Begegnungen in der Teeküche
00:00:00: Man kann eben nicht nicht reagieren.
00:00:03: Das sage ich deshalb, weil Reaktionen natürlich schon mit den Betreten der sozialen Medien beginnt.
00:00:07: Also alles, was sichtbar und messbar ist für den Algorithmus, wäre für mich eine Art von Reaktion.
00:00:12: Auch wenn ich ein Video lange anschaue, ist es an sich eine Reaktion.
00:00:42: Tee Küche.
00:00:42: Heute die zweite Folge in twenty-six und zwanzig.
00:00:46: Ich bin ganz gespannt und möchte gar nicht so viel reden, sondern ganz schnell bitten, dass du dich vielleicht einmal kurz selber vorstellst.
00:00:55: Ja, hallo, ich bin eine Katrin.
00:00:57: Ich bin Autorin und Kulturwissenschaftlerin.
00:01:02: Ich habe studiert Kunstwissenschaft und Medientheorie, auch eine Zeit lang mal Fotografie.
00:01:10: Ich habe promoviert in der Kulturwissenschaft über den Nerd als Sozialfigur.
00:01:14: Und daraus ist dann auch mein zweites Sachbuch entstanden.
00:01:18: Mein erstes Sachbuch war über Netzfeminismus.
00:01:21: Mein drittes dann über K-Pop.
00:01:23: Und ich glaube, diesen Themen merkt man schon an, womit ich mich beschäftige, nämlich überwiegend Kunst, Popkultur und... Ja, das ziemlich große und weite Feld der sozialen Medien, vor allem glaube ich, wie wir in den sozialen Medien kommunizieren, wie vor allem natürlich auch mit Bildern kommuniziert wird.
00:01:43: Und dazu ist dann auch mein jüngstes Buch, dass sich hyperreaktiv, wie in sozialen Medienumdeutungsmacht, gekämpft wird, nennt und letztes Jahr im Herbst erschienen ist.
00:01:56: Und ansonsten mache ich allerhand andere Dinge auch.
00:02:00: Also ich kuretiere, ich gebe Zeitschriften heraus.
00:02:04: Genau, ich bin auch ganz gerne mal zu Gast im Radio und analysiere Trends.
00:02:11: Also, genau, ich habe eine sehr vielseitige Tätigkeit, würde ich sagen.
00:02:16: Ja, vielen Dank und herzlich willkommen.
00:02:18: Schön, dass du dir die Zeit nimmst.
00:02:21: Ich habe das gerade schon angekündigt, dass ich immer noch nicht so ganz sicher bin.
00:02:25: Ich sage immer noch nicht, weil ich das in der ersten Folge schon gesagt habe, wie ich dieses Jahr so mit dem Einstieg in diesem Podcast umgehen möchte.
00:02:33: Und weil es mein Podcast ist, bin ich so ein bisschen so trust the process.
00:02:37: Ich habe einfach noch keine so richtige Alternative gefunden.
00:02:42: Eine Sache, die mich an den Satzanfängen und dem Beenden von diesen Satzanfängen so ein bisschen gestört hat, ist, dass es so allgemein war.
00:02:52: Also, dass es nicht wirklich so zugeschnitten ist auf die jeweiligen Gästinnen.
00:02:57: Deshalb habe ich mir für heute was anderes überlegt und ich weiß auch noch nicht, ob ich das... irgendwie übertragen kann auf andere Folgen.
00:03:04: Aber es passt vielleicht ganz gut zu deinem Buch, denn ich bin über dein aktuelles Buch auf deine Arbeit gestoßen.
00:03:10: Und ich muss sagen, dass ich bei der Lektüre, du hast gerade schon gesagt, du analysierst und ich bin auch ein sehr analytischer Mensch.
00:03:19: Und bei der Lektüre deines Buches habe ich gedacht, oh krass, das sortiert hier gerade voll meinen Kopf.
00:03:25: Da sind so viele Dinge, wir sprechen gleich noch.
00:03:28: natürlich über den Inhalt, deshalb sitzen wir ja auch hier, aber da waren so viele Dinge, die mir vielleicht auch in den letzten Jahren und vielleicht auch vor allen Dingen so in, weiß ich nicht, letzten anderthalb bis zwei Jahren noch mal verschärfter online begegnen und dann durch den Kopf gehen, worüber ich mir Gedanken mache, den du einen Namen gibst.
00:03:47: So, ich lass das jetzt so ein bisschen vage, damit ich zu dem kommen kann, was ich eigentlich sagen will.
00:03:53: Denn ich habe mir bei der Lektüre, ja, ich habe mir Super viele Begriffe rausgeschrieben.
00:03:59: Also ich habe wirklich so hinten in dem Buch, ich kann das beweisen, das sehen die Zuhörenden jetzt nicht, aber ich habe hier so eine ganze Seite und habe so einen Begriff nach dem anderen aufgeschrieben, weil du einfach viele Dinge und Phänomene benennst und dich auch einfach auskennst.
00:04:18: Also ich meine, es ist dein Job und meiner ist es nicht, dich so mit diesen ganzen Phänomen auseinanderzusetzen.
00:04:24: Und einige Sachen kamen mir bekannt vor.
00:04:28: Einige Begriffe waren so aus anderen Kontexten schon da, aber jetzt bezogen auf dein Thema so ein bisschen neu verortet.
00:04:36: Und das fand ich super spannend.
00:04:37: Deshalb habe ich mir überlegt, dass du dir vielleicht zu Beginn drei Begriffe oder so in Schule würde man jetzt sagen Schlüsse wirter.
00:04:47: aus dem Text.
00:04:48: Aber wir müssen es ja nicht so machen wie in der Schule.
00:04:51: Rauspickst, die du erklären würdest für die Zuhörerinnen, die vielleicht so im Kern was mit deinem Text zu tun haben.
00:05:00: Weil ich glaube, dass so Begriffe ganz oft auch total helfen können, um Sachen besser greifen zu können und vielleicht auch einordnen zu können.
00:05:09: Also ich vermute, ich werde es mir jetzt leicht machen und auch die Begriffe meines Buches direkt ein.
00:05:16: Und versuche dabei jetzt nicht in so ein Vortragsmodus zu kommen, weil...
00:05:20: Kannst du gerne, ich freue mich ganz zurück.
00:05:24: Ich habe ja auch Lust, irgendwie mit dir in den Austausch zu treten.
00:05:27: Aber ja, die drei Begriffe oder vielleicht... Also ich nehme auf jeden Fall Reaktionskultur.
00:05:33: Das ist schon, scheint mir schon ein sehr zentraler Begriff in meinem Buch zu sein.
00:05:37: Dann nehme ich noch Hyperinterpretation, es geht nicht anders.
00:05:42: Und dann hatte ich noch zwei und du darfst dich entscheiden.
00:05:45: Okay.
00:05:46: Und also als dritter käme entweder hyperreaktiv oder Empörung in Betracht.
00:05:55: Hm.
00:05:57: Ich glaube, ich nehme Empörung.
00:05:59: Okay.
00:06:01: Nicht zwei Hyperbegriffe haben.
00:06:02: Ja,
00:06:03: genau.
00:06:06: Okay, aber ich fange vielleicht trotzdem an mit Reaktionskultur, weil das war, glaube ich, auch so ein bisschen der Ausgangspunkt für mich, dieses Buch zu schreiben, dass ich einfach seit ... mir aufgefallen ist, dass ich seit ziemlich vielen Jahren immer wieder so, wenn ich über soziale Medien geschrieben habe, immer wieder um so Phänomene gekreist bin, wo es eigentlich um Reaktionen geht.
00:06:30: Es hat angefangen vor zehn Jahren, dass ich mal irgendwie ein Essay geschrieben habe über Kick-off-Bilder, also Bilder, die so gestaltet sind, damals noch auf Tumblr, dass andere Lust haben, es nachzumachen oder ähnliche Bilder zu produzieren.
00:06:44: Und ja, endet jetzt bei Essays über Reaction-Videos und so weiter.
00:06:48: Und ich hab irgendwann gemerkt, das hängt irgendwie alles miteinander zusammen und ich muss da unbedingt dazu mal so ein bigger Picture machen.
00:06:56: Und in meinem Buch Hyperreaktiv ist deswegen so, es sind drei Teile aufgeteilt und der erste Teil handelt eben von dieser Reaktionskultur.
00:07:04: Und ich versuche so ein bisschen, ja, diese Reaktionskultur zu durchschreiten, sag ich mal.
00:07:12: auch stark aus meiner eigenen Perspektive und meiner eigenen Wahrnehmung heraus zu beschreiben.
00:07:18: Was meine ich jetzt mit diesem Begriff?
00:07:20: Ich meine damit, dass in den sozialen Medien im Allgemeinen und auch egal in welchem ob das jetzt irgendwie LinkedIn ist oder Twitter oder X jetzt mittlerweile oder Instagram oder Facebook, das ist eben eine Kultur ist, in der alles auf Reaktionen ausgerichtet ist.
00:07:40: Und in der deshalb Reaktionen eine größere Bedeutung haben, mittlerweile als der Inhalt selbst.
00:07:46: Das ist so ein bisschen meine Zuspitzung.
00:07:49: Und das kann man an mehreren Beobachtungen, glaube ich, festmachen.
00:07:54: Und eine Beobachtung ist einfach das schon rein gestalterisch, sozusagen, rein in der Architektur der sozialen Medien so angelegt ist, dass in den letzten zehn Jahren, also Kommentare zum Beispiel, eine viel, viel größere... Präsenz bekommen haben, sie sind selbst zu liken, zu teilen und so weiter.
00:08:13: Also da merkt man schon, es gibt so einen Bedeutungszuwachs.
00:08:17: Aber eine andere Beobachtung, die ich gemacht habe, ist, dass die Inhalte einfach sich auch so verändert haben, dass sie eigentlich immer schon schielen auf die Reaktionen, also dass sie so gestaltet sind, dass sie entweder möglichst viele Reaktionen hervorrufen oder weiter Verarbeitungen etc.
00:08:36: Und genau, vielleicht erst mal so viel zur Reaktionskultur.
00:08:40: Können wir gleich ja auch noch ins Detail gehen.
00:08:43: Genau, und Hyperinterpretation, das beschreibt so ein bisschen den zweiten Teil meines Buches.
00:08:48: Und wie fange ich an, Hyperinterpretation zu benennen?
00:08:53: Bei dem Phänomen geht es mir quasi um eine ganz spezifische Art von Reaktion.
00:08:57: Also es gibt natürlich ganz viele unterschiedliche Reaktionen, total belanglose wie das Liken.
00:09:02: Na ja, muss nicht immer belanglos sein, aber kann belanglos sein.
00:09:06: Und es gibt sehr viele intuitive Reaktionen.
00:09:09: Es gibt aber auch sehr strategische Reaktionen.
00:09:12: Und als einen Typus unter anderem von diesen strategischen Generationenreaktionen würde ich eben die Hyperinterpretation fassen.
00:09:21: Und das ist eine Art und Weise, eine strategische Art und Weise mit Inhalten umzugehen, sie eben zu interpretieren, die sozusagen die Deutung, die Narrative, die damit einhergehen, bewusst zu steuern, zu verändern, anzugreifen, in eine andere Richtung zu drehen und so weiter.
00:09:43: Ich glaube, man muss es eigentlich an einem Beispiel machen.
00:09:46: Ich mache das vielleicht einfach ganz kurz, dann ist es, glaube ich, ein bisschen klarer.
00:09:51: Und in meinem Buch nehme ich ein Beispiel, ein Beispiel-Foto, was Greta Thunberg gepostet hat, ungefähr zwei Wochen nach dem Nach dem Angriff der Hamas auf Israel und sie hatte so ein kleines Protestbild gepostet, ein Pro-Palestine-Protestbild, woraufhin es sehr viele Reaktionen gab, aber nicht so sehr wegen dem Protest selbst, der natürlich auch schon an sich ein großes Thema war, sondern vor allem, weil ein kleiner Plüsch-Tür-Octopus auf dem Knie einer Mitdemonstrantin saß.
00:10:30: Eine nicht ganz abwegige Interpretation dieses Bildes gewesen ist, dass diese kleine Plüshtür-Octopus antisemitisch zu lesen ist, weil tatsächlich eben die Krake ein antisemitisches Symbol ist oder aus der Ikonografie des Antisemitismus eben sehr bekannt ist.
00:10:49: So, dann gibt es, und das versuche ich so ein bisschen auch als Dynamik zu beschreiben, dann gibt es eben eine so eine Interpretation, einen Kommentar, das in diese Richtung geht und oft docken sich dann ganz, ganz viele weitere Kommentare an und relativ schnell bildet sich auch so was wie, ich nenne das eine Deutungsgemeinschaft, die dann sozusagen dieses Bild auf eine Bedeutung festzuschreiben versuchen.
00:11:14: Kriter Thunberg hat das natürlich relativ schnell dann auch revidiert und gesagt, hey, das war überhaupt so gemeint, hat auch das Bild gelöscht, hat das Bild beschnitten und nochmal neu hochgeladen, um genau dem Vorwurf irgendwie zu entgegnen.
00:11:27: Wenig überraschend hat das nicht so viel gebracht, auch das ein Phänomen, was mich interessiert in meinem Buch.
00:11:33: Aber was vielleicht doch etwas gebracht hat am Ende für die Lesart, zumindest eine Zeit lang, würde ich sagen, war eine andere Deutung, die sich dann auch an dieses Bild geheftet hat, so nenne ich das jetzt mal.
00:11:45: Und zwar, dass der Plüsch-Tür-Octopus In diesem Fall, im Kontext auch von Greta Thunberg, die ja Autistin ist, als ein Plüschstürz zu deuten ist, was in der autistischen Community einfach sehr populär ist.
00:12:00: Denn das ist so eine kleine, ich glaube fast jeder kennt das eigentlich auch, weil das gibt es in jedem Spielzeug und Nanunana oder was auch immer Geschäft.
00:12:07: Das ist so ein kleiner Octopus, den man eben drehen kann und er hat entweder ein fröhliches oder ein trauriges Gesicht und in der Community dient es einfach dazu anzuzeigen, wie man sich fühlt.
00:12:18: oder da so Signale zu senden.
00:12:19: Und auch an diese Deutung hat sich dann sozusagen eine Deutungsgemeinschaft, also um diese Deutung herum eine Deutungsgemeinschaft gebildet und hat ihm das sozusagen irgendwie auch entgegensetzen können auf eine Art und Weise.
00:12:32: Und ich versuche so ein bisschen zu beschreiben,
00:12:34: auch
00:12:35: wie das für mich selbst war als Rezipientin, dass ich irgendwann, also erst habe ich der einen Deutung geglaubt, dann habe ich der anderen Deutung geglaubt, um auch so ein bisschen zu demonstrieren an mir selbst.
00:12:47: Wie leicht das auch ist, wenn man irgendwann immer wieder dieselben Argumente oder vielleicht auch verschiedene Argumente liest, dem Glauben zu schenken, ab einem bestimmten Zeitpunkt.
00:12:59: Aber natürlich sind nicht alle Reaktionen, nicht alle Interpretationen, Hyperinterpretationen, sondern ganz spezifische.
00:13:04: Und deswegen komme ich jetzt zur Hyperinterpretation.
00:13:07: Damit meine ich wirklich genau die Interpretationen, denen man nicht immer, aber durchaus oft anmerkt, dass sie strategisch und destruktiv sind.
00:13:19: Und das ist in Ihnen zum Beispiel eben, in dem Kräterfall, dass es eben nicht darum geht, diese Frage zu beantworten, ob das Bild antisemitisch ist oder nicht, sondern dass es den Interpreten wirklich eigentlich darum geht, Kriter Thunberg eins reinzuwirken oder genau die Klimabewegung zu diskreditieren oder, oder, oder.
00:13:42: Dass das das eigentliche Ziel ist, aber sie nutzen eben die Mittel der Interpretation, um sozusagen ihr Ziel zu verfolgen.
00:13:52: Und die sind bestimmten Typos von Interpretation, nenne ich Hyperinterpretation.
00:13:57: So, zweiter Begriff, dritter Begriff ist Empörung.
00:14:00: Empörung ist mir jetzt spontan eingefallen, weil ich dachte, dass ich da ganz schön was vielleicht thematisieren kann, was mir auch sehr wichtig ist in dem Buch, weil Empörung immer, finde ich, auch etwas performatives ist.
00:14:18: Also man würde ja sagen, okay, wer sich empört, ja, der wurde eben stark affiziert und ich finde dann, Ja, gibt man noch immer so ein bisschen die Verantwortung dafür ab, wenn man einfach sagt, ja, ich kann ja nichts anderes, ich bin eben dann empört und so.
00:14:33: Aber ich glaube, dass zum Empörungsbegriff, gerade wie wir ihn verwenden, auch im Kontext so von Social Media Theorie, doch immer auch beinhaltet, dass das ein performativen Charakter hat.
00:14:44: Was natürlich damit zusammenhängt, dass diese Art von Empörung, über die wir sprechen, wenn wir uns über soziale Medien unterhalten, öffentlich stattfindet, sichtbar sozusagen vor allem Publikum ist.
00:14:56: Und das ist insofern wichtig, als dass die Reaktionskultur natürlich nur davon lebt oder aus diesem Grund entstanden ist, dass alle Reaktionen eben immer sichtbar sind und dass die Grundlage eigentlich dieser ganzen Kultur auch in gewisser Weise so eine, ja, so eine Kränkung ist, finde ich, dass wir eben plötzlich sehen, was Leute denken.
00:15:18: über zum Beispiel etwas, was wir gepostet haben, über etwas über, das wir vielleicht auch nachdenken.
00:15:23: Aber plötzlich kriegen wir diese ganzen Gedankengänge, die ganzen Lästereien.
00:15:28: Also alles, was eben natürlich auch sonst gesagt werden würde, aber nicht sichtbar geworden wäre, nehmen wir jetzt wahr.
00:15:35: Und ich glaube, diese Sichtbarkeit ist eigentlich entscheidend für alle Veränderungen, die die Social Media Kultur sozusagen nach sich gezogen haben.
00:15:47: Ja.
00:15:48: Vielen Dank.
00:15:50: Also ich glaube, ich könnte dir wirklich da sehr, sehr lange zu hören, genau aus dem eben schon genannten Grund, weil ich wirklich das Gefühl habe, dass das Beschreiben, was du ja machst und analysieren von so Dynamiken, auf Social Media auf der einen Seite, aber natürlich auch das Analysieren der Grundkonstitution von Social Media selber.
00:16:11: Also es sind ja nicht nur die Dynamiken, die stattfinden, sondern auch ein Blick darauf, wie Plattformen an sich durch Algorithmen, durch Reaktionsmöglichkeiten, beispielsweise überhaupt auch schon angelegt sind.
00:16:25: Und das setzt du ja auch in einen Verhältnis miteinander.
00:16:29: Weshalb ich da wirklich, wie ich schon gesagt habe, sehr, sehr lang zuhören könnte und das Gefühl habe, es sortiert den Kopf.
00:16:37: Eine Frage, die sich die ganze Zeit bei der Lektüre bei mir aber trotzdem gestellt hat und das ist vielleicht auch was, was schon so mit Schule und so ein bisschen zu tun hat, weil letztlich lese ich raus, dass es ja auch einen so einen Appell gibt, sich dieser Dynamiken bewusst zu werden oder du quasi dabei hilfst, das Ganze besser zu verstehen und dadurch so ein bisschen kritischer zu denken.
00:17:01: Das machst du auch beispielsweise, indem du sagst, wir müssen vielleicht erstmal über den Begriff interpretieren, an sich nachdenken, um dann über Hyperinterpretation nachzudenken und dann eine Unterscheidung zu treffen.
00:17:13: und dann gibt es auch nochmal verschiedene Formen und so weiter und so fort.
00:17:17: Da können wir auch gleich nochmal ein bisschen genauer drauf eingehen.
00:17:19: Und dann ist es wie so ein, okay, schaut kritisch hin.
00:17:23: Und analysiert quasi auch das, was passiert auf dieser Meta-Ebene oder beachtet zumindest diesen doppelten Boden des Sich-Anschauens von dem, was auf Social Media passiert.
00:17:35: Eine Frage schwang bei mir dann die ganze Zeit so ein bisschen mit, dass dadurch ja auch irgendwie komische Paradoxien entstehen können, die du ja zum Teil auch beschreibst.
00:17:45: Wenn ich jetzt dein Wissen oder das, was du gerade erklärt hast, dieses Wissen habe und ich analysiere oder ich schaue mir bestimmte Posts.
00:17:54: an und denke das quasi mit.
00:17:56: Also ich denke schon, was ist hier angelegt, schon so angelegt, dass darauf reagiert werden soll.
00:18:01: Was ist vielleicht auch schon, kann man jetzt auch polarisieren, vielleicht angelegt nennen, an der einen Stelle, obwohl das vielleicht auch schon so ein bisschen zu wertend ist, aber also welche, welche Dynamiken erkenne ich hier und welche Hyperinterpretationen gibt es vielleicht auch schon, die als Reaktionen entstehen, besteht dann nicht auch dieses Paradox, dass man auch dadurch vom Inhalt weggeht, also von der eigentlichen Sache an sich, über die vielleicht dann gerade gesprochen werden soll oder funktioniert dann vielleicht auch das Sprechen über die Sache, über diese Posts überhaupt nicht.
00:18:35: Was, du wirst ich meine?
00:18:36: Ja,
00:18:37: absolut.
00:18:37: Ich glaube, also erstmal so eng ist der Appell natürlich nicht zu verstehen.
00:18:43: Natürlich, ich glaube, wenn man selber Bücher schreibt, dann fragt man sich permanent während man sie selber schreibt immer, warum mache ich das eigentlich?
00:18:55: Ich zumindest, ich weiß nicht, vielleicht geht es anderen auch anders.
00:18:57: Diese Frage habe ich für mich beantwortet, damit, dass ich denke, dass das bewusster werden dieser Mechanismen uns auf jeden Fall helfen könnte sozusagen, so ein gemeinsames Zivilisationsprozess.
00:19:13: zu durchschreiten, der so oder so ansteht.
00:19:15: Also, das ist irgendwie, für mich ist es auch alles noch immer klar, wir haben jetzt irgendwie schon, so wie man Social Media definieren will, aber trotzdem ist es noch so eine Übergangszeit, glaube ich.
00:19:31: Und ich glaube auch wirklich, dass diese, ja, das ist ein bewussterer, ein bewussteres Verständnis von diesen Mechanismen.
00:19:38: sehr hilfreich sein kann.
00:19:39: Ich meine das natürlich nicht im engeren Sinne, dass man jetzt sozusagen bei jedem Posting sich das immer überlegt.
00:19:45: Das kann man zum Beispiel ja auch gar nicht leisten.
00:19:48: Allein schon kognitiv nicht leisten, weil die sozialen Medien so wahnsinnig schnelllebig sind.
00:19:53: und wenn wir jetzt wirklich bei jedem einzelnen Posting immer gucken würden.
00:19:57: Warum wurde das wohl hergestellt?
00:19:58: An wen richtet sich das wohl?
00:20:00: Wie sind die Kommentare dazu?
00:20:01: Wie sind die Kommentare wieder zu bewerten?
00:20:04: Natürlich geht das nicht in so einer Systematik, sag ich mal.
00:20:06: Und trotzdem, ich finde jetzt deine Beobachtung oder Bemerkungen, und trotzdem wäre das so ein Appell, der auf jeden Fall auch in dem Buch drin ist.
00:20:14: Deine Bemerkung finde ich aber total interessant.
00:20:17: Wendet man sich auch dadurch von den Inhalten ab.
00:20:22: Also da kommt man wieder eigentlich zu so einer Kernfrage.
00:20:24: Was ist der Inhalt?
00:20:25: Was ist die Bedeutung?
00:20:26: oder so, ne?
00:20:28: Denn ich glaube, es gibt so ein Transfer oder so eine Transformation vielleicht.
00:20:34: Ich glaube wirklich, dass in der Reaktionskultur, also wenn ich jetzt Inhalt sage, dann meine ich meistens einfach den originären Post.
00:20:42: Entweder nennen wir das mal so und von dem geht es tatsächlich oft weg.
00:20:48: Das heißt aber nicht sozusagen, dass die Bedeutung, die dieser Post transportiert oder das Thema, das dieser Post aufmacht, deswegen verschwindet.
00:20:57: Aber ich würde sagen, es verlagert sich eben stark in auch die Kommentare sozusagen in die fortgesetzte Kommunikation.
00:21:05: Es ist nicht mehr so stark gebunden an diesen Originalpost, weil sich einfach, glaube ich, wirklich so... Ja, doch eigentlich sehr, sehr lange herrschende Konzepte von Autorschaft und auch von Werk total verändern in den sozialen Medien.
00:21:19: Weil zum Beispiel Werk, Original-Post, ja, es ist nichts mehr, was so festgeschrieben ist.
00:21:24: Es ist in dem Moment, wo es gepostet wird, auch etwas, ja, das... immer schon offen ist, eben auch, um weiterverarbeitet zu werden.
00:21:33: Und deswegen ist der Inhalt oder die Bedeutung, sozusagen, über diesen Original-Post hinaus.
00:21:38: Der liegt zwischen einem, zwischen den Kommentaren und dem Austausch.
00:21:42: Und vielleicht verlagert sich es auch komplett in die Kommentare.
00:21:44: Aber deswegen würde ich sagen, nee, man kann sozusagen beim Thema durchaus ernsthaft bleiben, auch wenn man zu stark von der Metaperspekt, aber natürlich... beantwortet es auch nur so halb deine Frage, weil natürlich immer Meterperspektiven so einen Schritt auch sich von den Inhalten distanzieren.
00:22:02: Aber ja, wie gesagt, ich mein es auch nicht im engsten aller Sinne.
00:22:05: Danke.
00:22:05: Das sind für mich tatsächlich, glaube ich, auch so vielleicht pädagogische Fragen oder Fragen auch der politischen Bildung, weil bei mir im Hinterkopf natürlich auch immer so ein bisschen mitschwingt, was machen wir jetzt mit diesen Analysen?
00:22:20: Wenn ich das zum Beispiel in die politische Bildungsarbeit oder in den Schul- Kontext transferieren möchte.
00:22:27: Und da schreibst du ja sogar, also zumindest kommt es auch vor, auch ein bisschen drüber und es ist ja auch immer noch ein Podcast, der sich mit Schule und Bildung auseinandersetzt im weitesten Sinne.
00:22:41: Da würden mich dann tatsächlich auch deine Gedanken dazu, wenn du so an Schule denkst, im Kontext der Themen deines Buches interessieren.
00:22:50: Also, wo gibt es da vielleicht Schnittstellen oder wo sind da Dinge, bei denen du sagen würdest?
00:22:57: Das wundert mich wirklich sehr, dass das in Schule vielleicht nicht keinen Spiegel findet oder wie auch immer.
00:23:05: Also, ich glaube, es gibt so einen Wo ich es eigentlich eher so ein bisschen von mir wende und sage, Medienkompetenz-Training ist nicht alles.
00:23:13: Es ist definitiv jetzt nicht die einzige Lösung auf die Probleme, die mit so massiven Veränderungen, wie sie irgendwie technologisch und gesellschaftlich gerade passieren, sozusagen, darauf zu reagieren hat.
00:23:27: Aber natürlich ist immer das Training von Medienkompetenz, was auch immer das sind, so irgendwie genau und deutlich müssen wir vielleicht auch erst darüber sprechen.
00:23:35: Nicht die einzige... Lösungen darauf.
00:23:37: Und ich glaube, ich habe das ein bisschen geschrieben, weil man immer dazu neigt, am Ende eines Sachbuches genau diese Frage zu stellen, okay, was machen wir jetzt praktisch damit?
00:23:45: Und es mir irgendwie schreienheilig vorkam jetzt irgendwie so ein Katalog von diese zehn Dinge und dann ist alles gut und unsere Gesellschaft hat sich wieder lieb oder sowas.
00:23:56: Deswegen steht das da so.
00:23:57: Ich glaube schon, dass mein Buch ein bisschen auch die Art der Analyse, die ich in meinem Buch mache, ist schon auch was, was ich zum Beispiel in der eigenen Lehre gerne mit Studierenden mache.
00:24:06: Und insofern, ich finde es tatsächlich schon praktisch sehr gut anwendbar.
00:24:12: Und zwar gerade auch dann, wenn es sehr, sehr heikle politische Themen sind, weil das Sprechen sozusagen auf dieser Metaperspektive es manchmal auch erlaubt.
00:24:23: ein bisschen die Emotionen rauszunehmen aus der ganzen Geschichte.
00:24:27: Insofern finde ich es sogar sehr gut geeignet tatsächlich.
00:24:30: Das heißt nicht sozusagen, dass man über die Themen dann gar nicht mehr spricht, aber ich habe sozusagen in meiner eher universitären Lehre auf die Erfahrung gemacht, dass bei vielen politisch aufgeladenen Themen es sehr, sehr, sehr schwer fällt, den Studierenden sich Formate anzuschauen, sich die Autorinnen, die Adressatinnen anzuschauen, also eben auch das mal so zu überblicken.
00:24:54: Und dafür finde ich es eigentlich wiederum sehr geeignet.
00:24:56: Jetzt könnte man sagen, genau ist es, geht man dann zu sehr auf Distanz oder nicht.
00:25:01: Man muss natürlich irgendwie schon ein bisschen den Bogen zurückschlagen und diese Verbindung irgendwie von Form und Inhalt wiederherstellen.
00:25:07: Ich finde aber, dass es eigentlich ganz gut gelingt.
00:25:10: Und das also mit dieser Analyse, wie ich sie mache, meine ich jetzt auch wirklich.
00:25:15: Man schaut sich mal so eine Gesamtsituation einfach an, so ein Posting, einschließlich der Kommentare, einschließlich vielleicht von eigenständigen Reactions, die dazu entstanden sind.
00:25:25: Man schaut sich die Rhetorik an, man schaut sich an, welche Akteure es gibt und ich finde das ehrlich gesagt ja, ich finde das sehr hilfreich auch im Unterrichten.
00:25:37: Absolut.
00:25:38: Und es sind ja auch Bilder im Buch.
00:25:40: Also du hast ja auch, oder erzählst auch davon, ich will gar nicht wissen, wie viele Screenshots du tatsächlich so täglich sammelt.
00:25:49: Aber das hilft natürlich, das vielleicht auch mal gegenüberzustellen oder zu erkennen, dass es ähnliche Dynamiken auch aus völlig unterschiedlichen, ich mache es jetzt bewusst in Anführungsstrichen, Lagern gibt.
00:26:03: Also, dass das ja ein Erkenntnis sein kann, die auch total hilfreich sein kann, um ins Gespräch zu kommen, auch mit Schülern beispielsweise.
00:26:12: Ja, wobei natürlich diese beide Seiten machen doch... Huf-Eisen-Erzählungen auch zu vermeiden ist.
00:26:20: Ja,
00:26:20: ja, total.
00:26:21: Da muss ich eher sagen, okay, das ist manchmal auch so schwierig, wenn man das aufsetzt, dann da wieder rauszukommen, sozusagen.
00:26:28: Und gleichzeitig ist es trotzdem gut, glaube ich, immer Beispiele so zu wählen, dass sie ja eine Diversität auch zeigen, dass man jetzt nicht immer versucht, sozusagen einen bestimmten Mechanismus nur in der rechten Szene zu verorten oder nur in der Autonomen oder nur in ... oder whatever.
00:26:47: Also das ist mir schon wichtig, sozusagen immer, sich ganz unterschiedlicher Beispiele auch zu bedienen oder die dann auch gezielt zu suchen.
00:26:56: Auch um den eigenen Blick nicht zu sehr einzuschränken.
00:27:00: Also gar nicht mal nur so vor dem Hintergrund der Frage, was will ich vermitteln, sondern also mir stellt sich das auch einfach immer selbst.
00:27:06: Diese Frage, ist das jetzt wirklich, kann man, ist das jetzt wirklich nur dort zu finden oder vielleicht auch dort?
00:27:11: oder keine Ahnung?
00:27:12: Genau, ohne es dann vielleicht dann wieder in so eine Systematik zu bringen.
00:27:16: Ja.
00:27:16: Total.
00:27:16: Und ich glaube, das ist ja letztlich immer damit verbunden, warum es so eine Kopplung geben muss.
00:27:22: Also warum es beispielsweise immer auch einen machtkritischen Blick geben muss.
00:27:26: Dass es eben dennoch einen Unterschied macht, je nachdem, wer aus welcher Positionierung heraus postet.
00:27:32: Und man ist aber trotzdem schaffen kann, sich Dynamiken anzuschauen.
00:27:37: Aber ohne diese Kopplung, die mit politischer Bildung zu tun hat, die mit machtkritischer Bildung zu tun hat, kann es dann auch wieder gefährlich.
00:27:45: oder bleibt es zumindest auf einer Ebene, die dann ja auch, ich nenn es jetzt mal Technik, ist und die einer aber vielleicht in dem Drüber nachdenken, dann ja auch nicht unbedingt weiterbringt.
00:27:55: Das machst du ja auch auf, indem du beispielsweise, das war noch so ein weiterer Begriff, die ich mir so aufgeschrieben habe, war so was wie Autoritätsverschiebung, was da vielleicht so ganz gut reinpasst oder auch Authentizitätsperformance.
00:28:09: Das sind alles so Begriffe, die da wirklich so gezeigt haben.
00:28:13: Da ist für mich dann auch diese Koppelung da, dass das eben natürlich auch ein gewisses Verstehen voraussetzt von auch beispielsweise gesellschaftlichen Positionierungen und Ungleichheitsverhältnissen, um das dann mit, ja, mit deiner, ich nenn es jetzt mal Analyse-Technik, das ist ja jetzt kein festes Schema, aber in Verbindung zu bringen.
00:28:34: Ich überlege gerade, also ich hänge gerade noch so ein bisschen an dem Authentizitätsperformance.
00:28:40: Begriff und das sind natürlich auch irgendwie alles Phänomene, wo, glaube ich, auch sehr, sehr viel intuitives Wissen einfach da ist.
00:28:49: Und ich glaube, gerade auch unter Schülerinnen oder gerade auch unter Studentinnen ist es, glaube ich, gar nicht etwas, dass sie nicht kennen.
00:28:57: Ich glaube, das spürt man schon.
00:28:59: Man weiß das schon, aber man braucht dann eben oder so ein Begriff oder vielleicht auch so eine kulturhistorische Einordnung oder so eine Medien theoretischere Einordnung.
00:29:08: Ist dann vielleicht noch mal so hilfreicher, das auch für sich einzuordnen oder irgendwie ja zu verstehen, worum es dabei vielleicht geht.
00:29:16: Aber auf der anderen Seite und deswegen finde ich, dass eigentlich auch immer so dankbar über soziale Medien auch zu arbeiten ist, in bestimmten Milieus zumindest.
00:29:27: Auch eigentlich ganz viel intuitives Wissen da.
00:29:31: Ich sag jetzt grad noch mal so unter jüngeren Menschen, ich mag das eigentlich nicht, weil es gibt natürlich, das ist überhaupt nicht irgendwie eine Zuordnung von Altersgruppen oder so.
00:29:40: Es gibt in allen Altersgruppen, die sich sehr gut erinnern und nicht.
00:29:43: Und nichtsdestotrotz merke ich einfach, auch in meiner Arbeit, seit ich sie mache und seit ich arbeite, beschäftige ich mich mit sozialen Medien, dass immer diese Kluft so riesig ist.
00:29:52: Trotzdem zwischen ... Manchen, die alles wissen, ist besser wissen als ich.
00:29:59: So, die so richtige Nerds, Social Media Nerds sind.
00:30:04: Und denen, die vielleicht noch nie in den sozialen Medien waren.
00:30:07: Oder halt es weitgehend vermeiden.
00:30:09: Oder halt irgendwie einen Anonymen-Account haben, mit denen sie andere ausdorken.
00:30:13: Aber sozusagen dennoch kein Gespür dafür haben, was es bedeutet, zu interagieren, zu posten, gesehen zu werden und all diese Dinge.
00:30:22: Und insofern ... kann man eben doch wieder vielleicht nicht so stark draufsetzen.
00:30:25: Aber ich glaube jetzt schon vor allem bei Schülerinnen geht das schon relativ oft.
00:30:30: Ja,
00:30:31: absolut.
00:30:32: Jetzt hast du zu Beginn gesagt oder hast mir die Wahl gelassen, über den Begriff über Reaktive zu sprechen.
00:30:39: Ich habe mich dagegen entschieden.
00:30:40: Aber wenn wir jetzt schon auch bei Deutungsmacht sind, da sind wir ja auch schon sehr nah am Titel.
00:30:46: Da steckt ja schon beides mit drin und da verbindest du ja eigentlich auch beides schon.
00:30:50: Also diese analytische Ebene, was die Dynamiken angeht und was wir jetzt gerade besprochen haben, was heißt eigentlich Deutungsmacht und wie würde eigentlich darum gekämpft?
00:31:03: auf Social Media und was können wir tun, um das zu verstehen und uns dann vielleicht auch, ich weiß gar nicht, ob ich es so nennen würde, aber vielleicht ein bisschen... wohler zu fühlen im navigieren durch diesen ganzen ja durch das auch sehr laute sehr oft sehr oft eben auch selber auch emotionalisierende und man ist da ja selber auch mit drin egal wie viel man vielleicht oder wie oft man sich selber sagt ja okay ich muss mich erstmal in ruhe angucken ich muss das noch mal checken und so weiter ist es ja was was trotzdem taktäglich passiert.
00:31:33: willst du das vielleicht doch noch mal so ein bisschen beschreiben was dann auch hyper reaktiv heißt vielleicht auch auf so einer persönlichen Ebene, also das ist vielleicht ganz hilfreich.
00:31:43: Ja, es, wie vieles in dem Buch beruht es auch ein bisschen auf meiner persönlichen Erfahrung oder ist auch tatsächlich bei der Frage, ja, was ist, was ist hyperreaktiv?
00:31:55: Also es ist für mich jetzt leichter auch persönlich darauf zu antworten, aber für mich war es wichtig, ein Begriff dafür zu finden, der beschreibt, was für eine große Überforderung es ist für uns.
00:32:09: in den sozialen Medien zu sein, wenn wir es denn täglich sind.
00:32:14: Also ich meine, die sozialen Medien sind nicht nur eine relevante, sondern wahrscheinlich sogar mittlerweile die bestimmende auch gesellschaftliche Öffentlichkeit.
00:32:23: Und in dem Moment, wo wir daran partizipieren wollen, wir können es mittlerweile, ist es eine enorme Überforderung.
00:32:30: Und einerseits ist es, glaube ich, eine intellektuelle Überforderung, weil genau das immer einzuordnen, sich immer diese Fragen zu stellen.
00:32:38: und Wie gesagt, manche machen das ja auch intuitiv oder man spürt ja irgendwie oder fragt sich so, warum wird mir das angezeigt?
00:32:45: wegen dem Algorithmus, weil zu viele andere gesagt haben, XYZ.
00:32:48: Also man versucht ja schon die ganze Zeit einzuordnen, sich die Frage zu stellen, ist das jetzt echt?
00:32:52: Ist das jetzt fake?
00:32:54: Soll das jetzt bestimmte Emotionen in mir auslösen oder ist das Zufall, dass ich das gerade gesehen habe?
00:33:00: Und also diese ganzen Fragen, die sich bei einem einzelnen Posting schon stellen und wir schauen uns jeden Tag.
00:33:08: Ja, hunderte auf jeden Fall an.
00:33:10: Also dies auf der einen Seite für mich, was sehr belastendes, glaube ich, weil es auch wirklich, weil das so anspruchsvoll ist.
00:33:21: Also Interpretation ist eben auch so was anspruchsvolles, wenn man sie ernst nimmt.
00:33:25: Und dann ist es für mich aber auch so eine emotionale Überforderung, weil die Bilder, die wir sehen, ja oft nicht... unbedingt harmlos sind, sondern auch sehr verstörende Inhalte teilweise zeigen, weil sie uns persönlich extrem in Mitleidenschaft ziehen.
00:33:43: Man denkt nur an das ewige Vergleichen mit allen anderen.
00:33:46: Also das ist ja auch so eine, glaube ich, fast für alle Menschen, die online unterwegs sind, sehr präsente Emotion.
00:33:53: Aber auch, glaube ich, der permanente Wechsel, diese Gleichzeitigkeit von Gewaltbildern, von harmlosen Katzenbildern, von Real Fake und also diese Gegensätze zu handeln emotional empfinde ich auch als sehr sehr schwer.
00:34:10: Genau und und und damit Ende, glaube ich, beschreibt Hyperreaktiv auch so diese Gleichzeitigkeit von dem Positiven, was reagieren eigentlich beinhaltet, nämlich auch schon so ein Kontrollgewinn oder so ein.
00:34:26: Wenn wir reagieren können, dann gibt es uns ja auch das Gefühl, dass wir was mitgestalten können, dass wir was mitbestimmen können, was ja auch stimmt.
00:34:36: Was aber so sehr stimmt, dass es gleichzeitig schon fast wieder so ein Imperativ geworden ist.
00:34:41: Ja, du musst reagieren.
00:34:42: Es ist ja keine Frage, darf ich, also möchtest du reagieren, sondern für viele fühlt sich das ja auch schon fast wie ein Imperativ an.
00:34:50: Du musst reagieren, sonst... ist deine Freundin sauer auf dich, sonst geht dieser Post vielleicht den du eigentlich unterstützen willst unter, sonst weiß ich nicht, also all das sind ja Gedanken, die einen dann immer kommen und das führt dann eben zu so einem großen Druck auch, also diese Verantwortung, die damit einhergeht und die wir alle plötzlich haben, weil wir, da zitiere ich Habermas, eben zu Autoren ermächtigte User geworden sind, weil wir alle eben unseren Teil beitragen zur Social Media Kultur, wenn wir denn aktiv sind.
00:35:21: Und das ist auch eine Verantwortung, die ja schon für früher Prominente wahnsinnig schwer war, die generell für Personen des öffentlichen Lebens eine große Herausforderung darstellen.
00:35:32: Und jetzt haben diese Verantwortung sehr viele Menschen.
00:35:35: Und sie haben das nie gelernt und sie sind auch nicht reingewachsen.
00:35:39: Und das versuche ich alles zu beschreiben, indem ich das sozusagen... Hyper-Reaktiv-Nenne oder das ist das ist unsere Art dann damit umzugehen, sehr, sehr viel zu reagieren, sehr, sehr viel Kontrolle auszuüben, Form zu bewahren und so weiter.
00:35:57: Das Ausüben von Kontrolle steht ja häufig auch in so einem seltsamen Widerspruch.
00:36:05: Das ist irgendwie Teil des Daseins auf Social Media.
00:36:11: Und gleichzeitig ist es ja auch oft das Gegen, dass man sich wiederum wendet oder dass man dann bei anderen kritisiert.
00:36:17: Und das ist ja auch so ein typisches Phänomen, was da immer wieder aufkommt, dass so manche Dinge eben inherent sind.
00:36:24: Und dann aber eigentlich, also das kommt bis zu so absurden Dingen, in denen man im Post erklärt, wie man sich eben nicht verhalten soll.
00:36:32: Und dieser Post quasi selber schon wieder autoritär wirkt, obwohl man mit anderen erklärt, wie man sich ja nicht autoritär verhält.
00:36:41: Weißt du, was ich meine?
00:36:43: Also, da kommt es ja zu total absurden Phänomenen.
00:36:46: Ja, finde ich eine total schöne Beobachtung, weil sie auch vielleicht uns dabei helfen könnte, etwas nachsichtiger zu sein, anderen gegenüber.
00:36:58: Denn tatsächlich, man kann, also das ist ja auch wirklich eine Beobachtung, die mir wichtig ist, man kann eben nicht, nicht reagieren.
00:37:06: Das sage ich deshalb, weil für mich Reaktionen natürlich schon mit den Betreten der sozialen Medien beginnt.
00:37:12: Also alles, was sichtbar und messbar ist für den Algorithmus, wäre für mich eine Art von Reaktion.
00:37:18: Auch wenn ich ein Video lange anschaue, ist es an sich eine Reaktion.
00:37:21: Und ich trage dazu bei, dass dieses Video vielleicht anderen eben häufiger angezeigt wird oder dass es eben an Popularität gewinnt.
00:37:29: Oft muss ich es ja dafür gar nicht mal liken.
00:37:31: Es reicht schon das einmal, zweimal und so weiter anzuschauen.
00:37:33: Also, dass das alleine konsumieren und sich durch diesen Raum bewegen, alles basiert eben auf Reaktionen.
00:37:40: Also, das sind sozusagen die Sichtbaren noch gar nicht mal mitgemeint.
00:37:43: Und insofern findest irgendwie auch so einen ganz schönen Appell, nachsichtig zu sein mit, ja, mit unseren gegenseitigen Reaktionen, also auch die, die dann vielleicht für die anderen, für die Öffentlichkeit sichtbar sind.
00:37:56: Und nichtsdestotrotz, Ja, wie soll ich sagen?
00:38:00: Ist natürlich eine gesunde Kommunikationskultur total wichtig.
00:38:07: Aber wahrscheinlich, man müsste sozusagen eigentlich Coaches oder Psychologen da zur Hilfe beten um manchmal so einen Kommentarbereich.
00:38:23: zu harmonisieren oder in eine gute Gesprächskultur zu bringen.
00:38:29: Ich glaube, das ist ja auch, was braucht es für gute Gespräche oder für Kommunikation?
00:38:33: Da braucht es erstmal so eine bestimmte Atmosphäre und die ist natürlich irgendwie nur sehr, sehr schwer, herzustellen.
00:38:39: Und manchmal gelingt das ja oder früher gelang das öfter.
00:38:43: Also mein Buch ist ja auch so ein bisschen der Social Media Geschichte, wenn man so will.
00:38:47: Früher war es vielleicht noch ein bisschen einfacher, weil das schon die Algorithmen eher so waren, dass man das Netzwerk priorisiert hat.
00:38:56: Also man hat wirklich auch eher Freunde, FollowerInnen angezeigt bekommen.
00:39:02: Und da muss ich schon sagen, da gab es viele in Anführungszeichen Safe Spaces, wo klar war, da ist vielleicht eine sehr feministische Influencerin.
00:39:11: Aber da ist nicht so viel Hass, weil sie eine Community hat, die zu einer positiven Atmosphäre beiträgt, wo dann auch eine positivere Gesprächskultur ist.
00:39:22: Die ist dann auch nicht kontrovert, es ist auch keine Streitkultur, die braucht ja eigentlich auch.
00:39:26: Das hat man damals immer kritisiert.
00:39:28: Heute blicke ich da eher nostalgisch drauf zurück.
00:39:31: Aber jetzt sind natürlich Algorithmen auf Interessen vor allem ausgerichtet und das... führt natürlich erst mal dazu, dass diese engeren Bubbles, wie wir sie auch gerne nennen, so gar nicht mehr aufrecht zu erhalten sind.
00:39:43: Also, dass, wenn man jetzt ein Real macht, es den unterschiedlichsten Menschen angezeigt wird und es eigentlich gar nicht möglich ist oder sich unserer Kontrolle entzieht, eine Atmosphäre herzustellen, in der sich Menschen dann auch zum Beispiel im Kommentarbereich sicher fühlen können oder wohlfühlen können, nicht direkt sozusagen vorgeführt werden oder kritisiert werden und so weiter.
00:40:05: Und da scheint mir sozusagen der Raum immer unatmosphärischer zu werden oder das ist immer schwieriger, da eine gute Grundlage herzustellen für ein echtes Gespräch.
00:40:21: Absolut.
00:40:21: Eine Sache, die ich noch sehr interessant fand, abschließend, das ist jetzt wahrscheinlich auch nicht der einfachste Satz deines oder Teil deines Buches, aber den würde ich gerne nochmal so in den Raum werfen.
00:40:32: Es wiederholt vielleicht auch ein bisschen schon, was wir vorher schon angesprochen haben, aber es bringt den Zynismus nochmal ein bisschen mit rein, den wir jetzt noch nicht angesprochen haben.
00:40:42: Diese Opferhaltung sieht man in den sozialen Medien überall.
00:40:46: Hyperinterpretation wird oft als notwendige Verteidigungsstrategie gegen vermeintliche Manipulationen oder Angriffe inszeniert.
00:40:56: Die eigene zynische Praxis wird so legitimiert, als unvermeintliche Antwort auf die Zynischen Praktiken der anderen.
00:41:06: In dieser Logik manifestiert sich eine Paradoxie, die ich in vielen digitalen Debatten erkenne.
00:41:13: Die zynische Hyperinterpretation generiert Macht durch die performative Inszenierung von Machtlosigkeit.
00:41:21: Da steckt jetzt ganz viel drin von dem, was wir eben schon gesagt haben von diesem Für- und Wieder- und Macht- und Dynamik.
00:41:30: Magst du das nochmal so ein bisschen erläutern?
00:41:33: Da bin ich da jetzt an, genau.
00:41:37: Also ich glaube, ich muss das kurz einordnen im Buch.
00:41:40: Aber wir können ja vielleicht ein bisschen damit anfangen, was ich mit dem Zynismus genauer meine oder warum mich das vielleicht besonders interessiert hat, weil mir einfach aufgefallen ist, dass es viele Postings gibt.
00:41:56: oder die Postings, die auch mich persönlich besonders wütend machen, sind die, die in so einem destruktiven Sinne zynig sind.
00:42:06: Also die spotten nicht einfach nur, sondern sie haben so eine Kommunikationsstrategie, wo man merkt, die wissen genau, also man weiß genau, was ihr Ziel ist.
00:42:16: Ja, man weiß genau, was sie eigentlich sagen wollen.
00:42:20: Aber sie entziehen sich komplett der Verantwortung dafür.
00:42:23: Das ist jetzt auch ein bisschen abstrakt gesprochen.
00:42:25: Aber ich glaube, jeder kennt das, ne?
00:42:28: Weil das irgendwie vielleicht ein Witz ist oder ein Ironie ist.
00:42:32: Und das ist ja immer auch so ein gewisser Schutzmechanismus, sag ich mal, der damit einhergeht.
00:42:38: Und die Stelle, die du jetzt vorgelesen hast, ja, ich, also, ich gehe jetzt nicht so konkret auf die Stelle.
00:42:45: Einer, aber an der, an diesem Kapitel hat mich ... sehr interessiert und es war so ein bisschen Zufall, dass ich da eben auch Slotter Dykes Kritik der zynischen Vernunft gelesen habe und ich glaube, das Zynismus-Thema ist auch so groß geworden, weil eben Slotter Dyke so ganz schön charakterisiert, was den Zynismus ausmacht, der ja vom Kynismus kommt.
00:43:07: und im Kynismus, also so eine philosophischen Tradition sage ich mal, wo es eigentlich eher darum geht, sich frei zu machen auch von gesellschaftlichen Zwängen, weswegen man schon sagen kann, dass Kynika auch als cool gelten, vielleicht so ein bisschen als rebellisch gelten.
00:43:25: Und das greifen sozusagen Kynika auf eine Art schon auf auch, diese Performativität, die zumindest damit einhergeht.
00:43:36: Aber sie sind eben im Vergleich zu den König kann eigentlich Teil des Systems und eigentlich auch, wie soll ich sagen, vielleicht kommt da dieser Opferbegriff stärker damit ins Spiel sozusagen, sie sehen sich auch eigentlich als Opfer, also ich glaube, sie sehen sich selber nicht so, sie fühlen sich vielleicht selber so und mit ihren zynischen Hyperinterpretationen vertuschen sie das.
00:44:03: Also das ist so ein bisschen, glaube ich, diesen Aspekt, den ich meine oder bringen sie sich in eine Er habe eine überlegene Position und versuchen dann eben, genau, genau.
00:44:16: Und manchmal gibt es ja auch, also das ist so ein bisschen, ich überlege gerade, ob ich ein gutes Beispiel finde, aber manchmal gibt es ja auch diese blöde Täter-Opferumkehr.
00:44:26: Ich muss erst mal nach einem Beispiel, glaube ich, suchen.
00:44:30: Oder ist es der Punkt, der dich jetzt auch interessiert hat daran?
00:44:33: Ja, ja, total.
00:44:35: Und auch, also du schreibst auch auf der Seite, ich habe... was ich dazugeschrieben habe, auf der Seite davor ist, so meta, dass ich wirklich so gedacht habe.
00:44:48: Ja, das ist krass, aber das ist doch, dass das passiert.
00:44:51: Du schreibst da auch, ne?
00:44:53: Also, dass es auch um eine Demonstration davon geht, so die eigene mediale Kompetenz zur Schau zu stellen und so immer dieses narrative Potenzial von jeder Art von... Post von Nachricht von also das ist immer schon so mit extrahiert wird auch da mit reinkommt und dann mit dem Zynismus verbunden.
00:45:15: also für mich war diese stelle so hier kommt wirklich so alles so ein bisschen zusammen und es wird auch wirklich ein bisschen absurd.
00:45:22: aber es ist schon auch wichtig das ein bisschen zu versuchen zu konstruieren was du.
00:45:27: deshalb habe ich das so spannend?
00:45:28: ja absolut.
00:45:30: Also ich glaube wirklich, dass mir an der Stelle aber ganz stark so auch ein bisschen um das Selbstverständnis derer geht, die eben so zynisch kommunizieren und das schon auch man durchschimmern sieht.
00:45:43: hat man ja oft, dass es eigentlich dann Leute sind, die das posten, die sich selbst eben in so einer Defensive sehen.
00:45:52: Also sie wissen es eher als alle anderen.
00:45:54: Aber niemand sieht es ja.
00:45:55: Also niemand sieht, dass sie es eigentlich viel besser wissen als alle anderen und so weiter.
00:45:58: Und das ist, glaube ich, so ein eigentlich auch so ein psychologischer Moment, der mich jetzt interessieren würde.
00:46:02: Ich bin natürlich keine Psychologin, aber man könnte da, glaube ich, ganz gut andocken oder wahrscheinlich gibt Das ist auch schon psychologische Arbeiten dazu, warum dann diese zynischen Hyperinterpretationen genauso gestaltet sind, wie sie gestaltet sind.
00:46:17: Aber ich wollte das irgendwie diesen Opferbegriff noch mal so ein bisschen anschaulicher machen.
00:46:21: Und ich glaube, das ist wirklich so dieses Selbstverständnis, nicht ernstes genommen zu werden, nicht verstanden zu werden, mit dem man dann irgendwie versucht umzugehen auch über diese Hyperinterpretation.
00:46:37: Absolut.
00:46:38: Jetzt kann man ja natürlich auch nicht dein ganzes Buch hier spoilern.
00:46:42: Und alles erklärt.
00:46:43: Dafür kann man ja auch selber nochmal lesen.
00:46:46: Aber ich glaube, über diese Beispiele wird so ein bisschen klar, wie tief du da auch reingehst und wirklich so aus quasi, also dass du aufbaust und auf jeder Richtung nochmal schaust, okay, was hat das denn jetzt nochmal damit zu tun, wenn wir diese Ebene noch hinzufügen oder wenn wir das nochmal beobachten?
00:47:03: Oder was machen wir jetzt mit so einem Post hier?
00:47:05: und dann gibst du ja auch die die Beispiele und dann entfaltet sich das so ein bisschen und das geht vielleicht ein bisschen zurück zum Anfang, dass es ja nicht der Appell ist, dass man immer alles verstehen muss oder dass man immer in allem dann alles erkennen muss, sondern dass es einfach so ein bisschen so ein Innehaltenmoment ist, warum löst es gerade in mir vielleicht auch?
00:47:27: das oder das Gefühl aus.
00:47:29: Und man lernt damit ein bisschen besser umzugehen.
00:47:31: Also es ist zumindest die Folge bei mir, wenn man wie bei so vielen anderen Themen auch plötzlich Begriffe dazu hat, die vielleicht nicht immer direkt parat sind.
00:47:41: Also ich kann jetzt auch nicht plötzlich durch die Welt und denke, ah, das ist doch jetzt hier ein typische Sohn, so Hyperreaktion oder sonst was, was ich gelesen habe.
00:47:52: Aber es gibt so eine Sensibilität dafür.
00:47:54: Ich glaube, Darin habe ich so ein bisschen den Appell raus gelesen, so den ich am Anfang genannt habe.
00:48:01: Und das finde ich super hilfreich.
00:48:04: Also ich fände es auf jeden Fall schön, wenn man angeregt ist, darüber nachzudenken, wie man reagiert sozusagen.
00:48:11: Also das heißt, wie man sich durch das Netz bewegt.
00:48:13: für mich.
00:48:15: Ich habe mich gerade darüber nachgedacht, ob ich das eigentlich auch so sagen würde, dass mich sozusagen ein bisschen über... die Existenz und Erscheinungsweisen von Hyperinterpretation ein bisschen emotional geglätteter durch diesen Social-Beband wandern lässt.
00:48:33: Aber ich glaube sogar gar nicht mal unbedingt.
00:48:35: Im Gegenteil, ich sehe natürlich überall Hyperinterpretation und Strategie und also mittlerweile ist das ja für mich alles so ein riesiges Strategiespiel und ich kann das eher, ich kann gar nicht mehr so die Unbekümmerten vielleicht Aspekte sozialer Medien so sehen.
00:48:52: Also für mich ist das irgendwie, seit ich mich damit beschäftigt habe, teilweise sogar eher schwieriger geworden.
00:48:57: Aber ja, trotzdem.
00:48:59: Also ich denke schon, dass die Einordnung auf jeden Fall dazu führt, dass man vielleicht einen Weg findet, sich mit seinen eigenen Reaktionen wohlzufühlen.
00:49:07: Und ich glaube, das ist schon was Schönes eigentlich.
00:49:11: Ja, wenn das gelingen würde.
00:49:13: Ja, ich weiß auch nicht, ob ich mich dadurch unbedingt so emotional besser fühle, aber ich fühle mich so ein bisschen navigationsfähiger oder so.
00:49:20: Ich finde jetzt auch Würther.
00:49:23: Ja, das war zumindest was, was es bei mir ausgelöst hat.
00:49:27: Da können ja auch gerne, falls die Leute, die zuhören, auch schon gelesen haben, es würde mich voll interessieren, wie ob da was schiftet oder ob es dann genau gleich ist oder ob man es überhaupt schafft, dass einem das dann auffällt.
00:49:43: Der Transfer ist ja nicht automatisch gegeben, nur weil man was gelesen hat.
00:49:47: Das finde ich auch voll spannend zu hören.
00:49:50: Mich würde noch interessieren, bevor wir zur Hausaufgabe kommen, was du dir denn jetzt gerade so anschaust, weil wenn ich mir vorstelle, dass man so ein Buch geschrieben hat und so... sehr viel sich angeschaut hat, durchanalysiert hat, gibt es dann so vielleicht so einen besonderen Aspekt, wo du sagst, damit ich nochmal genauer hingucken oder bist du jetzt eigentlich selber so ein bisschen, eigentlich reicht es mir auch gerade erst mal mit dem Analysieren und ich wende mich im ganz anderen Aspekt dieser ganzen Möglichkeiten sind ja unendlich in dem Bereich zu.
00:50:26: Also das neue Thema, das mich interessiert, hängt schon, glaube ich, mit meinem Buch auch noch zusammen.
00:50:32: Deswegen, ich überleg noch grad, wie viel ich schon darüber sagen kann, weil das ist echt noch am Anfang.
00:50:38: Aber also eine Reaktion, die ich super oft auf meinem Buch hatte, war die Frage, ja, und wie ist das jetzt mit Kai?
00:50:46: Ja, sehr allgemeine Frage, aber das ist dann auch eine der ersten Fragen, die immer kommt.
00:50:54: Was passiert dann und überhaupt?
00:50:56: Und macht das alles schlimmer oder besser?
00:50:58: Und das finde ich irgendwie so ganz interessant, weil bei natürlich dieser Idee von Verschiebung, von Inhalt zur Reaktion.
00:51:06: Ich glaube, schon KI insofern beschleuniger ist als das, das ist ja auch was, was wir jetzt ganz, ganz oft diskutieren.
00:51:13: Alles ist nur noch voller Slop und diese inhaltslosen, langweiligen KI-Bilder und so weiter und so fort.
00:51:21: Da würde ich sagen, Sie beschleunigen nur den Prozess sozusagen, dass originäre Postings lediglich dazu dienen, ein Auftakt für etwas zu sein.
00:51:32: Und mich hat so ein bisschen die Ästhetik.
00:51:36: interessiert, weil diese KI-Bilder, aber nicht nur die KI-Bilder, auch die KI-Musik, auch KI-geschriebene Bücher, die es ja auch offenbar immer mehr gibt, gerade auch in so einem bestimmten Genrebereich, das die ja immer ganz gerne als generisch beschrieben werden.
00:51:57: Und ich glaube, dass, wenn man generisch meint, dass das schon auch so eine bestimmte Kulturindustrie mit meint, die dahinter steht, die unter anderem mit KKI zu tun hat, aber nicht nur natürlich auch ganz viel sozusagen mit Algorithmen, mit der Art und Weise vielleicht wie heutzutage Stile hervorgebracht werden.
00:52:22: Und du siehst, es ist noch sehr, sehr wage.
00:52:23: Aber ich will mich beschäftigt diese Frage, was ist das Genärische?
00:52:29: Was meinen wir damit, wenn wir das sagen?
00:52:32: Gibt es ein Aussehen des Generischen?
00:52:36: Gibt es, ist vielleicht so ein vielleicht Plattform in Generic Cities?
00:52:40: Also das sind so Fragen, die mich gerade... Voll
00:52:42: spannend.
00:52:44: Und da gehe ich da nochmal nie herein.
00:52:46: Ja, ich bin gespannt.
00:52:48: Es dauert
00:52:49: aber ein Tag.
00:52:50: Danke.
00:52:54: Dann würde ich sagen, darfst du wie alle Gästinnen am Ende eine Hausaufgabe stellen und die darf komplett frei gewählt sein.
00:53:07: Die geht an mich, aber die geht auch an alle Zuhörenden so ein bisschen, um etwas aus der Folge mitzunehmen und vielleicht noch ein bisschen weiter drüber nachzudenken, weiter zu recherchieren, was auch immer du jetzt sagst.
00:53:24: Ja, also meine Hausaufgabe an euch ist, dass ihr eine Woche lang, jeden Tag, ein Posting oder ein Reaktionsbereich oder beides wahrscheinlich ja ganz oft screenshotet und am Ende der Woche euch diese Screenshots nochmal anschaut und euch die Frage stellt, warum ihr die screenshotet habt, ob das immer noch emotional etwas mit euch macht oder ob das etwas ist, was euch vielleicht grundsätzlich auffällt oder Genau, etwas doch vielleicht nur ganz situatives gewesen ist.
00:54:03: Genau.
00:54:04: Und dann könnt ihr euch noch weitere Dinge überlegen, die ihr mit dieser Screenshot-Sammlung macht.
00:54:10: Cool.
00:54:11: Vielen Dank.
00:54:12: Vielen Dank für das Gespräch, dass du dir die Zeit genommen hast, für das Erklären der Begriffe.
00:54:20: Ja.
00:54:21: Ich bin mir sicher, dass ich in das Buch noch ein paar Mal reingucke.
00:54:24: Deshalb an der Stelle auch noch mal eine große Empfehlung für alle, die zuhören.
00:54:29: Wir packen natürlich auch alles in die Show Notes, sich mit dem Thema noch mal ein bisschen intensiver auseinanderzusetzen.
00:54:37: Danke dir.
00:54:38: Danke für die Einladung.
00:54:39: Ich war sehr gern dein Gast.
00:54:42: Und natürlich vielen Dank fürs Zuhören an alle, die zugehört haben.
00:54:46: Und bis zum nächsten Mal.
00:54:48: Untertitel
00:54:49: im Auftrag des ZDF.