesehen.
00:48:50: Vom System her gesehen oder zur Altenheim oder zu Kindergärten.
00:48:53: also wir sind in unserer Blase aber sprechen immer von der Gemeinschaft die es da irgendwie gibt und die wir irgendwie sind.
00:49:00: Und dann auf einmal gibt es so ein Fall und die Kinder natürlich total schockiert und da war ich auch wirklich meiner Schulleitung so dankbar dass sie diese Gemeinsschaft nicht nur predigen sondern leben Und die Kinder auch, wie man dann gesehen hat.
00:49:15: Auch an der Atmosphäre.
00:49:16: und ja also diese Zugehörigkeitsgefühl hatte ich dann auch... Also diese Sinnhaftigkeit dieses Zugeheuregkeits gefühlt hat sich dann irgendwie auch so eine Frage gestellt.
00:49:29: An unserer Schule lief das jetzt gut, sage ich mal so, diese Aktion und dieses Gefühl.
00:49:34: aber ich würde mal behaupten fast jede Schule predigt, dieses Gemeinschaftsgefühl?
00:49:39: Dann gibt es da trotzdem immer irgendwelche Hindernisse.
00:49:42: oder wenn man das vielleicht auch nicht weiß von dem Abschiebefall ist, noch mal eine andere Sache.
00:49:46: Aber ja ich fand es irgendwie sehr schwierig so.
00:49:49: warum predigen wir den Kindern?
00:49:50: Warum versuchen wir denen diese Werte zu vermitteln, wenn die einfach möglicherweise im nächsten Moment abgeschoben werden können?
00:49:57: Dann frage ich mich auch in Deutsch unterricht, warum muss sich jetzt hier das Metro erklären?
00:50:02: Es gibt doch so viel wichtigere Dinge In dieser Bubble ist man aber dann so gefangen und da einmal auszubrechen?
00:50:09: Das war dieser moment als ich von dem abschiebbefall mit.
00:50:12: Also als ich das gehört habe, das war für mich das erste Mal und ich wusste natürlich es werden Menschen oder Kinder abgeschoben.
00:50:19: Aber es war nicht in meiner Bubble!
00:50:20: Und dann war's auf einmal in meiner bubble und auf einmal betrifft es auch Milch persönlich und uns als Schule... ...und da hat sie irgendwie so klick gemacht dass ich dachte das kann ja auch nicht sein, dass das jetzt einfach so ist.
00:50:33: um auf deine Frage zurückzukommen Ich glaube diese Aktion hat vor allem dieses Gemeinschaftsgefühl so gestärkt.
00:50:42: Es war schon da und das hat es nochmal einfach diese Situation, dass noch mal gezeigt, dass es da ist und dass man zusammen gehört und dass wir nicht aufhören für einander zu kämpfen.
00:50:53: Und ich weiß jetzt von der Schulleitung nicht, dass sie mir gesagt haben, da kamen jetzt Leute auf uns zu und haben nochmal gefragt.
00:50:59: was ich aber weiß ist, dass die Schulleitung auch sehr stolz ist auf unsere Schüler und dass sie das den auch vermittelt haben.
00:51:10: Ein Abend später lief das ja im WDR und dann habe ich die ganzen Links.
00:51:13: Und wir haben die ganzen links für den Artikeln gesammelt, und guck mal hier und die schreiben und guckt mal da!
00:51:17: Auch in unserer WhatsApp-Gruppe mit der Familie haben wir das geteilt.
00:51:20: Das zeigt einfach... Die sind nicht alleine.
00:51:24: Sowohl für die Familie als auch für uns, also auch für die Mitschülerinnen.
00:51:27: Für alles ist eigentlich so ein essentielles wichtiges Gefühl, wirklich zu merken dass es nicht nur leere Worte sind.
00:51:36: Also ich muss sagen Ramla und Ruheheim sind so unfassbar starke Schülerinnen, also Kinder und Menschen.
00:51:46: Ich kann mir das gar nicht vorstellen was die durchleben.
00:51:51: Und Roheim ist immer am Lächeln, er kommt immer zur Schule.
00:51:54: der engagiert sich so viel Rammler ist ja jetzt schon über achtzehn hat deswegen auch noch mal eine andere Art Problematik geht mit ihren Eltern viel zu den Behörden und zu den Terminen und verpasst natürlich auch Schule.
00:52:06: dadurch teilweise Also, aber da fragt man sich ja auch wieder.
00:52:13: Wie kann ich ihm jetzt vermitteln?
00:52:14: Dass es so wichtig ist dafür zu lernen wenn er möglicherweise oder sie nicht mehr da ist dann, wenn's soweit ist mit dem Armee und der Realschulabschlussprüfung.
00:52:26: Aber diese beiden sind wirklich stark!
00:52:28: Und so erlebe ich die jeden Tag in der Schule... so fröhlich.
00:52:33: Vielleicht ist das nur Fassade, aber allein diese Fassada aufrecht zu erhalten finde ich es auch schon eine Leistung und ich habe nicht das Gefühl dass das so ist.
00:52:40: die sind einfach so dankbar für alles was man für sie tut und das ist sehr wertvoll finde ich und das hat diese Aktion nochmal verdeutlicht.
00:52:50: Ja vielleicht kannst du jetzt noch mal unterstreichen genial gewesen, was die Schule da mitgeleistet hat und jeder Einzelne von denen, die dabei waren.
00:53:01: Und dass das möglich wurde.
00:53:06: Für die Familie Ruf ist das ungemein wichtig weil sie von dem Tag an genau wussten Sie stehen nicht alleine.
00:53:13: auch wir lassen sie nicht allein hier zu den Behörden gehen.
00:53:16: Das ist einfach nochmal ein ganz wichtiges Signal Und ich hatte danach aber auch noch Gespräche mit einzelnen Schülern und Schülerinnen, die so gesagt haben, wie ich gefragt habe.
00:53:30: Warum steht ihr da so?
00:53:31: Ihr seid so überzeugt, sagten sie ja vielleicht bin ich ja der oder die Nächste.
00:53:37: Und wofür lerne ich dann?
00:53:39: Und bei dir und deinen Lehrerkollegen, Yisha hab' ich deutlich gespürt, die Frage Wir setzen so viel Liebe und so viel Kraft in die jungen Menschen hinein, trotz dessen dass sie alle irgendwie ihre Traumatisierungsgeschichte haben.
00:53:57: Und das ist ja schon etwas.
00:54:00: Schafften es die Lehrerschaft ihr als Lehrer eine Beziehung zu den Schülerinnen aufzubauen?
00:54:06: dass sie trotz ihrer großen Belastung in der Lage sind, so gut zu lernen.
00:54:11: Was ist das für ein Engagement was ihr da reinsetzt?
00:54:16: Und dann knallaufall kommt irgendwas von außen was sagt und die sollen jetzt weg!
00:54:23: Und realistisch wissen wir in einem überalterten Deutschland dass wir junge Menschen brauchen, die unsere Gesellschaft stärken unterstützen und ihr macht sie stark dafür.
00:54:36: Ihr entwickelt sie dafür und euch wird das
00:54:39: genommen.".
00:54:41: Also das ist ja eine doppelte dreifache Schädigung – Die Schädigung der Familie in ihrer Gänze!
00:54:49: der Lehrer in ihrer Kompetenz, die sie machen und eine Beschneidung und eine Frustration eigentlich.
00:54:56: Wofür machen Sie das?
00:54:58: Wenn man überlegt... In manchen unserer Schulen haben wir einen Ausländeranteil von achtundneinzig Prozent.
00:55:06: Das heißt also, die können demnächst mit fünfzig Lehrkräften zwei deutsche Leute unterrichten wenn wir so weiter denken.
00:55:15: Und das kann es doch wirklich nicht sein!
00:55:17: Da müssen wir politisch aufstehen Und das ist für mich mein Motivationsgrund und da möchte ich eigentlich, dass ganz viele Leute mit uns aufstehen und sagen so kann es doch nicht gehen.
00:55:31: Und es ist richtig, dass die Schüler sagen bin ich der nächste oder die nächste?
00:55:36: Dann sage ich natürlich naja wahrscheinlich nicht.
00:55:41: aber wenn wir die Zeitung aufschlagen und in irgendwelchen Dovenartikeln lesen.
00:55:46: Achtzig Prozent des syrischen Geflüchteten können ja wieder zurück ist doch alles wieder wunderbar in Syrien.
00:55:51: Natürlich betrifft das auch die Menschen, die lesen das auch unter Umständen.
00:55:55: Ich hoffe sie lesen es manchmal nicht und genau deswegen müssen wir in aller Deutlichkeit aufstehen dass die Leute hier Lust haben hier zu bleiben und kein Mensch verlässt seine Heimat wenn es gut ist.
00:56:10: Wir Deutschen ich bin früher auch gereist meine Kinder sind gereist die sind so alt wie ihr etwa.
00:56:16: Die hatten die Möglichkeit weil sie ein deutschen Pass haben.
00:56:19: ja
00:56:20: habe ich was dafür getan dass sich einen deutschen pass ab.
00:56:25: Ich musste nie aus dem Krieg flüchten, meine Eltern.
00:56:29: Aber
00:56:30: das geht doch nicht an, dass wir uns so über die Menschen hinwegstellen, die sich so engagieren und das können wir nicht stillschweigend stehen lassen.
00:56:45: Ja danke, dass du das nochmal so betonst und ich glaube wir alle kennen auch vor dem Hintergrund... Ich will jetzt gar nicht zu sehr auf die allgemeinen politische Lage eingehen, weil ich glaube viele die Zuhören können da auch in eins bis eins selber hinbekommen.
00:57:02: Aber ich glaube an der Stelle ist es ja auch noch mal wichtig zu betonen dass diese Fragen oder diese Aussagen von Schülerinnen natürlich in der derzeitigen politischen Lage auch nicht von ungefähr kommen.
00:57:13: Wir alle wissen oder sollten wissen, dass Diskriminierungserfahrungen, Ausgrenzungserfahrung und Rassismus-Erfahrungen usw.
00:57:22: natürlich auch.
00:57:23: das ist ja Das ist ja wie so eine Abwärtsspirale, natürlich er sich auch auf sowas wie Konzentrationsfähigkeit auswirken oder Motivation in Schule und so weiter.
00:57:37: Und das selbst nur mal auf dieser schulischen Ebene.
00:57:41: Und alleine deshalb ist glaube ich um das nochmal ein bisschen zu unterstützen es ist so wichtig zumindest Bubbles, wie du es eben genannt hast.
00:57:53: Einigermaßen sichere Räume... zu kreieren, ja?
00:57:57: Selbst wenn es nur der einzelne Klassenraum ist.
00:58:00: Ja und selbst wenn man nicht das Dokument herzaubern kann und nicht mit einer so eine Aktion oder mit dem Einsatz direkt die ganze Situation verändert aber dass ermöglicht ist ja zumindest für den Moment oder für den Alltag oder für die Routinen auch wenn das andere Routine sind als man sich vielleicht wünschen würde für die Schülerinnen oft diese Ich würde nicht sagen sicheren, aber sichererrennen Momente und Orte zu schaffen.
00:58:31: in dem Wissen, dass man so viele Schülerinnen dann zum Beispiel um sich herum hat die eben mit auf dieser Treppe stand wie eben da auch gesagt haben.
00:58:41: ich möchte dazu auch öffentlich sprechen und sich damit eingesetzt haben.
00:58:46: Und das negiert natürlich nicht, dass wir in Schule ganz viel Antidiskriminierungsarbeit brauchen und sowieso über sehr viele Dinge sprechen müssen und pädagogische Arbeit machen
00:58:56: usw.,
00:58:57: was ja eh alles auch in so einem professionellen Verständnis ist reingehören müsste, im besten Fall auch tut.
00:59:04: Und trotzdem ist es glaube ich an so einem Fall so explizit deutlich dass man das auch nicht nur macht logischerweise und dann irgendwie am nächsten Tag den Wich in der Hand zu haben und sich selber auf die Schulter klopfen zu können logischerweis also sondern eben ja Schule da eine wichtige Rolle spielt.
00:59:26: Was toll ist, wir bleiben jetzt nicht in der Babel stehen.
00:59:28: Sondern wie Nils schon gesagt hat sind wir auf dem Weg im Grunde die Initiative Bildungsstadt Abschiebung in Nordrhein-Westfalen zu starten.
00:59:41: von Köln ausgehend gibt es sich noch negative Dinge sondern auch positive Dinge vom Kölner Ausgehen und wo wir dann uns selber auch ein bisschen ermächtigen, an dem Thema dran zu bleiben und diese aktive Lehrerinnen unterstützen.
01:00:00: Aber auch die Schülerschaft unterstützen da wachsam zu sein und eine Sensibilität zu entwickeln.
01:00:06: Und auch die Zivilgesellschaft drum herum so wie wir jetzt als Mosaik sozusagen hey!
01:00:11: Wir müssen da deren Seite mitstehen.
01:00:14: also dass es ein gutes Thema ist.
01:00:18: In Hessen gibt es das Thema Ausbildung statt Abschiebung.
01:00:25: Also im Grunde genommen auch ganz wichtig und damit wollen wir auch sehr eng gerne kooperieren.
01:00:32: Vielen, vielen Dank!
01:00:33: Einladung mitzumachen oder sich zu engagieren oder wer Fragen hat weil je mehr Leute umso stärker sind wir
01:00:42: Absolut.
01:00:43: Und das ist auch eigentlich die perfekte Überleitung, es ist ein großes Thema und auch so an einem Fall, dass man so exemplarisch und an diese Aktion zu erklären ist mit Sicherheit nicht ausreichend, aber wir packen ja auch noch was in die Show Notes und eine Folge gibt immer einen Impuls im besten Fall sich mit Themen auseinanderzusetzen.
01:01:08: Ende dieses Gesprächs gerne auch nochmal anknüpfen und eine Hausaufgabe formulieren.
01:01:15: In dem Wissen, dass man große komplexe Themen die mit anderen Themen verschränkt sind nicht in so einer Folge abhaken kann, das man da vielleicht noch ein bisschen was mitnimmt aus der Folge und nicht nach dem Auto sagt, das war es.
01:01:32: jetzt ist dieses Thema abgehakt.
01:01:35: also ich würde als Hausaufgabe vielleicht mitgeben, wenn man jetzt in der Schule arbeitet für die Personen, die das tun.
01:01:47: Nicht zu vergessen dass das alles Menschen sind mit einer Geschichte, die man vielleicht nicht immer sieht oder nicht immer kennt und dass man also für mich gesprochen manchmal sehr festgefahren ist im seinem System seiner Bubble wie ich ja schon meinte Manchmal noch dahinter zu schauen und für alle Menschen, dass die Ehrenamtarbeit eigentlich so unfassbar wichtig ist.
01:02:18: Und das wie Marianne auch schon meinte immer ein bisschen Zeit gibt irgendwas zu tun.
01:02:23: Danke!
01:02:24: Ja ich habe nie gerne Hausaufgaben gemacht.
01:02:27: Deswegen bin ich jetzt harthaft im Hausaufgang aufgeben.
01:02:31: Ich glaube mein Wunsch wäre eine bewusste Haltung zu entwickeln für Gerechtigkeit und da auch mutig und wachsam für einzustehen, Menschen zu suchen die sich solidarisieren.
01:02:48: Denn wir sind heute wieder in der Zeit wo das Recht zurecht gemacht wird aber manchmal rechtlos ist.
01:02:56: Vielen Dank!
01:02:57: Ich danke euch sehr für das Gespräch und die Einblicke.
01:03:01: Und vor allen Dingen auch für eure Arbeit, alles Weitere würde ich sagen packen wir in die Show Notes.
01:03:08: Man kann sicher auch an Mosaik spenden, würde ich jetzt mal so sagen.
01:03:14: Das könnte man ja dann vielleicht auch über die Show Nodes finden und auch sicherlich... diese Netzwerkarbeit vorantreiben hier in Köln und dann auch in der eigenen Umgebung.
01:03:28: Vielen, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt!
01:03:30: Danke dir!
01:03:32: Dir lieben Dank Nicole, ne?
01:03:34: Und an alle, die zugehört haben.
01:03:35: Vielen Dank fürs Zuhören.
01:03:37: Bis zum nächsten Mal.
01:03:39: Danke!
01:04:00: To be honest, es sind keine leichten Zeiten und das gilt auch für kleine Pause als Podcast-Projekt.
01:04:07: Wenn dir diese Folge gefallen hat oder dich ein Gedanke daraus noch weiter begleitet vielleicht sogar die Hausaufgabe dann unterstütze kleine Pause doch sehr gerne!
01:04:16: Der podcast ist ein unabhängiges privates Projekt dass aus dem Wunsch entstanden ist Schule aus einer diskriminierungskritischen Diversitätssensiblen und möglichst multiperspektiven Perspektive heraus zu betreiben und diskursive Brücken zu schlagen.
01:04:32: In den Gesprächen geht es um Fragen, die im Schulalltag und in unserer Gesellschaft oft zu wenig Raum bekommen und Diskriminierung macht Rassismus geschlecht Behinderung soziale Ungleichheit politische Bildung und darum wie Schule gerechter und offener werden kann.
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