Kleine Pause

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Begegnungen in der Teeküche

Transkript

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00:00:00: Ich kann auch meiner Sicht auf die deutsche Schule bildern.

00:00:03: Ich gerne viele Kinder mit Migrationsgeschichte, die in Deutschland zur Schule gehen, die aber sich entscheiden müssen ob sie ja Deutsch wirken wollen oder ob sie ihre Herkunftsidentität zeigen können.

00:00:18: und viele entscheiden sich halt für die Anpassung weil sie akzeptiert werden wollen, weil sie interaktiert wirken.

00:00:34: Begegnungen in der Tee-Küche.

00:00:48: kleine Pause-Podcast.

00:00:50: Begegnungen in der Teeküche.

00:00:52: Ich freue mich total, dass du heute hier bist.

00:00:55: wer sich hinter diesem Du verbirgt das hören wir jetzt sofort.

00:01:00: und vor allen Dingen freue ich mich weil wir uns tatsächlich ein zweites Mal schon begegnen.

00:01:04: Wir haben uns nämlich auf der Leipziger Buchmasse gesehen und schon mal kurz über diese Podcastfolge gequatscht Und jetzt realisieren wir sie!

00:01:12: Ich freu mich total also herzlich willkommen stellen würdest.

00:01:19: Dankeschön!

00:01:20: Hallo, ich freue mich sehr dass ich dabei sein darf.

00:01:24: Ich bin Tietang Thao Chan die Autorin von Menschen wie wir und das ist mein Deby Roman der dieses Jahr am dritten zweiten bei Leitkampelach erschienen ist.

00:01:36: Ich habe Kulturwissenschaften und Vergleich in der Literatur- und Kunstwissenschaft studiert.

00:01:42: nach dem Studium bin ich ins Marketing und Öffentlichkeitsarbeit gerutscht und habe dort bis vor kurzem gearbeitet.

00:01:51: Und so seit schreibe ich an meinem zweiten Roman, und ich freue mich sehr heute hier zu sein!

00:01:56: Ja, ich freu' mich auch... Es ist ja manchmal in diesem Podcast so dass man sich vielleicht ein bisschen wundert was das jetzt mit Schule zu tun hat.

00:02:06: Ich lade Autorinnen ein Die wissen einen Journalist in den Leuten aus unterschiedlichsten Bereichen.

00:02:12: Teilweise ist es sehr klar, also wenn ich jetzt irgendwie ein Professor einlade der in der Lehrerausbildung arbeitet dann ist das ganz klar okay.

00:02:23: der Schulbezug ist offensichtlich und bei dir vielleicht nicht sofort weil du ja gerade beschrieben hast vor allen Dingen bist Du als Autorin heute hier willst du vielleicht selber mal so ein bisschen sagen was Dein Schreiben und vielleicht auch deine Arbeit so insgesamt mit Schule zu tun haben könnte.

00:02:44: Also das erste, was mir eingefällt ist dass ich in meinem Roman über die dynamisischen Vertragsarbeiterinnen der DDR schreibe.

00:02:52: Das ist ein für mich sehr wichtiges Thema dass ich in der deutschen Geschichte vermisse.

00:02:58: Ich finde das wichtig darüber zu wissen, weil es so ein Teil der ostdeutschen Geschichte ist und ich kann auch meiner Sicht auf die deutsche Schule schildern.

00:03:09: Ich gerne viele Kinder mit Migrationsgeschichte, die in Deutschland zur Schule gehen, die aber sich entscheiden müssen ob sie ja Deutsch werden wollen oder ob sie ihre Herkunftsidentität zeigen können.

00:03:26: und viele entscheiden sich halt für die Anpassung, weil sie akzeptiert werden wollen.

00:03:30: Weil sie integriert werden, wirken wollen.

00:03:34: Und das finde ich sehr schade.

00:03:35: In diesem Zusammenhang wurde ich mir wünschen dass deutsche Schulen vielleicht die Herkunftssprache als Weilsorg anbieten könnten damit Kinder mit Migrationsgeschichte auch ihre Muttersprache lernen können.

00:03:52: Es ist ja so, dass diese Aufgabe irgendwie auf den Eltern lastet.

00:03:58: Also vor allem auf der Schulter der Mutter.

00:04:00: Viele haben ja keine pädagogische Ausbildung und sie müssen auch noch arbeiten und können ihren Kindern die Herkunftssprache gar nicht beibringen.

00:04:11: Und das finde ich dann schon sehr schade, dass dieses Wissen verloren geht.

00:04:16: Das weit Sprachigkeit ist da so wichtig – nicht nur die Kinder sondern auch die Gesellschaft!

00:04:20: profitiert davon.

00:04:22: Ja, und vor allem ich finde in deutschen Schulen werden alle Sprachen, die nicht englisch oder französisch zu Ende irgendwie abgewertet.

00:04:32: Wenn die Herkunftssprache als Unterricht angeboten wird dann werden diese Sprachen weniger stigmatisiert sie werden dann aufheben akzeptiert und die Kinder trauen sich auf wie mehr dieser Sprachen zu sprechen.

00:04:48: Vielen Dank.

00:04:49: Das sind ja jetzt schon so mehrere Ebenen, die du ansprichst und das finde ich ist auch voll wichtig, dass immer ein bisschen auseinander zu pflücken wie viele Ebenes da eigentlich gibt von – ich sage mal über Repräsentation ne?

00:05:06: Auch in der Geschichte Deutschland.

00:05:08: Sie hat bei dir auch Vertragsarbeiterinnen in der DDR vielleicht auch die Unterscheidung der Bundesrepublik, wie war es in der DDR Ost-West und damit auch Verschränkungen.

00:05:22: Wir sprechen jetzt über vietnamesische Diasporalen aber das betrifft ja durchaus auch andere die damit verschränkt sind also wo oft eine Homogenisierung beispielsweise stattfindet in so einem Blick von außen.

00:05:35: die eigene Geschichte auch repräsentiert zu sehen in Schule, da können wir auch noch darüber hinausgehen.

00:05:41: Auch das kommt in deinem Buch vor überhaupt auch über die neunziger Jahre zu sprechen.

00:05:46: Welche Themen besprechen wir?

00:05:48: Wenn wir über die Wendezeit sprechen, dann kann man auch über Rostock-Lichtenhagen sprechen und so weiter... Das ist jetzt nicht vollständig!

00:05:56: Das ist nur als eine Ebene.

00:05:59: Dann hast du die sprachliche Ebene angesprochen, die ja auf ganz viele andere übertragen ist Hierarchisierung in Schule, Machtverhältnisse in Schule die dadurch auch gekennzeichnet sind.

00:06:10: Dann haben wir auch noch so die Ebene der Vermicherung vielleicht auch von Diskriminierungserfahrungen und du hast sowas wie indirekt zumindest sowas als Klassismus auch angesprochen.

00:06:21: wer hat überhaupt Zeit sich irgendwie zu kümmern was müsste strukturell institutionell geregelt werden?

00:06:29: also da steckt schon so viel drin finde es immer so faszinierend und deshalb mach ich ja auch mit diesem Podcast zu sehen, wie oft Schule eigentlich eine Kernfunktion übernehmen könnte bei so vielen Themen und wie viele Lücken es da aber dann schon noch gibt die einfach nicht ausgeleuchtet werden oder zu wenig ausgeleuchten werden.

00:06:52: Oder bewusst auch nicht ausgeleuchtete werden wollen Euphemistischer Begriff.

00:06:59: Deshalb danke, dass du das schon mal so ein bisschen einwürfst.

00:07:02: Sehr gerne!

00:07:03: Was ich noch ergänzen wollen würde wäre, dass ich in meinem Buch auch viel über bänermäßische Literatur gesprochen habe.

00:07:11: Auch das finde ich etwas ist was in der deutschen Literatur oder im Deutschland allgemein fehlt weil es gibt hier sehr viele russische Literature zum Beispiel aber es gibt viele Bücher aus Japan oder aus China, oder aus Korea die ins Deutsche übersetzt worden sind.

00:07:33: Aber es gibt ziemlich wenig bis gar keine viennamesische Übersetzungen und ich finde das so schade weil da seid ja auch welche Kultur sichtbar gemacht werden und welches Stimmen wertvoll ist.

00:07:48: würde mir das sehr wünschen dass sich das ändert.

00:07:51: früher sehr vermisst, also als ich nach Deutschland gekommen bin hatte ich viel vietnamesisches Wissen mitgebracht und entsprechend haben wir auch deutsches Wissen gefehlt.

00:08:02: Also vor allem in der Literatur und die Bücher, die ich in Vietnam gelesen habe Das Wissen kann ich gar nicht mehr anbinden.

00:08:13: So wie die Sprache geht ja auch dieses Wissen verloren?

00:08:16: Ich würde mir wünschen, dass es mehr dynamisische Literatur gibt, die hier verfügbar sind... weil ich kann zum Beispiel nach Vietnam gehen und in der Bücher kaufen oder lesen, aber... Ich kann nicht mit meinen Nicht-Vietnamistenstrachigen Freunden darüber reden.

00:08:33: Total!

00:08:34: Du sprichst ja auch im Buch... Also ich glaube es ist klar, das ist auch ein autofikzionaler Text.

00:08:38: Du kannst mir bei allem was ich sage widersprechen.

00:08:41: Genau, da ist ein autophizialer

00:08:43: Text!

00:08:43: Du sprichtest ja auch z.B.

00:08:45: im Buch an, im Verhältnis zwischen dir und deiner Schwester.

00:08:49: Das ist ja auch so ein ganz... Ja, ich würde sagen innige aber auch spannungsgeladene Beziehung die du beschreibst unter anderem auf Grund, das wäre jetzt ein Beispiel.

00:09:00: Eurer unterschiedlichen Sprachkenntnisse und als unterschiedlichen Aufwachsens

00:09:04: usw.,

00:09:05: da bin ich jetzt gar nicht zu viel Spoiler an der Stelle.

00:09:08: Wir haben gerade eben überlegt ob wir vielleicht einsteigen wollen neben dem was wie wir jetzt gerade schon eingestiegen sind ins Gespräch über eine Textstelle die du liest in der es auch um Schule geht.

00:09:20: Auch damit wird dein Text nicht soviel vorweg nehmen und ich würde mich voll freuen wenn wir das jetzt machen würden und danach noch weiter darüber sprechen.

00:09:29: Ja, gerne!

00:09:30: Also es ist eine Stelle in der die Ich-Essilerin mit ihrer Familie im Vietnam Urlaub macht.

00:09:38: Das ist ihr erste Urlaub nachdem die Ich Esselerin mit ihrer Mutter zu ihrem Vater in Deutschland ausgewandert ist.

00:09:46: In dieser Szene sitzt sie mit ihren besten Freunden Und er fragt sich über den Vater und das Ankommen in Deutschland aber auch über die Schule in Deutschland.

00:09:57: Vorher haben sie auf den Sternschnuppen gebatet.

00:10:04: Nach fast eine Stunde des Wartens war immer noch keine Sternsknuppe in Sicht und ich dachte schon ans Aufbrechen, als ich hier infrage hatte, dass er ist zu mir endlich von deinem Vater?

00:10:16: Und wie war es, als du nach Deutschland gekommen bist?

00:10:21: Wo soll ich anfangen?

00:10:22: Dachte ich... Wie erzählt man die Geschichte eines Vaters?

00:10:26: weil man erst mit dreizehn Jahren richtig gerne gelernt hat und da man wusste, was er vor langer Zeit seiner besten Jahre geoffert hat um in der Fremde das Glück für seine kleine Familie zu suchen.

00:10:40: Ich habe damals im deutschen Geschichtsunterricht von der DDR gehört aber von den sechzigtausenden vietnamesischen Vertragsarbeiterinnern hat niemand gesprochen auch mein Vater nicht.

00:10:52: Für mich existierte nur die Realität in der ich ohne ihn aufgewachsen war.

00:10:58: In der er es einen Bruch in meinem Leben gegeben hatte und wir nun versuchten, Busselteile zusammenzusetzen die nicht ganz zusammen passen wollten.

00:11:09: Es ging habe ich mich oft geflagt womit er seine Sehnsucht nach uns bekämpfte?

00:11:15: oder hat er in seinem Sorgen vollen und erschöpfen Körper keinen Platz für sentimentale Gefühle?

00:11:23: weil ich so wenig über ihn wusste war ja für mich fast wie ein unbeschriebenes Blatt, das ich auf alle möglichen Arten beschreiben konnte.

00:11:32: Ich konnte ihn interpretieren, wie ich wollte!

00:11:35: Ich konnte die Lehre mit einem Idealbild eines Vaters fühlen – denn für mich war er mehr ein Ideal als ein Vater.

00:11:44: Ich wusste immer, dass er möglicherweise irgendwann zurückkommen und mich aus den Trümern holen könnte.

00:11:52: Letztendlich kam er nicht persönlich Aber meine Mutter und ich brachen schließlich auf, um uns noch mehr als einem Jahrzehnt in der Trennung wieder mit ihm zu beeinigen.

00:12:03: Damals kam fast die ganze Nachbarschaft zusammen im Sicht von mir und meiner Mutters Verabschieden.

00:12:10: Niemand fragte warum die Familienzusammenführungen erst jetzt stattfanden, niemand besweifelte dass es gut wäre Menschen wie der Zusammenzubringer sich fremd geworden waren.

00:12:25: Als wir nach Deutschland aufprachen, war es an der September und noch warm in Vietnam.

00:12:31: Wir trugen dünne Blusen und hatten nur einen Koffer, ein gemittertes Auto, einen Fahrrad.

00:12:39: In Hanoi stehen wir in einem Flugzeug das einmal weiß war.

00:12:44: Zwei Mal schlief ich mit dem Kopf oder am Schoß meiner Mutter ein.

00:12:48: Sie schliff nicht.

00:12:50: sie hat das immer gemieden zu schlafen wenn wir nicht so hause waren.

00:12:54: Wenn man schlief, war man schutzlos und nicht mal zu Hause füllte sie sich sicher genug dafür.

00:13:02: Dann lastete die Zeit und alles erschien zu real.

00:13:07: Wir waren zum ersten Mal in der Luft wie Vögel, Vöge in der Freiheit, Vögeln auf der Suche nach Wärme.

00:13:15: Es wurde Nacht und es wurde wieder hell.

00:13:19: Und schließlich stand mein Vater vor uns der so viele Jahre lang nur ein schwarz-weißes Foto gewesen war, da an seiner Stelle eine gehenende Lehre zurückgelassen hatte.

00:13:32: Jetzt reichte er mir die Hand.

00:13:35: wir schüttelten uns die Hände wie Geschäftsleute.

00:13:39: meine Mutter hat das Gleiche.

00:13:42: dann nahm er unseren Koffer und führte uns zu seinem roten Matster.

00:13:47: Wir stiegen ein Meine Mutter auf dem Beifahrersitz ich hinter ihr.

00:13:54: Mein Vater sagte, wir sollen uns anschneiden.

00:13:58: Aber wir wussten nicht wie.

00:14:01: Zwei Tage so vor waren wir auf dem Weg zum Flughafen zum ersten Mal in einem Auto und niemand hatte etwas von Anschneiden gesagt.

00:14:10: Ich war verunsichert ich hätte meinen Vater seit vier Jahren nicht gesehen und Angst ihn jetzt schon zu enttäuschen aber er stickt geduldig aus und heift uns.

00:14:23: Wir fuhren und fuhrten auf der Autobahn.

00:14:26: Dieses Wort für eine Schnellstrasse lernte ich erst später.

00:14:31: In diesem Moment bestanden alles nur aus verschiedenen Grautünen, der Asphalt, der Himmel die Luft wie wir ein- und ausatmetten.

00:14:42: Wir fuhren und fuhrn.

00:14:43: Ich wusste nicht wie lange.

00:14:46: an diesem Tag fehlte mir jegliche Zeitgefühl.

00:14:50: Ich schloss kurz die Augen.

00:14:52: dann sagte mein Vater auf jenomäßig Der einzigen Sprache wie ich damals beherrschte, dass wir angekommen seien.

00:15:02: Ich öffnete die Augen und sah, wie er sich über mich beurte und meinen Sicherheitsgurt löste.

00:15:09: Ich strick aus und trat in die eisigere Gelde.

00:15:12: Er meinte – ich freute eine dickere Jacke!

00:15:17: Meine dünner Mutter klappete mit den Zehen.

00:15:20: Wir standen alle neben dem Auto.

00:15:23: Eröffnete dann Kofferraum hob unseren schwarzen Koffer herraus und schloss das Auto ab.

00:15:30: Das ist unser Zuhause, verkündete er.

00:15:34: Ich hob dann Blick und sah ein hohes Beischfarbe eines Gebäude.

00:15:39: Das noch verschlafen er aussah als ich – und dann betran wir sie meine erste Erinnerung an Deutschland.

00:15:48: Meine Erinnerungen liegen in einer weißigen Kommode für den Schubladen ich nach Orten sortiere.

00:15:56: Ganz unten in der Schublade für Landshut, nach des Orden betäubt Winterklingel des Weggers meines Vaters.

00:16:03: Das jeden Tag um vier Uhr morgens ertönte.

00:16:07: In den ersten Wochen, in denen meine Mutter und ich in Deutschland waren, arbeitete er in der Frühschicht.

00:16:16: Er plaut fast eine Stunde mit dem Auto, um zur Fabrik zu gelangen, wo er als Gussbutzer arbeiteten.

00:16:24: Und nach neun Stunden in der Fabrik vorher noch eine weitere Stunde nach Hause, manchmal vorher auch direkt so einer Pizzeria für die ihr Essen auslieferte um sich etwas dazu zu verdienen.

00:16:39: Sobald sein Wecker klingelte wachte ich auf und konnte nicht mehr einschlafen.

00:16:47: mein Zimmer grenzte direkt an das meine Eltern an und um ins Bad zu gelangen musste man das Wohnzimmer überb hören durchgehören.

00:16:57: Manchmal konnte ich hören, wie er sich mit der elektrischen Sandwürste die Szene putzte.

00:17:03: Vom Szene Putzen war er der lauteste Mensch, den ich kannte.

00:17:07: Dann spürte er sich kaltes Wasser ins Gesicht.

00:17:11: Nach dem Bad ging er in die Küche.

00:17:14: Sie grenzte direkt an meinem Zimmer an und trank grünen Tee, denn er vor dem Szeneputzen so bereitet hatte.

00:17:23: Zu dieser Zeit lauchte er noch, obwohl er das Fenster gegeben hat.

00:17:28: zog der Rauch durch den Speich zwischen meiner Tür und dem Fußboden in meinem Zimmer.

00:17:35: Davon habe ich ihm aber nie etwas erzählt.

00:17:39: Nachdem er die Haustür hinter sich geschlossen hatte, wartete ich bis der Motor seines Autos ansprang und er wegfuhr.

00:17:48: Dann stand ich auf und öffnete das Fenster.

00:17:52: Der Rauch im Zimmer rüchter kalten Oktoberluft.

00:17:56: draußen war es noch dunkel.

00:17:58: Ich hörte wie meine Mutter auch in der Küche das Fenster öffnete.

00:18:03: Ich kam aus meinem Zimmer und sah so, wie sich die Teekranne und die Tasse ausspülte.

00:18:10: Wir sagten nicht guten Morgen sondern wunderten uns nur warum wir so früh auf waren.

00:18:18: Tieren hörte mir aufmerksam zu und sagte sehr wenig.

00:18:22: eine Zeit war sein Schwagen beruhigen andere Zeiten auch verunsichern und ich fragte mich Ob ich meinen Vater verraten hatte, in der mir über ihn sprach?

00:18:35: Als ich eine Weile nicht gesagt hatte, fragte Tieren.

00:18:39: Wie ist die Schule dort?

00:18:42: Gleich am ersten Tag brachte mich mein Vater zur Schule.

00:18:46: Ich hatte weder Zeit, mich von der langen Reise und dem Chatlexe erholen noch den wichtigsten Wörter auf Deutsch zu lernen Da das neuer Schuljahr bereits begonnen hatte, holten meine Eltern nicht, dass sie etwas verpasste.

00:19:03: Mama sagt, du gehst so gerne in die Schule", sagte mein Vater.

00:19:08: In meiner Klasse war einer der zwei Übergangsklassen, in denen ausländische Schülerinnen zwar auch andere Völker hatten aber habsächlich Deutsch lernten.

00:19:20: Da ich ohne jegliche Sprachgennisse in die Schule kam und erst nicht gewohnt war mit Fremden zu sprechen, hielt mich wochenlang zurück.

00:19:30: Ich war die einzigere Benamesin in der Klasse.

00:19:33: Ich hatte einen Mitschüler aus Indien, meine Mitschülerin aus dem Kongo, eine Mitschulerin aus Griechenland und die Mehrheit kamen aus der Türkei, Russland oder dem Kosovo.

00:19:46: Die meisten waren in meinem Alter.

00:19:49: Es gab aber auch einige, die bereits sechs oder siebzehn waren.

00:19:53: Alle waren seit mindestens ein paar Monaten in Deutschland.

00:19:57: Einiger seit über einem Jahr.

00:20:00: Alle schienen schon, ihre eigene Friedler gefunden zu haben.

00:20:04: Aber sie waren offen und interessiert.

00:20:08: Die Schule war in der Neustadt mehr als drei Kilometer von unserem Zuhause entfernt.

00:20:14: Ich fuhr jeden Tag mit einem Bus zur Schule.

00:20:17: Das war das erste Mal dass ich mit dem Bus vor was mich gleichzeitig faszinierte und überforderte.

00:20:25: Ich stieg anfangs oft in den falschen Bus und kam deswegen so spät.

00:20:31: Jedes Mal, wenn ich mitten im Unterricht ankam und damit die Aufmerksamkeit auf mich zog, schrämte ich mich.

00:20:38: Und weil mein Deutsch nicht gut genug war, sagte ich immer nur einen Satz, der nicht von anderen Klassenklamillatinnen gelernt hatte.

00:20:47: Ich habe verschlafen.

00:20:50: Einiger Tage nach meiner Ankunft fragte mich unserer Lehrerin Frau Metzger.

00:20:56: Warum bist du nach Deutschland umgesogen?

00:21:00: Weil ich dein Satz nicht sofort verstanden... Hat sie mir die Werte, warum und ums ihnen im Wörterbuch nachzuschlagen?

00:21:08: Deutschland und die Pronomen kannte ich schon.

00:21:12: Weiß ich mit der Übersetzung des Satzes fertig war, blickte ich denn in das schweilende Gesicht meiner Lehrerin?

00:21:19: Sie und die ganze Klasse warteten auf meine Antwort.

00:21:24: Ich antwortete Mein Vater ist hier.

00:21:28: Frau Metzda schaut auf Fragen zur Tür Und dann wieder zu mir.

00:21:32: Ich senkte schweigend den Blick, wie man sagte etwas und Frau Metzka schien, wie er leuchtet.

00:21:40: Sie warnte ihr Gesicht zur Decke und machte, ah ich dachte, ich sei hier löst aber sie sah mich wieder an und fragte Warum ist dein Vater nach Deutschland gesogen?

00:21:53: Schon damals habe ich von vielen Glastenkandidaten gehört was sie oder ihre Eltern nach Deutschland gekommen waren weil sie sich ein besseres Leben erhofft hatten.

00:22:05: War das immer die Wahrheit oder war es nur eine Phrase, was ich in den Göpfen der Menschen festgesetzt hatte?

00:22:13: Wenn immer die gleiche Antwort auf die gleicher Frage kam, warum stellte man sie dann immer wieder?

00:22:20: Hoffte man jedes Mal auf einer Offenbarung oder erwartete man von vorher rein ein bestimmtes Ergebnis?

00:22:29: Ich weiß es nicht!

00:22:31: Anwortete ich Frau Metzger und schaute wieder auf den Tisch, um ihrem Blick zu entgegen.

00:22:38: Überrascht wollte sich die Lehrerin zu mir herunter.

00:22:42: Was soll das heißen?

00:22:43: Du weißt es nicht!

00:22:44: Hast du ihn nie gefragt?

00:22:47: Während mein Erwachsenesich sich abgewöhnt hat, nach dem Warum so fragen, hatte sich mein jungenliches Ich an gewöhnen unangenehmer Fragen mit «Ich weiß es nicht» zu beantworten oder Fragen auf die ich auf Deutsch keine Antwort wusste.

00:23:06: An diesem Tag gab mir die Lehrerin als Hausaufgabe meinen Vater zu fragen, warum er damals nach Deutschland gekommen war.

00:23:16: Es gab Fragen, auf die es gar eine eindeutige Antwort gab und es gab Antworten, die nicht geteilt werden wollten.

00:23:25: In meinem Fall handelte sich um ein komplexes Thema das ich bis zu diesen Zeitpunkten immer nur hingenommen Aber nie hinterfragt hatte und ich kannte meinen Vater nicht gut genug, um den Mut aufzubringen ausführlich mit ihm darüber zu reden.

00:23:43: Also lernte ich einen Satz auswendig und wartete darauf, wartete drauf dass Frau Metzger mich noch einmal fragte warum mein Vater in Deutschland gekommen sei Und ich antwortete für ein besseres

00:24:02: Leben Vielen Dank.

00:24:04: Ich sage das jedes Mal, wenn in diesem Podcast gelesen wird, dass ich danach immer das Gefühl habe jetzt müsste ich eigentlich so ein Applaus einblenden.

00:24:14: Weil man das so von Lesungen kennt und ich dann immer so gebannt zuhöre.

00:24:19: Danke!

00:24:20: Mir kommen jetzt direkt ganz viele unterschiedliche Dinge an die man anknüpfen könnte nach dieser Textstelle.

00:24:31: die anderen nicht zu vergessen, mal gucken wie gut ich das hinbekomme.

00:24:36: Eine Sache über die ich so nachgedacht habe im Vorfeld auch schon ist dass du ja und damit auch die Ich-Erzählerin zu einem relativ späten Zeitpunkt also das ist immer verhältnismäßig nach Deutschland gekommen bist bei dem du vorher auch schon Zeit und eine Sozialisation usw.

00:24:55: in Vietnam erlebt hat.

00:24:57: Eine Sache, die mir so durch den Kopf gegangen ist, dass man ja immer mit einem bestimmten Wissen kommt also einem Erfahrungswissen.

00:25:05: Man hat dann so eine Art Wissens- und Erfahrungsüberhang würde ich jetzt vielleicht mal sagen das hast du eben auch schonmal beschrieben der gar keine Anknüpfungspunkte mehr findet, zum Beispiel in der Schule in Deutschland.

00:25:19: Also du hast es schon eben über die Literatur so ein bisschen beschrieben.

00:25:23: aber auch das ist ja nicht nur was was ich jetzt irgendwie auf so'n Fach- oder Sachwissen bezieht sondern vielleicht auch auf...ich nenn's jetzt mal Kompetenzen man könnte das jetzt irgendwie anders nennen Aber herangehensweisen an die Welt sich Dinge zu erschließen und da sonst was.

00:25:39: Das verliert irgendwie so ein bischen etwas weil das plötzlich nicht mehr relevant ist.

00:25:45: Vielleicht nicht für einen persönlich, aber in so einem institutionellen Kontext und gleichzeitig ist man ja irgendwie konfrontiert mit so einem neuen Wissen in Anfangstrichen und so einer Außensicht auch auf sich mit der man plötzlich umgehen muss die auch viel mit beispielsweise Rassismus zu tun haben kann auch mit Vorurteilen wissen mitgeben kann, was man vielleicht selber gar nicht hatte oder nicht mitgebracht hat.

00:26:15: Weil es zum Beispiel auch eine andere Geschichte ist die erzählt wird von der man vielleicht vorher auch noch nichts gehört hat.

00:26:24: also das ist ja nicht immer nur in so einem negativen vorurteils behafteten Sinne.

00:26:29: Das heißt, man ist anders verortet und man lernt vielleicht auch plötzlich dadurch dass man andere Menschen kennenlernt die vielleicht auch migriert sind.

00:26:38: Und mit denen man in Kontakt steht nochmal was dazu was man selber nicht mitgebracht hat.

00:26:43: also das heißt es entsteht so eine komische Diskrepanz und mich würde voll interessieren Inwiefern du dich beim schreiben des buches damit auch konfrontiert hast und vielleicht auch im Vorlauf dieses Buches.

00:26:57: Also mit was für Geschichten hast du dich auseinandergesetzt, weil du ja schon ... Du erzählst deine Geschichte aber du lieferst ja auch vieles, was so über deine Geschichte hinausgeht und du hast eben zu Beginn dir auch schon gesagt dass du dir wünschen würdest das der Blick vielleicht auch auf eine vietnamesische Diast ein viel komplexerer wäre, weil der vielleicht oft viel zu eingeengt ist.

00:27:21: So wie erfahren darüber in Schule gar nichts und so.

00:27:23: also inwiefern waren das so Dinge in deinem Schreibprozess die eine Rolle gespielt haben?

00:27:30: Ich habe auch später im Buch geschrieben dass ich bis jetzt immer noch das Gefühl habe, dass alle meine Genesse mein Wissen fragmentiert sind.

00:27:43: Also alles, was ich in Vietnam gelernt habe.

00:27:47: Habe ich nicht weitergeführt weil ich nicht mehr in Vietnam zur Schule gegangen bin und hier habe ich irgendwo angefangen.

00:27:54: also das was die Menschen in der Grundschule oder vor der Sickenklasse gelernt haben Das hab' ich gar nicht mitgeplagt.

00:28:02: Also das sind nicht nur intellektuelle Erkenntnisse sondern auch Sachen wie... Dinge, die man im Sportunterricht gelernt hat.

00:28:12: Zum Beispiel hatte ich nie Schwimmunterricht.

00:28:14: als ich in der achten Klasse in Deutschland schwimmen musste.

00:28:21: Meinte ich, dass ich nicht spielen kann!

00:28:24: Und das war für alle total überraschend, wie kann man schon Reise sein und nicht schwimmen können.

00:28:31: Ja und ich habe aber auch in Deutschland erst gelernt oder kurz bevor ich das Buch angefangen habe zu schreiben dass die vietnamesischen Einwanderer also die vietnamische Migrantintern in Deutschland sich auch der Druck unterscheiden, dass es welcher gibt die als vietnamesische Verbrauchsarbeiterinnen in die DDR gegangen sind.

00:28:56: Aber auch welche aus Südviertnahmen, die als Boot-People ins Ausland ausgewandert sind.

00:29:02: also Zehntausende davon sind wieder nach Deutschland gegangen, nachdem wir gerade wieder vereinigt wurde und ja genau das fand ich bereichen, dass ich das Ziel hier gelernt habe und nicht in Vietnam.

00:29:14: Das ist, glaube ich auch so ein Punkt über den ich nachgedacht habe.

00:29:17: Weil es ja dann irgendwie im Außen in der Entfernung eine Konfrontation gibt oder geben kann.

00:29:23: Es ist vielleicht nicht unbedingt ein Muss aber du erwähnt sie auch... Danke am Ende des Buches.

00:29:30: Ich weiß es grad gar nicht so was wie rice and shine, ne?

00:29:32: Also nochmal schaut auch diesen Podcast an der Stelle und so.

00:29:38: Und das ist ja immer eine spannende Frage, also wer man mit diesen Themen die da zum Beispiel verhandelt werden konfrontiert wurden wenn man nicht migriert wäre.

00:29:49: Das ist natürlich total hypothetisch aber da ergibt sich plötzlich ein Spektrum was bei dir irgendwie auch im Buch deutlich wird, glaube ich.

00:29:58: Weil du bist eben ja schon auch in so einem politischen Kontext, auch wenn das nicht der Fokus vielleicht ist, auch ein Ordnest und so.

00:30:05: Und deshalb finde ich das im Schreibprozess so spannend oder in der Entwicklung dieses Buches wie viel nimmt man damit rein?

00:30:12: Wieviel ist es quasi Roman, Fiktion, dass erzählen einer Geschichte und wie viele ist es auch Einbettung in eine größere Geschichte die von dem Individuellen so ein bisschen weggeht?

00:30:24: Ja Ich finde das auch zum Beispiel spannend, dass ich in Vietnam so ein ähnliches Leben hatte wie die Menschen in der DDR.

00:30:34: Also vielleicht nicht ähnlich aber auch sozialistisch und wir hatten auch ähnliche Uniformen mit einem rotem Tuck usw.

00:30:43: Das war mir vorher nie bewusst und als ich in Deutschland gelebt habe, habe ich zum Beispiel auch nicht gewusst was Deutschland und Vietnam ... gemeinsam haben, dass beide Länder zuerst zwei geteilt waren und weder vereinigt wurden.

00:30:59: Ja ich weiß nicht ob du... das ist jetzt ein Mini-Exkurs aber ich weiß gar nicht, ob du dieses Dynamic Memory Lab kennst von der CPPD?

00:31:09: Genau also das ist mir nur gerade eingefallen weil da gibt es so Da müsste ich jetzt eigentlich noch mehr zu erzählen.

00:31:15: Kann man sich selber bei der CPPD auf der Website angucken, das traue ich jetzt den Zuhörer hinzu?

00:31:21: Aber da ist genau diese Verordnung so voll schön dargestellt in so eine Art Kompass, der aber mehrere Pfeile hat die so in unterschiedliche Richtungen zeigen.

00:31:30: So Ost-, West-, Nord-, Süd-Aber dann in Verschränkung mit Vietnam und Deutschland als ein bisschen so'n Bild dafür.

00:31:37: Und dieser Kompasse, der ist eben beweglich so und bewegt sich die ganze Zeit und es fand nicht so ganz schön das Bild für diese Verschränkungen, von denen man vielleicht auch vor allen Dingen aus so einer Außensicht oft gar nicht viel, also über die man nicht viel hört.

00:31:51: Nicht viel lernt, wenn man es nicht bewusst irgendwie versucht sich damit auseinanderzusetzen.

00:31:55: Also in dem Zug würde ich vielleicht auch gerne noch ein bisschen über die Konfrontation auch mit anti-asiatischen Rassismus auch an der Schule sprechen Der ja auch eine, also Rassismen würde ich vielleicht eher sagen, ähnen sich ja immer in ihren Mechanismen.

00:32:13: Also gibt es immer sowas wie eine Andersmachung.

00:32:16: Es gibt immer so eine Konstruktion von Wir-Ihrgruppen Es gibt also Othering als ein Merkmal dann natürlich eine Konstruktion von Machtverhältnissen Hierarchisierung und so weiter und sofort.

00:32:28: das muss jetzt nicht alles machen ist keine Theorie Abhandlung über über Rassismus Aber es gibt natürlich auch Spezifika, je nachdem um welche Art von Rassismus ist.

00:32:40: Auch wenn die in ihrer Struktur ähnlich sind, es gerade geht.

00:32:43: und bei anti-asiatischem Rassismus ist ja im Bezug auf das Bildungssystem schon eine Besonderheit dass es so eine Vorurteile gibt, die dadurch geprägt sind, dass sie beispielsweise viel Leistung erwarten.

00:32:58: also... Und das spielt ja in Schule eine enorme Rolle.

00:33:03: Das ist nun mal der Ort, an dem das so relevant wird und wenn man sich noch nie mitmacht.

00:33:09: Und das haben auch nicht alle Lehrkräfte in ihrer Struktur.

00:33:13: Ja genau, auseinandergesetzt haben.

00:33:15: Finde ich es schon wichtig da auch drüber zu sprechen und das ein bisschen auch einzuordnen oder auch zu verdeutlichen was das eigentlich... Ich weiß jetzt nicht ob für Auswirkungen das muss jetzt nicht auf einer persönlichen Art und Weise erzählen aber Mit dem Schreiben, mit dem Aufgleich mit einer Art von Politisierung vielleicht auch bei dir zu tun hatte.

00:33:36: Oder inwiefern das auch im Buch eine Rolle spielt?

00:33:39: Ich finde es gibt ja dieses Vorurteil des Asiat-Innen... so gut in Marte sind.

00:33:46: Und ich finde das sehr problematisch, weil da wird ja die harte Arbeit ziemlich übersehen als für Essen.

00:33:53: Es stimmt nicht dass alle ersährt in den Gut in Marten sind oder in Naturwissenschaften und wenn diejenigen, die gut drin sind arbeiten hart dafür.

00:34:03: Das wird gar nicht anerkannt sondern es wird dann irgendwie aus der Herkunft geschoben und gesagt Ja was ist ja?

00:34:09: Weil du aus Vietnam kommst oder weil du aus Asien kommst.

00:34:13: Das kann sich sowieso.

00:34:14: Und für die, die aber nicht so gut sind.

00:34:17: Für sie ist es ziemlich schlimm weil dann wird gesagt ja aber warum kannst du das nicht?

00:34:21: Du bist ja aus Asien und für Sie entsteht ein enormer Druck.

00:34:25: also für mich zum Beispiel als ich Abitur gemacht habe hatte ich Schwierigkeiten mit Bio.

00:34:32: Also wir hatten eine Lehrerin die ziemlich schlecht erklären konnte.

00:34:36: Ziemlich viele Schülerinnen konnten sie nicht verstehen Aber als ich sie gefragt habe ob sie das nochmal erklären konnte hat sie das auf meine Sprache geschoben und meinte, dass ich nicht auf diese Schule gehen soll, wenn ich das nicht verstehe.

00:34:51: Und es war nicht schon sehr problematisch.

00:34:53: Es wird auch eigentlich allgemein von asiatischen Schülerinnen erwartet, dass Sie so zurückhaltend sind und höflich sind, dass sie nicht widersprechen usw.

00:35:05: Ich finde

00:35:05: es voll wichtig immer... eben auch zu betonen, dass das auch Formen von Rassism sind.

00:35:10: Also von Ressismus.

00:35:12: Denn oft wird es ja so ein bisschen übersehen und das wird so abgetan.

00:35:16: Und ich glaube, das ist schon ein Spezifika was man benennen muss im Kontext Schule.

00:35:21: Das ist vielleicht für Leute die sich viel mit Rassismus auseinandersetzen schon total klar, dass da auch irgendwie eine Form von Rissismus ist.

00:35:29: aber Ich bin mir immer nicht sicher auch aus so Schulerfahrung heraus, ob das Lehrkräften immer so klar ist.

00:35:37: Dass so eine Homogenisierung, ne Andersmachung... Auch diese Fallhöhe dadurch die irgendwie entsteht.

00:35:44: Auch ne Form von Rassismus is und damit ne form von Diskriminierung, ne form vom Gewalt, ne vorm Ungleichheit, Ungerechtigkeit in Schule usw..

00:35:55: Ja für dich auch!

00:35:56: Wenn wir jetzt so ein bisschen auf die Gegenwart gucken, und mich würde total auch interessieren mit was für Themen du dich da weiterhin auseinander... Du hast eben schon gesagt, das Buch ist jetzt gerade erst rausgekommen.

00:36:10: Das heißt ja auch, dass du erste Erfahrungen mit dem Buch machst und manchmal erwachsen daraus neue Ideen.

00:36:17: Du hast auf der Buchmesse beispielsweise gelesen.

00:36:20: Du erführst vielleicht auch Interviews.

00:36:22: Wir sprechen jetzt.

00:36:23: was sind so Dinge wo du selber sagst?

00:36:26: Das finde ich total, gerade total spannend und vielleicht ergeben sich daraus nochmal neue Themen oder neue Dinge mit denen ich mich noch weiter beschäftigen möchte auch durch die Gespräche über das Buch.

00:36:39: Ja also ich habe mich die letzte Zeit viel mit der vietnamesischen Geschichte beschäftigt Aber auch mit der Geschichte, der finno-mesischen Sprache.

00:36:47: Das finde ich total spannend.

00:36:49: Das habe ich früher in Vietnam schon ein bisschen gelernt aber im Laufe der Zeit dann alles vergessen.

00:36:54: und zurzeit beschäftige ich mich auch viel mit der Überanpassung heißt Überlebensstrategie von migrantischen Menschen.

00:37:04: Wie ich am Anfang auch schon gesagt habe, dass Kinder mit Migrationsgeschichte das so tentieren sich anzupassen um integriert zu sein in meinem Fall oder auch im Fall da ich es ersehlerin in meinem Buch sie ist sehr angepasst, so wie ich auch eben auf der Seite.

00:37:23: Ja, wenn man überangepasst ist dann weiß man irgendwann gar nicht mehr was man will oder welche Meinungen man hat.

00:37:31: Man macht sich immer automatisch klein und fühlt sich unsicher und man traut sich auch nicht, sich Raum an einzunehmen.

00:37:40: Ich finde das hat viel mit Fremdzuschreibung zu tun.

00:37:45: Also zum Beispiel wurde mir auch immer gesagt ja Asiatinnen sind immer zurückhaltend und introvertiert Und das habe ich dann auch für mich adaptiert und habe dann nie so richtig Raum eingenommen oder mich gemeldet, auch wenn ich etwas zu sagen hatte.

00:38:05: Weil ich immer gedacht hab ja bevor jemand mich unterbringt, dann sage ich erstmal gar nicht.

00:38:11: Oder bevor sie jemand mich dafür kritisiert, dann sag ich gar nichts.

00:38:18: Ich habe das Gefühl dass viel Menschen mit Mikrosons Hintergrund ja dieses Problem haben.

00:38:26: Weil man schon so das Bild der anderen oder das Bild über sich, der anderen schon so antizipiert und nicht für Irritationen beispielsweise also ständig für Iritation sorgen möchte und dann aber vielleicht auch irgendwann wenn man sich damit auseinandersetzt dass ist ja die spannende Frage zu überlegen wie wir davon Ist man eigentlich selbst?

00:38:49: Und wie viel davon kann man auch bewusst reflektieren und dann irgendwie, vielleicht hängt das ja auch mit Politisierungsprozessen zusammen.

00:38:57: Dann auch provozieren aber provozierend nicht im negativen Sinne sondern herstellen weil dadurch vielleicht auch andere Räume eröffnet würden werden.

00:39:05: Das finde ich voll den spannenden Punkt.

00:39:08: geht es darum auch in einem neuen Buch?

00:39:10: darf ich das fragen weiß ich gar

00:39:14: nicht.

00:39:16: Also ein bisschen davon, dass man immer das mag was von einem erwartet wird und sich auch so verhält wie die anderen das gerne sehen und hören.

00:39:30: Bei deinen Gesprächen über das Buch gibt es da Dinge die dir irgendwie besonders auffallen oder Dinge die du jetzt vielleicht auch in der In den Gesprächen, die du bisher so geführt hast oder die du vielleicht auch von anderen gehört hast.

00:39:43: Die du besonders spannend fandest.

00:39:47: Das ist ja oft so, das wäre man irgendwie was in die Welt hinaus schickt?

00:39:51: So!

00:39:51: Das kann ja ein Buch sein, es kann aber auch eine Podcastfolge sein.

00:39:55: Es kann irgendein Artikel oder so sein... Rezipientinnen auch eigene Gedanken dazu haben oder dann in Rezensionen, oder in den Gesprächen Aspekte aufkommen die man selber vielleicht gar nicht so stark bedacht hat beim schreiben.

00:40:11: Oder beim drüber nachdenken und in der Interaktion.

00:40:15: sozusagen tritt es dann so hervor.

00:40:17: Gab's da irgendwelche Momente wo du sagen würdest das finde ich noch besonders Schön oder auch besonders kann ja auch erschreckend sein, oder so.

00:40:25: Oder nervig irgendwas?

00:40:28: Also was ich sagen kann ist dass ich ziemlich viel Zuspruch aus der vienermäßigen Community bekommen habe und das sehr viele gesagt haben, dass sie sich sehr gut mit der Ich-Ersehlerin identifizieren können also zum Thema Parantifisierung oder auch zum Schweigen der Eltern, also dass so wenig Dialog innerhalb der Familie stattfindet.

00:40:55: Was mich ein bisschen überrascht hat war vielleicht nicht überraschbar aber ich finde es interessant wie unterschiedlich Menschen auf die vietnamesischen Textstellen im Buch reagieren.

00:41:10: Also sehr viele Menschen finden das total interessant weil dieser Text gut zu der eigentliche Geschichte passen, weil sie bestimmte Themen beschreiben.

00:41:23: Es ist zum Beispiel dann Tod oder die Armut, Trennung der Familie und so weiter.

00:41:28: Weil man kann weg das schon der Wunsch mehr über Vietnamese Literatur zu lesen oder ab mehr vietnamesische Musik zu hören.

00:41:37: aber für viele sind dieser Textstellen eigentlich stören bei Sie dann Leserfluss stören.

00:41:45: Und ich finde das total interessant zu sehen, wie unterschiedlich ein Buch auf meinen Stimmen wirkt.

00:41:53: Total!

00:41:55: Du hast ja eben gesagt, dass du dich auch sehr viel mit Literatur an sich und immer beschäftigt hast?

00:42:01: Vielleicht ist es jetzt auch so eine kleine Möglichkeit noch... Wir kommen so langsam zum Ende der Folge, bevor die Hausaufgabe auch darüber nochmal zusprechen was vielleicht auch in Bezug auf Form oder in Bezug auf die Wahl des autifikionalen Schreibens, vielleicht auch so Vorbilder für dich waren.

00:42:20: Oder wie du auch entschieden hast welche Texte mit rein nimmst.

00:42:24: es gibt ja super viele Referenzen und du eröffnest quasi Also für mich war das zumindest beim Lesen auch so einen ganz neuen Raum, bei dem ich dann auch wieder gedacht habe.

00:42:35: Ich hab das bei vielen Büchern aber da hatte es auch sehr ... dass ich dachte okay, da kannst du quasi weiterlesen oder da kannst Du Dir auch neue Räume eröffnen durch Referenzen die Du auch in Dein Text einbaust?

00:42:49: Wer antwortete?

00:42:49: erst die Frage, warum ich mich für einen autofizionalen Roman entschlägen habe.

00:42:55: Also mir war es wichtig eine Geschichte zu schreiben – also die Geschichte meiner Familie aber auch eine Geschichte, die exemplarisch ist für viele viennamesische Menschen in Deutschland.

00:43:08: Glasartig wollte ich kreativ bleiben dürfen und deswegen habe ich auch viele fiktive Handlungen und Figuren eingebaut.

00:43:17: Und die Texte, die dynamisischen Texte hab' ich ausgewählt weil die Literatur beschreibt sehr gut das Leben meiner Großeltern und meine Eltern, weil sie von Auteuern an stammen, die im Sud der gleichen Zeit gelebt haben.

00:43:36: also waren auch tollen aus der modernen viennamesischen Literatur, aber auch aus der zeitgenössischen Literatur.

00:43:44: Die Lieder waren Lieder die meine Mutter und ich sehr gern gehört haben und sehr geliebt haben und das war für mich so eine Art Erinnerung ja, Vermittnis an sie.

00:43:58: Ich weiß nicht ob man das so sagt.

00:44:00: Ja ich wollte eigentlich auch ein bisschen los auf die vienermisische Popmusik und die vietnamesische Literatur machen.

00:44:07: Ich finde es total spannend dass beim autofiktionalen Schreiben in der Rezeption zumindest ist mein Gefühl, dass fiktional oft dann so ein bisschen verloren geht also dass man in der Lektüre denn das Gefühl hat, dass nur das Auto spielt eine Rolle und es ist genau so passiert in diesem Spielraum das, was diese Art von Schreiben auch so spannend macht und was es manchmal bricht.

00:44:31: Man hat als Leserinnen das Gefühl... Ich lese jetzt gerade die Geschichte dieser Person.

00:44:38: Dann kann es an manchen Stellen gebrochen werden von Dingen, wo man denkt ich glaube nicht dass das genau so passiert ist oder hier ist ... Weißt du, diese Brüche sind ja genau der Spannende und wenn das dann noch verbunden ist mit anderer Literatur und mit Referenzen, dann vermischt sich das ganze Jahr nochmal ein bisschen.

00:44:58: Das finde ich irgendwie besonders... cool an deinem Buch.

00:45:01: Also es hat mir total Spaß gemacht, das zu lesen und so neugierig zu werden darauf was da alles noch so drinstickt.

00:45:08: Das freut mich sehr!

00:45:09: Danke schön.

00:45:11: Gegen Ende der Folge... Ich bin jetzt gespannt, was du sagst.

00:45:15: ehrlich gesagt?

00:45:17: Da dürfen ja alle gestern eine Hausaufgabe geben.

00:45:23: Ich gebe ja keine Hausaufgaben, aber ich kann schon trotzdem vorweg sagen dass sich auf jeden Fall empfehle dein Buch zu lesen.

00:45:28: Ich glaube das ist jetzt klar geworden!

00:45:30: Das ist mir sehr gut gefallen.

00:45:32: Deshalb ist es jetzt dein Raum um eine Hausaufgarbe zu stellen auch wenn's in Schule gar nicht mehr so oft Hausaufgerben gibt.

00:45:39: zum Glück

00:45:40: Ja.

00:45:40: ich habe mich als Hausaufgeber überlegt wie man als Lehrkraft oder auch als Gesellschaft da soweit sagen kann Zwischen sein nicht als Belastung erleben, sondern als Sterbke.

00:45:57: Vielen Dank!

00:45:58: Ich tendiere dazu immer schon direkt darauf zu antworten und also einen Denkraum zu eröffnen.

00:46:03: deshalb mache ich das nicht.

00:46:06: Muss mich da immer zusammenreißen weil es ja über die Folge hinaus gehen soll.

00:46:11: Weil man in so einem Gespräch hier natürlich nicht so über das ganze Buch sprechen kann, über alle Themen die dann eine Rolle spielen

00:46:18: usw.,

00:46:19: hoffe ich Die Hausaufgabe dafür sorgt, dass man da noch was mitnimmt.

00:46:23: Was vielleicht nicht endet – mit dem Ende der Folge!

00:46:28: Das hoffe ich auch.

00:46:29: Vielen vielen Dank für das Gespräch.

00:46:32: Vielen dank für das Buch.

00:46:33: Ich hoffe, dass viele die Folge hören und dass viele zum Buch greifen und sich generell mal mit der Geschichte der wickermäßigen Diaspora in Deutschland.

00:46:43: auseinandersetzen auch mit den Neunzigerjahren.

00:46:45: Das haben wir eben schon gesagt, mit dem politischen Zusammenhängen an der Stelle vielleicht auch noch mal Rise and Shine in den Shownotes glaube ich.

00:46:54: das ist glaube ich auch ein ganz guter Startpunkt.

00:46:57: noch zusätzlich.

00:46:58: Vielen lieben Dank für die Einladung und für das schöne Gespräch!

00:47:02: Danke dir und allen die zugehört haben.

00:47:05: vielen dank fürs Zuhören bis zum nächsten Mal.

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