Begegnungen in der Teeküche
00:00:00: Das ist etwas, was wir eigentlich immer gesagt haben, damit ich auch irgendwie war, zu tun hatte, mit dieser Aussage, die werden alles tun,
00:00:06: sich an der Macht
00:00:07: zu halten.
00:00:08: Nicht alles, wenn es geht im System.
00:00:10: Überall nicht um Menschen, es geht einfach nur um den Machen der Zeit.
00:00:14: In Zoom, ich glaube,
00:00:14: so könnte man den Untertitel eigentlich auch nennen.
00:00:24: Es ist die erste Folge in ... ... ich habe mir im Januar eine Pause gegönnt, weil ich im Ende ... ... bevor ich meine heutige tolle Gäste ... ... bevor ich meine heutige tolle Gäste ... ... bevor ich meine heutige tolle Gäste ... ... bevor ich meine heutige tolle Gäste ... ... bevor ich meine heutige tolle Gäste ... ... bevor ich meine heutige tolle Gäste ... ... bevor ich meine heutige tolle Gäste ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige ... ... bevor ich meine heutige darüber nachdenke, wie ich so in den Podcast einsteigen möchte, ob ich das mit den Satzanfängen weiter wache oder ob das vielleicht auch nicht so wirklich mehr in die Zeiten gerade passt, so kurze Sätze zu formulieren.
00:01:27: Und ich habe da noch keine richtige Antwort drauf.
00:01:29: Und wir haben uns heute dafür entschieden, dass wir es ein bisschen anders machen.
00:01:33: Deshalb nicht wundern, wenn diese Satzanfänger dieses Mal nicht kommen.
00:01:37: Vielleicht erklärt sich das aber auch gleich.
00:01:39: anhand unseres Gesprächs.
00:01:41: Sie sind Disclaimer, er hat es einmal beiseitegeschoben, sage ich, hi Mariam, schönest du da bist und ich würde mich total freuen, wenn du dich einmal kurz selber vorstellen würdest.
00:01:52: Hi Nicole, ja super, sehr, sehr gerne, danke für die Einladung.
00:01:57: Hallo zusammen, mein Name ist Mariam Arras, ich bin Autorin, Literaturkritikerin.
00:02:06: Eigentlich studierte Anglistin, Iranistin, Politikwissenschaftlerin.
00:02:11: Ich habe mal promoviert und habe aber vor allem literaturkritisch gearbeitet und geschrieben in den letzten Jahren.
00:02:23: Ich beschäftige mich vor allem... Mit Literatur von marginalisierten Autor in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur.
00:02:32: Ich lese aber auch sehr viel auf Englisch.
00:02:35: Immer noch gerne arbeite als Literaturvermittlerin.
00:02:39: Ganz manchmal auch als Übersetzerin für Perse, Sprache, Gelirik und Prosa.
00:02:44: Vielen Dank.
00:02:45: Du bist auch in Köln, wir treffen uns trotzdem, wie ihr Zoomwalz manchmal einfacher ist.
00:02:51: Das ist dein eigenes Buch ausgekommen, das heißt Dinosaurier Kind.
00:02:56: Du hast den Kurtuch Holzkie-Preis damit gewonnen und ich habe es damals jetzt schon ein bisschen länger her direkt gelesen und mich sehr darauf gefreut, weil wir auch schon vorher so ein bisschen in Kontakt waren, ich deine Arbeit verfolgt habe und dann gesehen habe, oh, es kommt auch ein Buch von Mariam selbst.
00:03:15: ein bisschen überlegt, ob wir heute in dieser Folge über das Buch sprechen wollen oder ob wir ein bisschen generell über die derzeitige Situation, und das klingt schon so klein, wenn ich sage die derzeitige Situation in Iran, aber auch in Deutschland, in der vielleicht Diaspora in den Blick auf Iran sprechen wollen, haben ein bisschen hin und her überlegt und haben uns dafür entschieden, dass wir übers Buch sprechen.
00:03:43: Dabei vielleicht auch so ein bisschen die Frage im Raum steht.
00:03:46: Dazu hören wir gleich noch mehr, wenn wir ein bisschen in den Inhalt reingehen.
00:03:51: Ob wir nicht über deinen Text und deine Beschäftigung auch mit der Vergangenheit.
00:03:57: Das klingt jetzt alles noch ein bisschen wage.
00:03:59: Die Gegenwart erzählen können oder auch auf die Gegenwart blicken können.
00:04:04: Das ist so ein bisschen der Versuch heute.
00:04:06: Und wir schauen mal, wie gut wir das hinbekommen, diese Bezüge herzustellen.
00:04:11: Und natürlich ist und bleibt das auch ein Podcast, der sich mit dem Thema Schule und Bildungssystem auseinandersetzt.
00:04:20: dritte Ebene, die irgendwie mit reinkommt, aber vielleicht auch eh schon mit drin ist.
00:04:25: Von daher mal schauen, welche Querverbindungen wir da so gezogen bekommen.
00:04:30: Ich freue mich sehr darauf und vielleicht starten wir damit, dass wir, ich bin mir sicher, diese Frage hörst du auch oft, aber es ist vielleicht auch ein guter Aufhänger über den Titel sprechen, denn das Buch heißt ja Dinosaurierkind.
00:04:44: und wer ist dieses Dinosaurierkind bis?
00:04:47: Du das oder ist es eine Figur, um die es geht?
00:04:50: So können wir vielleicht starten, um so ein bisschen ins Thema einzusteigen.
00:04:55: Ja, super gerne.
00:04:56: Da es ein literarischer Essay ist oder zumindest als literarischer Essay gelabelt ist, ist es also nicht fiktionale Literatur, was erstmal schon mal so eine kleine Nische irgendwie immer auf dem deutschen Buchmarkt ist.
00:05:13: Und das sage ich, weil ich sagen will, dass ich, dass da diesen Text erzählt, kann man sich jetzt natürlich darüber streiten, ob das ich in einem Essay irgendwie kein Autorinnen ich, also kein konstruiertes ich ist oder nicht.
00:05:28: Aber auf jeden Fall ist es eben nicht fiktional, es ist eigentlich nicht fiktional ist ich und von daher ja, dieses Dinosaurier Kind bin ich erstmal.
00:05:39: und die Dinosaurier Kinder, es gibt noch mehr von mir, von meiner Sorte.
00:05:46: Das sind die Kinder der iranischen Oppositionellen, die in den jahr, in den späten, in den späten, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr, in den jahr dann eben aus dem europäischen Exil gegen das damalige Schau-Regime gekämpft haben.
00:06:09: Das größtenteils heute noch tun.
00:06:11: Also viele, nicht alle, aber viele von ihnen sind eben heute immer noch politisch aktiv und arbeiten in ihren sehr, sehr gut organisierten Exil-Netzwerken.
00:06:23: Haben diese Revolutionen, der war in der Schweiz, der war in der Schweiz, der war in der Schweiz, gegen den Schaar.
00:06:31: aus dem Ausland eben, aus dem Exil aktiv unterstützt.
00:06:35: Ja, viele von ihnen sind dann kurz zurückgekehrt, neunzehntneunundsiebzig oder noch neunzehntnachzig und haben dann natürlich dort eine Welt gesehen, für die sie die Revolution nicht gemacht haben und sind dann wieder zurückgekehrt.
00:06:52: Vorläufig bisher für immer.
00:06:54: Seitdem kämpfen sie gegen das Regime der islamischen Republik und eben so ein Oppositioneller ist mein Vater und ich bin
00:07:04: immer
00:07:04: in diesem politischen Kontext ganz selbstverständlich aufgewachsen.
00:07:08: Das war für mich immer ein selbstverständlicher, essenzieller Teil meines Lebens, dass mein Vater in Sitzungen ist, dass wir am Wochenende ins Café Libresso hinterm Kölner Neumarkt gehen und er dort seine Freunde trifft.
00:07:23: und als ich klein war hat er mich immer gegenüber in die Stadtbibliothek gebracht und ich habe mir da Hörspiele angehört, während er mit seinen Freunden diskutiert hat.
00:07:32: und natürlich seit wir das Internet haben sitzt er dann zu Hause.
00:07:38: Erst vor Skype, mittlerweile vor Zoom oder Google Meet oder Gott weiß, welchen Format vernetzt sich und spricht und diskutiert und publiziert mit seinen politischen Weggefährtinnen eben, die in Europa, in den USA, in Kanada oder im Iran selbst sitzen.
00:07:56: Genau.
00:07:57: Und ja, das ist natürlich so auch eine Perspektive, die ich versucht habe.
00:08:05: selbstverständlich zu lassen im Buch, also so
00:08:07: einerseits
00:08:08: irgendwie sich nicht erklären zu müssen, als das Kind, was ich war und andererseits meine Welt, aber so wie ich sie erlebt habe, irgendwie aufzufalten doch im Text.
00:08:20: Und zu einem Begriff sollte ich vielleicht noch was erklären, ja genau.
00:08:24: Also das ist eigentlich so eine, dieser Begriff der Dinosaurier ist eigentlich so eine interne Lingo.
00:08:30: die eben politischen Aktivisten damals, das war dann schon die zweite Generation, die in den Sechzigern und Siebzigern nach Deutschland gekommen sind, für ihre Freunde hatten, die schon in den, die älter waren, die halt eben so eine halbe Generation oder so älter waren, die schon in den Neunzehnhundertfünfzigern eben unmittelbar nach dem Staatsputsch gegen die Regierung Mohammed Mossadegh im Iran geflohen sind.
00:08:59: Und dann eben in unserem Fall hier in Deutschland die Exiloposition aufgebaut haben.
00:09:05: Ja, die haben eben ihre älteren politischen Freunde, Dinosaurier genannt.
00:09:10: Manchmal wird heute da auch, ja, schwingt da heute auch irgendwie so eine Konnotation von Dogmatismus oder so einer Rückwärtsgewandheit ein bisschen mit.
00:09:19: Aber ich habe den Begriff natürlich irgendwie auch uminterpretiert.
00:09:23: Also für mich ist das ein... irgendwie ein sehr liebevoller Begriff, vielleicht auch ein bisschen ironischer Begriff, aber für mich sind eben die Dinosaurier keine ausgestorbenen Fossilien, sondern eben eine Generation von Menschen, die politisch gearbeitet haben, aus idealistischen Gründen, das größtenteils heute auch immer noch tun und deren Lebensleistung aber von der Geschichte verschluckt wurde.
00:09:52: Sowohl von der iranischen als auch und da kommen wir dann vielleicht auch später drauf, auch als von der deutschen.
00:09:57: Genau, das sind die Dinosaurier und in einem Dinosaurierkind steckt natürlich auch irgendwie immer ein Dinosaurier drin.
00:10:05: Ja, vielen Dank.
00:10:07: Ich würde es sogar noch erweitern, weil es ja durchaus auch so ist, dass auch Dinosaurier rinnen.
00:10:12: vorkommen.
00:10:14: Also du spielst ja auch in der Hinsicht mit dem Begriff und stellst so die Frage, warum es vielleicht auch zumindest in der, ich nenn's jetzt mal Rezeption, mehr Dinosaurier gibt als Dinosaurierinnen und da kommen wir vielleicht auch noch später zu.
00:10:30: Mal gucken, was wir alles abgedeckt bekommen, aber das vielleicht noch als kleine Ergänzung zu dem Wort, das schon im Titel steckt.
00:10:38: Wir haben uns überlegt, dass du auch ein bisschen liest heute.
00:10:41: Das kommt mal vor im Podcast, mal aber auch nicht.
00:10:45: Ich glaube, da du ja schon gesagt hast, es handelt sich um einen literarischen Essay und sich vielleicht auch viele bei so einem Begriff erst mal fragen.
00:10:54: Was ist ein literarischer Essay?
00:10:57: Wie kann man sich das vorstellen?
00:10:58: Macht es durchaus Sinn, auch was aus dem Text zu hören und natürlich, weil der Text an sich auch nochmal Inhalt transportiert, über den wir dann weiter sprechen können.
00:11:09: Deshalb würde ich sagen, wäre vielleicht ein ganz guter Moment, dass wir eine erste Stelle hören.
00:11:15: Sehr, sehr gerne.
00:11:16: Eine kurze Sache vorab.
00:11:17: Der Text ist so aufgebaut, dass es eben ein Fließtext ist, der aus der Perspektive des Dinosaurier Kindes erzählt ist.
00:11:26: Dann gibt es immer wieder Unterbrechungen im Fließtext und die sind rechtsbündig im gedruckten Text und kursiv gesetzt.
00:11:36: Das ist die Stimme des Vaters, die ich eingearbeitet habe in den Text.
00:11:40: Das hat sich im Arbeitsprozess, im Schreibprozess so ergeben, weil er eben das Manuskript auch bekommen hat zum Durcharbeiten und ich dann als die ODT Textfassung zurückkam mit ganz vielen farbigen Markierungen, ich erst nur ein bisschen hilflos war und dachte mir so mein Gott, wie soll ich meine Deadline einhalten, wenn ich das alles einarbeite?
00:12:01: Genau und mir dann aber im Gespräch mit meinem Vater über den Text nach und nach klar wurde, dass irgendwie seine eigene Stimme auch eben einen Wiederhalt in Text finden muss und nicht nur darüber, wie ich über ihn schreibe.
00:12:16: Genau und deshalb gibt es diese Einschübe, die lese ich jetzt einfach dann in einer etwas anderen Sprechhaltung und hoffe, das funktioniert so.
00:12:27: Deine Existenz bekam plötzlich eine äußere Kontur, als ich das erste Mal in Iran war.
00:12:33: Ja, später sagte meine Tante, tagsüber wäre ich ein Kind gewesen, aber nachts habe ich mich immer ganz ernst unterhalten wollen.
00:12:41: Wie eine Erwachsene.
00:12:42: Ihr Mund zeigte dieses amüsierte Lächeln, das niemals die Liebe verließ.
00:12:47: Sie lag damals mit meiner Kusine Behnush auf dem Bettenlager am Boden.
00:12:51: Besat und ich in den Kinderbetten.
00:12:54: So redeten wir bespät in die Nacht.
00:12:56: Besat und Behnush schliefen längst und hat ihr Bieter erzählt in mir von dir.
00:13:00: Wenn du angefangen hattest politisch aktiv zu sein, verbotene Flubblätter überbrachtest, einige Jahre nachdem putzschen und sinhundertdreiundfünfzig, Mit elf Jahren noch ein Kind eigentlich.
00:13:13: Wem du alles halfst.
00:13:15: Klassenkameraden aus noch ärmeren Familien, später in Deutschland anderen, die geflohen waren und nichts mehr hatten und nichts mehr waren.
00:13:23: So viele Geschichten.
00:13:25: Kaum eine davon habe ich behalten.
00:13:28: Nur die Erinnerung an das Gefühl ist geblieben, dass du wirklich in dieser Welt bist, so wie ich dich sehe.
00:13:35: Nicht nur in meinem Kinderkopf.
00:13:37: Jeden Nachmittag, während meines Urlaubs in Tehran, wartete ich voller Ungeduld auf die Nacht mit Nitas Geschichten, von dir und unserer Familie, die jetzt endgültig auch meine war.
00:13:50: Bei Azib Amon und Hossein Paport zu Hause kam ein nicht endender Strombesucher durch die Tür.
00:13:56: Du hattest mir vor dem Abflug gesagt, dass ich anstelle deiner Fliege.
00:14:00: Aber was heißt das schon für eine Elfjährige?
00:14:04: Ich vergas es nicht, aber vollständig verstanden hatte ich es auch nicht.
00:14:08: Erst als diese ganzen Menschen kamen, Erwachsene meist mit riesigen Blumenstreußen, um ein kleines Kind zu besuchen.
00:14:16: Die unbedingt wollten, dass ich ihre Namen behälte, damit ich dir von ihnen erzählen könne, verstand ich.
00:14:24: Etwas wenigstens.
00:14:26: Dass du nur in Köln besucht werden und nicht selbst fliegen konntest, ist ein Fakt.
00:14:32: Wenn ich zurückdenke, gibt es keine Zeit der Unklarheit über das Warum.
00:14:37: Deine Sitzungen Donnerstagsabend, die Diskussion mit Freunden an unseren Nachmittagen bei Bijan und die Nachrichten aus Iran haben immer zu unserem gemeinsamen Leben gehört.
00:14:49: Mit den Jahren wuchsen deine Geschichten zwischen uns und ich hatte genug Beweis, dass sie wahr waren, aber waren sie auch wichtig?
00:14:59: Ihre Tragweite verwirrte mich oft.
00:15:03: Es waren Geschichten wie aus meinen Büchern.
00:15:06: Warum sie niemanden außer dir und mir und deinen Freunden zu interessieren schien, diese Frage stellte ich mir noch nicht.
00:15:13: Spürte sie nur.
00:15:16: In der siebten Klasse lasen wir in Deutsch keine Angstmaria.
00:15:20: So lernte ich das Kodetar, Staatsstreich bedeutet und was das ist, und weinte um die mutigen Kinder aus Santiago's Armenviertel und um Salvador Allende.
00:15:31: Mit siebzehn las sich Romane von Jaconda Belli und verschlang daraufhin alles, was sich über die Saninisten und ihren Kampf gegen die Samosa-Diktatur erfinden konnte.
00:15:40: Später hat die Autobiographien von Margaret Schiller, Inge Fiedt und Maya Ulrike Mainhof ihre faszinierende Konsequenz, ihre Selbstzermöbung seltsam vertraut.
00:15:54: Mein Hof war mit Bahmai Niromand befreundet gewesen, ein alter Bekannter aus der Generation vor dir, natürlich.
00:16:03: Eure Netzwerke und ihre Wirkweisen verblüffen mich heute noch.
00:16:07: Aber du und deine Freunde von damals, ihr kam nicht vor in meinen Büchern über sixty- acht.
00:16:14: Auch als sich die Bewegung II.
00:16:15: Juni und ihre Beteiligung am Kampf gegen die Schauliktatur entdeckte, blieben jene persischen Studenten kaum mehr als eine Fußnote in der deutschen Geschichte jener Zeit.
00:16:27: Damals reichte das nicht, um selbst mein Interesse, das seiner eigenen Tochter zu wecken.
00:16:34: Ich wusste noch zu wenig.
00:16:36: Wo und von wem hätte ich etwas darüber lernen sollen, außer von dir?
00:16:43: So viele Jahre, so viele Bücher und Fragen hat es mich gekostet, um zu verstehen, dass hinter diesem Kursiv ihr versteckt wurde.
00:16:53: Aber für dich sind diese Geschichten immer nicht eine Selbstverständlichkeit gewesen.
00:16:57: Ein alter Hut sagst du, für den sich niemand mehr interessiere.
00:17:01: Warum auch?
00:17:02: An die Freunde aus der Studentenbewegung, die als intellektuelle Sieger der Geschichte die Bücher schrieben?
00:17:09: oder gar an die deutsche Gesellschaft einen Anspruch zu erheben und euren Teil der historischen Lorwehren einzufordern, wenigstens ein eigenständiges Kapitel zu sein in der Geschichte, die ihr doch mitgestaltet habt.
00:17:22: Auf diese Idee werdet ihr nie gekommen.
00:17:26: Unsere Aktivitäten waren im Rahmen und unter dem Namen von Cislu.
00:17:34: Deine Geschichten gaben dem Raum zwischen dir und mir mit den Jahren eine Schwere.
00:17:40: die mein Leben da draußen in einer Imbalance schob.
00:17:45: Kaum merklich, aber da.
00:17:47: Und dann passierte Mykonos.
00:17:49: Eigentlich war ich zehn Jahre alt, als Sauderjadavkandi, Fatah Abduli, Humayun Adalon und Nuri de Kuldi vom iranischen Geheimdienst ermordet wurden.
00:18:02: Doch für mich passierte es erst rund ein Jahrzehnt später, als mich die Erkenntnis traf, dass auch du hättest sterben können an diesem Siebzehnten September, in Berlin-Wilmersdorf.
00:18:15: Du hattest dort sein sollen, zusammen mit Mehran, der immer ein bisschen wie ein Bildhauer aussieht, als wie der Politikwissenschaftler der ist.
00:18:25: Er hatte nur das Datum des Treffens falsch dekuliert.
00:18:31: Bis heute weiß ich kaum konkretes Wochen, du arbeitest, auf welchen Ebenen ihr agiertet.
00:18:36: Ich glaube, du nahmest an, Details hätten mich nicht interessiert.
00:18:39: Das stimmte zwar zu keinem Zeitpunkt, aber deine Wagen antworten, als ich einen späteren Jahr nachfragte, wurden zu Routine.
00:18:48: Zweifellos gab es Zeiten, in denen du nicht mehr erzählen durftest, zu meiner Sicherheit.
00:18:55: Mykonos sagt mir heute, dass du und deine Freunde euch in Köln nicht bloß die Köpfe heiß geredet und ein paar Demos organisiert habt.
00:19:05: Mykonos war eine Geschichte, deren Präsenz in den deutschen Medien, deine Existenz und so auch deine Arbeit zwischen die Seiten meines Lebens da draußen schob.
00:19:17: Die Namen der Toten weiß ich nicht aus Fernsehen.
00:19:20: Wurden sie überhaupt genannt?
00:19:23: Sie wurden als kurdisch-iranische und positionelle benannt.
00:19:28: Vielleicht habe ich sie von dir gehört?
00:19:30: Wahrscheinlich nicht.
00:19:31: Ich war zu jung.
00:19:33: Nun musste ich sie wieder nachschlagen.
00:19:35: Allein, dass das Attentat auf deutschem Boden verübt wurde, machte es für die Medien und für meine Freundinnen interessant.
00:19:43: Das Töten, der sogenannten Dritten Welt hat, wenn es mitten unter uns im Westen geschieht, plötzlich ein Gewicht.
00:19:50: Es erhielt den Namen eines griechischen Lokals, geführt von einem kurdischen Bekannten, das nach einer Urlopsinsel benannt war.
00:19:59: Ein bizarrer Name für ein Attentat.
00:20:02: Erst als ich studierte und du begannst, mir Bücher von Zeit zu schenken, war ich in der Lage der Imbalance in meinem Leben nachzugehen und mit dem Gewicht deiner Geschichten auszuktarieren, nach und nach.
00:20:16: All diese Selbstverständlichkeiten, die nur unsere waren, auf einmal konnte ich sie einordnen.
00:20:22: Wenn ich nun darüber schreiben will, was genau es ausmachte, als politische Tochter groß zu werden, dann ist es vielleicht das.
00:20:32: Wie wir gemeinsam Nachrichten gucken und du mir erklärtest, dass auch im Fernsehen nicht immer die ganze Wahrheit berichtet wird und von den Ereignissen, die für uns wichtig waren, oft überhaupt nicht.
00:20:43: Wie sie dich vier Stunden lang festgehalten und verhört haben in Heathrow, als du mich während meines Austausch halb Jahres in England besuchen wolltest.
00:20:53: Und dann, als Erwachsene, das wissen darum, wie du nach München gekommen warst, nach deinem Abitur.
00:21:00: Ein Jugendlicher mit erwachsenen Auren.
00:21:03: Wie du dich durchschlugst in diesem Deutschland, der Sohn eines Gewerkschafters und einer rotarmisten Tochter, keine zwanzig Jahre nach nineteenhundert fünfundvierzig, eines eisenbaren Gewerkschafters und einer ehemaligen rotarmisten Tochter.
00:21:20: Von diesem Deutschland aus, wolltest du mit deinen Freunden eine fünftausend Kilometer entfernte Diktatur stürzen.
00:21:27: Wie aber witzig.
00:21:29: Aber ihr, auch ihr, habt es wirklich geschafft.
00:21:35: Was darauf folgte, hätte sich niemand ausmalen können.
00:21:39: Oder doch, vielleicht du, vielleicht ihr in eurem Exil, newtonsinnhundertneunundsiebzig, fünfunddreißig Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus.
00:21:49: Aus der Ferne konntest du die Zeichen lesen.
00:21:53: Bis heute hat dein Kampf nicht auffern dürfen.
00:21:56: Du hattest die deine alten Tage anders vorgestellt, sagtest du, als du fünfundsiebzig wurdest?
00:22:02: Es klang müde.
00:22:04: Das war drei Jahre bevor sie Gina umbrachten.
00:22:08: Seitdem ist die politische Arbeit nicht weniger geworden.
00:22:11: Gina, Masse, Amini, die Leser verstehen sonst nicht, wie du meinst.
00:22:17: Weiterkämpfen.
00:22:19: Bis in wie vielen Menschen leben.
00:22:22: Immer weiter.
00:22:24: Dinosaurier habt ihr die Generation oppositioneller Freunde und Vorväter vor euch genannt.
00:22:31: Wie alt waren sie damals?
00:22:33: Und ihr heute?
00:22:35: Du magst es nicht, wenn ich den Begriff für euch verwende.
00:22:38: Ihr habt euer eigenes Zeichensystem.
00:22:42: Aber niemand sonst beherrscht es.
00:22:44: Euch hat das immer genügt.
00:22:45: Ihr habt euch selbst immer genügt bis heute.
00:22:49: Aber uns, den Dinosaurier Kindern?
00:22:52: Genügt es nicht mehr.
00:22:53: Zu respektieren, wir euren Bescheidenheitskodex mit einem liebevollen Lächeln wissen, dass er mit euch sterben wird.
00:23:00: Wir aber müssen eure Zeichen übersetzen, um uns zu versichern, dass sie wahr sind.
00:23:09: Vielen Dank.
00:23:10: Auch danke, dass du das mit uns teilst.
00:23:13: Weil ich glaube auch hier in der Textstelle wird ja schon sehr deutlich, was das auch alles mit heute und vielleicht besonders auch jetzt gerade zu tun hat.
00:23:22: Eine Sache, die mir beim Lesen und auch beim Zuhören immer wieder aufgefallen ist und auffällt, ist, dass du in deinem Text von so vielen Diskrepanzens vielleicht ein passendes Wort schreibst.
00:23:38: Aber nicht nur sie selber zum Thema macht, sondern sie auch in deinem Schreiben deutlich werden, indem du ja die Geschichte deines Vaters über deine Geschichte erzählst.
00:23:52: Also darüber, dass du sagst, wie es war, in Deutschland aufzuwachsen als politische Tochter zwischen so Mehrheitsgesellschaft und sprich auch das Schulsystem schon an.
00:24:07: diesem Zuhause, dass Dinge für Ereignissen ganz andere Namen gegeben hat oder vielleicht einen ganz anderen Blick darauf hatte.
00:24:16: Und zwischen Räume oder Räume, in denen so Spannungen entstehen, sind ja meistens die Räume, wo es sehr besonders wichtig ist, auch hinzugucken.
00:24:26: oder wo sich auch so neue Potenziale entfalten oder so, wenn man in so einem Sprech bleiben möchte.
00:24:31: Und eine Sache jetzt in dem Text oder um nochmal so ein Beispiel zu nennen ist, das du ja schon sagst.
00:24:37: In Schule bin ich an Literatur rangeführt worden, die mir Geschichten erzählt hat.
00:24:45: durch die ich plötzlich Brücken schlagen konnte, zu dem, was ich von zu Hause vielleicht schon kannte, aber dann nicht in Gänze verstanden habe oder erfassen konnte.
00:24:56: Und gleichzeitig kamen diese Geschichten, und das meine ich auch mit... Diskrepanz, die ich von zu Hause kannte oder diese Namen-Ereignisse, dann wiederum nicht den Schule vor, was so ein Beispiel ist.
00:25:09: oder als ein zweites Beispiel.
00:25:11: Das, was du am Ende schreibst, diese Bescheidenheitskodex deines Vaters oder der Generation deines Vaters oder der Dinosaurier, wie du es hinnennst, auch wenn er sagt, dass er diesen Begriff eigentlich gar nicht so mag oder du das beschreibst und diesem Drang.
00:25:28: Danach das jetzt anders machen zu müssen, weil man vielleicht auch in der Diaspora oder in dem Aufwachsen hier, in einer auch anders geprägten Sozialisation eine ganz andere Rolle meint, einnehmen zu müssen.
00:25:44: Ja, das hast du sehr schön beschrieben.
00:25:45: Absolut.
00:25:46: Diskrepanten und Zwischenräume ist, glaube ich, eine gute Beschreibung.
00:25:51: Ich hatte eigentlich das Glück für ... Die Zeit, glaube ich, ziemlich offene Schule gewesen zu sein.
00:26:00: Ich muss mich gerade einordnen.
00:26:01: Ich habe ein Jahrzehntausend-eins-Abi
00:26:04: gemacht.
00:26:05: Also es ist schon ein bisschen was her.
00:26:07: Und ich bin auf einer Gesamtschule in Köln gewesen, die immer so als so eine alternativ pädagogische Vorzeigeschule galt oder damals tat sie das jedenfalls.
00:26:18: Und es ist eben eine Schule, die
00:26:20: so ein
00:26:21: bekannter für war, ein politisch-progressives Collegium zu haben.
00:26:25: und schon eben als integrierte Gesamtschule sehr früh mit Teamkleingruppenmodellen, eben im Integrationsmodell und so weiter gearbeitet hat.
00:26:34: Das, was ich hier beschreibe, ist, dass ich zum einen auch vom Elternhaus mit meiner Mutter eben schon in den Genuss irgendwie so eine ja linken bildungsbürgerlichen Sozialisation zu kommen.
00:26:50: Und dazu gehörten eben zum Beispiel Geschichten und Literatur über die Unabhängigkeitskämpfe in in Lateinamerika.
00:26:59: Das war da und dafür bin ich auch dankbar einerseits.
00:27:03: Und andererseits war es aber doch so vorgegeben von oben und so gesetzt, dass eben nicht geguckt wurde, was bringen denn die Schülerinnen mit?
00:27:12: und dass sich eben diese Geschichten als als wertvolle Geschichten und als als zähenswerte Geschichten eben als Kind, als junge Teenagerin empfunden habe und mir das so mitgegeben wurde, aber eben nicht die, die ich selber mitbringe oder die eben mein Vater mitgebracht hat.
00:27:32: Das war eben eine Geschichte, die immer nur in diesem ja privaten Raum stattgefunden hat oder eben in halb privaten Räumen wie diesen wie diesen Café, was eben ein Treffpunkt war in Köln.
00:27:45: Aber das war immer abgetrennt von meinem ansonstigen Leben als Schülerin, als heranwachsender Mensch.
00:27:52: Und das hatte irgendwie keine Spiegelung, dadurch auch keine Anerkennung, keine Relevanz in dem Schulleben.
00:28:02: Das ist natürlich schon irgendwie schade und eine Diskrepanz, dass eben... nicht geschaut wurde, was bringen die Schülerinnen irgendwie selbst mit.
00:28:12: Und was können vielleicht auch irgendwie Schulinhalte sein, die das auffahren?
00:28:17: Oder wie kann man mein Wegen sogar durch so eine Literatur, die von oben gesetzt wird, die kann man Brücken schlagen zu den Biografien der Kinder.
00:28:25: Und genau, das hätte ich mir natürlich rückblickend gewünscht.
00:28:29: Und ich habe das dann aber selbst irgendwie getan.
00:28:33: Das ist aber natürlich so Teil eben einer Sozialisation als politische Tochter, dass ich mir das selbst geholt habe und mir diese Bildung dann selbst angeeignet habe.
00:28:45: Ich habe dann eben angefangen, Islamwissenschaften zu studieren.
00:28:48: In Köln gibt es eben nur Islamwissenschaft.
00:28:50: Es gibt kein eigenes Institut für Iranistik, nur eine Iranistik, die eben dort untergegliedert ist.
00:29:00: Und da habe ich dann halt viele Lehrstellen, die ich hatte, die ich natürlich irgendwie trotzdem da waren, auch wenn ich mit dieser selbstverständlichen Geschichte aufgewachsen bin.
00:29:10: Ich habe mir ganz, ganz viel Wissen gerade darüber, wie eben die Diktatur der islamischen Republik funktioniert.
00:29:19: Über die iranische Geschichte habe ich mir eben dann in der Uni, in der Bildung über Bücher Und dann oft in einem rückgekoppelten Gespräch mit meinem Vater irgendwie selbst angeeignet.
00:29:33: Eine Sache, die mir jetzt noch zusätzlich in den Kopf gekommen ist, weil wir auch gesagt haben, dass wir vielleicht auch ein bisschen auf die Schulerfahrung deines Vaters schauen wollen.
00:29:43: Und das ist tatsächlich ja auch so eine doppelte Schulerfahrung.
00:29:48: Einerseits seine eigene Schulaufbahn.
00:29:51: Dazu hören wir gleich noch ein bisschen was.
00:29:52: Aber auch die Tatsache und ... Das fügt vielleicht noch eine Ebene hinzu, zu dem was du gerade gesagt hast, dass dein Vater auch selber Lehrer war in Köln.
00:30:03: Und da würde man ja jetzt vielleicht denken, ah, spannend, okay, er war Lehrer und hat Jugendliche, das kannst du gleich ein bisschen genauer erklären, oder hat Menschen dadurch ihre Dinge beigebracht oder sich mit Themen auseinandergesetzt und gleichzeitig bist du da irgendwie... mitten drin als Tochter.
00:30:23: Und Lehrerinnen und Kinder haben da ja immer sehr viel zu erzählen, wie das so ist, mit Lehrer in Eltern aufzuwachsen.
00:30:32: Deshalb wäre das vielleicht noch ein Aspekt, der so eine Ebene hinzufügt und der auch noch so ein bisschen spannend ist, da einzufügen in dieses, nennt es jetzt mal, Diskrepanzen.
00:30:42: Ja, diesen Diskrepanzenpool kann man
00:30:44: sehen.
00:30:45: Ja, ja, das ist witzig.
00:30:48: Ich glaube, da habe ich... in diesem Kontext und die so viel drüber nach.
00:30:52: Ich dachte immer, es ist Lehrer in Kind sein.
00:30:56: Mein Vater war Lehrer in über fünf, zwanzig Jahre Lehrer an einer Schule in Mühlheim und in Mühlheim spielt er eben auch ein Teil des Buches an der Tages- und Abendschule.
00:31:07: Das ist eben eine Schule für den zweiten Bildungsweg, an dem man Abschlüsse nachmachen kann.
00:31:14: Für meinen Vater war das auch eine bewusste Entscheidung.
00:31:18: nicht an einem Gymnasium zu unterrichten, weil er eben den Lehrerberuf als auch als idealistische Aufgabe gesehen hat.
00:31:27: Also er hatte, das war schon sein zweites Studium, er hatte Maschinenbau studiert und ich weiß nicht genau, ich vergesse mal wie lange, ich glaube so ungefähr zwei Jahre, bei Ford als technischer Zeichner gearbeitet und musste dann aber wieder studieren, weil er sonst nicht weiter hätte in Deutschland bleiben dürfen und hat dann Mathematik und Philosophie studiert an der Uni Köln und ist dann Lehrer geworden.
00:31:52: Dann letztlich Mathematik und ich weiß gerade gar nicht mehr, ich glaube Informatik irgendwie oft so halbfach fremd irgendwie unterrichtet irgendwelche technischen anderen Fächer.
00:32:04: Er hat das irgendwie so idealistisch angegangen.
00:32:06: Es ist aber, wie das glaube ich bei vielen näherer Innen auch so ist, ist es dann irgendwie, der idealistische Part ist für ihn oft im Alltag auf der Strecke geblieben.
00:32:17: Er ist irgendwie schon auch frustriert gewesen von den Rahmenbedingungen.
00:32:21: Also zum einen irgendwie davon, wie ... Teilweise von dem Kollegium, wie die Schülerinnschaft von dem Kollegium behandelt wurde manchmal oder wie bei sie gesprochen wurde.
00:32:35: Kann sich vorstellen, eben eine Schule in Mühlheim für den zweiten Bildungsweg.
00:32:39: Ja, das war keine klassische Weißbildung.
00:32:45: Elternhausnäßige Schülerinnenschaft, sondern hauptsächlich irgendwie migrantisch und eben nicht bildungsbürgerlich geprägt oder zu großen Teilen eben nicht.
00:32:55: Und ja, dann ist mein Vater aber auch irgendwie ein generell sehr ärgerziger, arbeitsamer und stringenter Typ und Er konnte, glaube ich, oft auch nicht so richtig verstehen, dass seine Schüler gerade mit den Biografien und dann an einer Schule, wo man Abschlusse nachmachen will, nicht immer die gleiche Energie an den Tag gelegt haben.
00:33:22: Und ich glaube, das war für ihn irgendwie auch manchmal frustrierend.
00:33:25: Für mich ist das im Buch erzählt eher so Teil seines Mühlheimer Mikrokosmoses gewesen, weil er eben einfach in zehn Fußminuten an seiner Schule war und er da um die Ecke gelebt hat.
00:33:37: Je nachdem, also Tags und Amtsschule, wie seine Kose lagen, ist er dann zwischendurch irgendwie auf die Kopfstraße was essen, einkaufen wir auch immer, also so.
00:33:46: Und das ist etwas, was ich erst beim Schreiben auch so verstanden habe, dass seine Wahl in Mühlheim zu leben, dass das eine Konstante in seiner Biografie ist, weil er aus einem eher prekären Viertel oder sie mussten aus politischen Gründen sehr, sehr viel umziehen, die Familie, aber weil er eben nie in einem Wohl... Wir haben einen Teil in Terran gelebt hat.
00:34:08: Die Familie kommt immer auch aus erden südlicheren Teilen, die irgendwie bekanntermaßen die ärmeren Teile sind, in Terrat.
00:34:17: Viele seiner Freunde.
00:34:19: leben um die Uni herum.
00:34:20: Das ist ja auch irgendwie so ein klassisches Narrativ.
00:34:22: So alle Copy Shops und Kiosks um die Uni herum gehören irgendwie Iraner in.
00:34:27: Viele haben studiert und haben sich dann irgendwie darum herum selbstständig gemacht und sind da geblieben.
00:34:32: Und dazu gehörte mein Vater eben nicht.
00:34:34: Also er ist zwar an der Uni gewesen.
00:34:37: Er ist immer sehr, sehr viel.
00:34:38: Das ist auch ja so eine politische Metapher im Buch über den Rhein gefahren.
00:34:43: Aber er hat eben auf der rechten Rheinseite gelebt und ist dann für sein politisches Leben über den Rhein gefahren, aber seine eigene Lebenswelt und Infrastruktur waren Müllheiten.
00:34:55: Für ihn war Bildung einfach etwas sehr, sehr gut, weil das Iran der Schadzeit Auch Klassen abhängig war.
00:35:08: Was ist ja auch irgendwie heute bei uns immer noch so ist.
00:35:11: Keine große Besonderheit.
00:35:13: Aber natürlich noch eine höhere Maße irgendwie mit Etikette und Schulen, auf die man gekommen ist oder nicht gekommen ist.
00:35:22: Je nach Klassenzugehörigkeit verbunden war.
00:35:24: Das ist eigentlich ein
00:35:25: super Übergang
00:35:26: zu der zweiten Textstelle, die wir uns überlegt haben, um dann danach vielleicht von der Vergangenheit wieder ein bisschen in die Gegenwart zu... springen und dem gerecht zu werden, was wir so ein bisschen vorgenommen haben, nämlich da die Brücken zu erkennen und zu schlagen.
00:35:44: Genau.
00:35:44: Also ich lese jetzt einen Teil, wo ich vielleicht kurd, weil sich das im Buch natürlich irgendwie so dramaturgisch aufbaut, noch erklären sollte, dass es vorher um ein paar Schuhe meines Vaters geht im Text, die er als Teenager getragen hat.
00:36:03: Ja, diese Schuhe nannten sich Baskets.
00:36:06: Das ist ein Basketball.
00:36:08: Es gibt sehr viele französische Lehnwörter im Persischen.
00:36:11: Das ist eins davon, was dann aber eben so seine eigene Form im Persischen gefunden hat.
00:36:15: Und das klingt irgendwie nach einem Sportschuh, nach was gut gepolsterte und bequem.
00:36:21: Und es war aber das Gegenteil.
00:36:22: Die Baskets waren die Schuhe der Unterklasse, die eben visuell sichtbar aus Autoreifen genäht waren als Schuhsohlen.
00:36:31: Und dann darüber eben mit einem anderen Textil.
00:36:36: Also keine hochwertigen Lederschuhe.
00:36:40: Und die musste mein Vater immer einige Nummern zu groß tragen.
00:36:44: Vorne.
00:36:45: Stoff reinstecken und wenn seine Füße gewachsen sind, hat er ein Stückchen Stoff rausgeholt und dann passen die Schuhe wieder.
00:36:52: Ja, die Gesellschaft in den späten nineteenhundertfünfzigern und nineteenhundertsechziger Jahren.
00:37:00: Im Iran ist eben eine extrem von Klassismus geprägte Gesellschaft gewesen.
00:37:07: Also zum Einen war eben ein Großteil der Bevölkerung.
00:37:11: hat nicht teilhaben können an den Reichstümern, die zwischen der kleinen Elite und dann den Parteien, die an der Ölförderung beteiligt waren, hauptsächlich eben der, also der Anglo-Iranien Oil Company, in denen hauptsächlich die britische und amerikanische Seite anteils eigner waren.
00:37:32: Es gab, und das muss ich sagen, hat sich auch, das ist ein unbearbeiteter Teil eigentlich, der sich auch in der Diaspora bis heute gehalten hat.
00:37:42: Dass es eine große, ja, ich würde schon fast sagen, Abscheu gibt und eine Diskriminierung, was eben Armut angeht und was sichtbare Zeichen von Armut angeht.
00:37:55: Also arme Menschen können höchstens irgendwie bedauernswert sein und das ist aber auch schon alles.
00:38:02: Und dadurch, dass wir eben heute mit so einem religiösen Fundamentalismus es zu tun haben, ist der ganze Diskurs, der irgendwie Diskriminierung aufarbeiten würden, wirklich sehr von dieser religiösen Dimension überlagert, was natürlich auch nachvollziehbar ist und was eben.
00:38:23: extrem Pressing ist, wenn wir uns natürlich auch über die heutigen Ereignisse unterhalten.
00:38:29: Aber dieser Klassismus der iranischen Gesellschaft dieser Zeit, da ist nie so richtig aufgearbeitet worden.
00:38:35: Und den treffe ich einfach auch heute nicht in einem engen sozialen Umfeld meines Vaters, weil das politische Menschen sind, aber so sonst oft auch in der iranischen, die Asperer immer noch an.
00:38:46: Das ist einfach mitgebracht worden.
00:38:49: Genau, jetzt habe ich immer schon viel vorweggenommen.
00:38:51: Jetzt lege ich mal.
00:38:54: Als mein Vater mit Josem Papau im Sekretariat der Alborgs Schule vorstellig wurde, war er gut vorbereitet und voller Erwartung.
00:39:04: In seinen Händen hielt er eine Mappe mit seinem Zeugnis der Sechsten Klasse und einem Empfehlungsschreiben seines damaligen Schuldirektors.
00:39:12: Seit zwei Jahren bei der Klassenbeste In Mathematik, Naturkunde und persischer Literatur hatte er ja neunzehn oder zwanzig Punkte, in keinem Fach außer Religion, weniger als siebzehn.
00:39:25: Sein Vater hatte ihm für diese Leistung einen Accordion versprochen.
00:39:29: Dieses Instrument lernen zu dürfen, wünschte er sich, der klein war.
00:39:34: Die noch größere Sache allerdings war das hier, Alborgs.
00:39:39: Das Gymnasium war Ende des neunzehnten Jahrhunderts von protestantischen Missionaren aus den USA gegründet und schnell als eine der besten Bildungseinrichtungen des Landes bekannt geworden.
00:39:51: Über die Jahre verschob sich der Ruf der Schule hin zu einem Haus der hochbegabten Förderung.
00:39:58: Es gibt zwei Schulen in Terran, auf denen praktisch alle erfolgreichen Naturwissenschaftlerinnen und die meisten Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen ausgebildet wurden.
00:40:10: Albuls und Haddaf.
00:40:13: Beide verlangten ein hohes Schulgeld.
00:40:17: Als mein Vater mit ungefähr zwölf Jahren im Büro von Direktor Mohammed Ali Mutshtar Hedi stand, hoffte er, inständig eine Anforderung zu entsprechen.
00:40:29: Der Direktor selbst war an jedem Tag nicht da, also versprach sein Sekretär, den Stellvertreter sobald wie möglich zu ihm zu schicken.
00:40:39: Meine Vater war seinen Blick auf die Baskets und die hochgekrempelten Ärmel seiner zu großen Erke nicht entgangen.
00:40:48: Er war jedoch zuversichtlich, mit seiner Leistung eines der Stilpänien für begabte Kinder zu erhalten, deren Familien das Schulgeld nicht zahlen konnten.
00:40:58: Als der stellvertretende Schulleiter zu ihn herein kam, erhoben mein Vater und Hossein Papua sich herrstig.
00:41:06: Josep Papa erklärte ihr Anliegen, lobte den Fleiß seines Sohnes.
00:41:11: Der stellvertretende Direktor usserte meinen Vater von Kopf bis Fuß, nahm die Mappe mit den Unterlagen entgegen, ohne seine Augen abzuwenden und schlug schließlich den Papp-Umschlag auf und wieder zu.
00:41:27: Leider sind alle Stipendien bereits vergeben, sagte er.
00:41:31: Sie waren am Tag nach der Zeugnisverugabe gekommen.
00:41:34: Wahrscheinlich liefen die Ohren meines Vaters von dem Stoppelhaarschnitt und verdeckt Ruth an.
00:41:42: Er war nicht bereit aufzugeben und sagte so das Offensichtliche, dass sie so schnell wie möglich gekommen waren und gerne noch einmal wieder kommen, wenn Herr Mutsch der Hedida wäre.
00:41:52: Herr Mutsch der Hedida wird auch nichts anderes sagen.
00:41:55: Wir haben keine Plätze mehr, entgegnete der Stellvertreter, während mein Vater auf die Baskets starte.
00:42:02: die wie lange Boote unter seiner Hose hervorschauten.
00:42:08: Mein Vater hatte dieses Empfehlungsschreiten für das Alboros Gymnasium von einem befreundeten Japanmitglied, der auch mein Lehrer war.
00:42:17: Als es dann nichts wurde mit Alboros, hat sich mein Vater überhaupt nicht mehr dafür interessiert, auf welche Schule ich gehe.
00:42:23: Er hat nur zu mir gesagt, such dir eine Schule in der Nachbarschaft und das habe ich dann alleine gemacht.
00:42:30: Mein Vater wurde also an einem Gymnasium angemeldet, an dem der Unterricht wohl mittelmäßig war.
00:42:36: Im ganzen Gebäude gab es zwei Toiletten für fünfhundert Schüler und einen Trinkhan für alle auf dem Schulhof.
00:42:44: In einem Werbefilm der British Petroleum, der Dokumentarfilmer Taugry Amirani in seinen Film The Coup in nineteen fifty-three eingefügt hat, wird Iran als Luxusparadies unter Palmen angepriesen.
00:43:02: Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser, Entertainment.
00:43:06: Es werden Aufnahmen von blonden Frauen in Petticoat-Kleidern gezeigt, Kinderwagen über saubere Parkwege schieben.
00:43:14: Alle Menschen in dem Film, der neue Mitarbeiter für BP generieren sollte, sind weiß.
00:43:21: Als sie kamen, um Mossadeck zu holen, Bescheid das nicht ohne politische Vorbereitung?
00:43:28: Die mittlerweile freigegemene Geheimdienst-Information über die Operation Ajax bestätigen, was Jerevan Abrahamian, einer der wichtigsten Historiker in iranische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, bereits langer zuvor geschlussfolgert hatte.
00:43:46: Das Narrativ des Keitenkrieges.
00:43:48: Die kommunistische Partei Iran sei so stark und einflussreich in Mosaders Regierungskoalition involviert, dass eine Machtübernahme der Sowjetunion Bevorstittende war ein Propagandamärchen.
00:44:01: CIA-Unterlagen belegen.
00:44:04: Der MI-SIX hatte lange vergeblich versucht, die Regierung von Harry Truman mit dieser Argumentation weich zu klopfen, doch ohne Erfolg.
00:44:14: Die kommunistische Partei war im Grunde die einzige politische Partei mit einer Basisorganisierung und einer großen Mitgliederzahl.
00:44:22: Beine Seiten kannten jedoch die tatsächliche Stärke und Kapazität der KP und wussten somit, dass dies nicht der Wahrheit entsprach.
00:44:33: Thumen war zwar selbst kalter Krieger genug, aber nicht willens sich vor den Karren des Empires spannen zu lassen.
00:44:42: Als Dwight die Eisenhower Präsident der USA wurde, änderte sich das.
00:44:48: Der ehemalige Fünf-Sterne-General sei Außenminister John Foster Dahls und dessen Bruder Alan Dahls, Eisenhower's CIA-Direktor, ließen sich nicht lange bitten.
00:45:00: Als sie kamen, um Mossadech zu holen, wussten die drei Beteiligten seiten ganz genau, was sie taten und was sie wollten.
00:45:09: Das Absurde dieses kolonialen Verbrechens dass die Amerikaner nach dem effektiven Putzmittel des US-Konzerns Garte benannten, ist die historische Verhältnismäßigkeit der bis heute andauernden Tragödie, zu der die Gier nach Öl und Einfluss die amerikanische und britische Seite verleitete.
00:45:30: Fünfundzwanzig weitere Jahre billiges Öl hat einer der ersten Cous in Westasien ihn gebracht.
00:45:38: Mit rund sechshunderttausend Dollar Zweihundert Toten und dreihundert Verletzten bei den Kämpfen vor dem Haus Mossadders war Eisenhower höchst zufrieden, schnell, effizient und kostengünstig.
00:45:54: Die Covert Action wurde zum Lieblingsinstrument der USA für Regime Changes in der dritten Welt.
00:46:03: Nicht immer trafen sie auf korrupte Eliten wie den Shah und die monarchistischen Militärs in Iran.
00:46:10: Als der Schaar und seine Frau Soraya aus ihrem Exil im römischen Hotel Excelsior zurückgekehrt waren, wurde Mossadegh der Prozess gemacht.
00:46:21: Währenddessen lief mein Vater in den Boskets durch seine Stadt.
00:46:25: Nach Süden billiges braunes Brot kaufen, nach Norden eine neue Schule mit der Erzufriedener war.
00:46:34: Drei Monate nachdem sie gekommen waren, um Mossadegh zu holen, tauchte sein Literaturlehrer wieder vor der Klasse auf, die langen Haare geschoren, die Augen tief liegend.
00:46:46: Solleva dat schrieb selbst Gedichte.
00:46:50: Verhaftet hatten sie ihn deshalb wegen der Gedichte, nicht wegen seiner Unterrichtsinhalte, meint mein Vater.
00:46:57: Wie die Klasse getobt hat, als er davor entstand mit seinem Gefängnis-Harschnitt.
00:47:01: Die ganze Schule hat getobt, am ersten Tag, als er über den Hof lief und dann das Gebäude betrat.
00:47:08: Er war so etwas wie ein Held für uns in diesem Augenblick.
00:47:14: Vielen Dank.
00:47:16: Ich glaube, die Textstelle zeigt total gut, dass du in deinem Buch so ein Leben zeichnest.
00:47:24: Von deinem Vater war ja auch von dir und auch noch von weiteren Personen.
00:47:28: Ihr seid ja nicht nur zu zweit, logischerweise.
00:47:32: Dass so geprägt ist zwischen allen politischen Themen, aber auch Staatsformen, Systemen, die man sich wirklich nur vorstellen kann.
00:47:46: Es geht um Diskriminierung.
00:47:47: Du hast eben von Klassismus gesprochen.
00:47:50: Es geht um unterschiedliche Systeme.
00:47:52: Also Monarchie, Demokratie, es geht um Imperialismus, es geht um Kolonialismus, es geht aber auch um das Verhältnis von Mehrheitsgesellschaften in Deutschland, von Diaspora, von Migrantisierung.
00:48:07: Dadurch natürlich auch um Rassismus.
00:48:09: Und das ist ja alles ganz schön viel.
00:48:13: Das ist jetzt nun mal nichts, was ihr irgendwie oder was du irgendwie großartig beeinflussen kannst.
00:48:21: Der Text-Stelle gerade wurde das deutlich.
00:48:23: In der Text-Stelle davor hast du aber auch schon von Müdigkeit gesprochen.
00:48:28: Und ich glaube, das ist auch was, was man... spürt und auch das ist ja wieder, steht ja wieder in so einem Verhältnis zu einer Frage von weitermachen, von Selbstermächtigung vielleicht, von ja auch Solidarität gemeinsam irgendwie sich dieser auch Gegenwart dann wiederzustellen, um jetzt dahin ein bisschen zu springen, was führt ihr jetzt gerade für Gespräche oder Seid ihr überhaupt in der Lage, jetzt gerade so gemeinsam auf die Situation zu schauen und darüber zu reden?
00:49:01: Oder ist es auch geprägt von beispielsweise dieser Müdigkeit und aber auch einem vielleicht auch aufgrund der eigenen Positionierung mittlerweile unterschiedlichen Blick?
00:49:16: Ja, ich glaube von allem ein bisschen.
00:49:20: Ja, also zum einen such ich glaube die die aktive Anteilnahme bzw.
00:49:28: aktiv ist irgendwie relativ.
00:49:30: Aber das Anteil nehmen irgendwie aus, aus der Diaspora an dem, was in Iran vor sich geht, die ist immer da gewesen, die ist immer da, die ist selbstverständlich.
00:49:42: Und mein Vater hat sich noch relativ spät in seinem Leben ein sehr großes Wissen davon, wie man Webseiten pflegt, von irgendwie Umgang mit... Kommunikationssoftware und so drauf geschafft, die ich echt beachtlicht finde und die aber essentiell ist eben für seine politische Arbeit.
00:50:01: So nennt er, also für ihn ist das, er nennt es so, darum geht es auch irgendwie relativ früh im Buch, dass er eben nicht von Aktivismus spricht, sondern für ihn ist das politische Arbeit, weil das eben etwas ist, was Arbeit ist, beides alltäglich ist, weil es immer auch neben seinem Berufsleben immer nebenher gelaufen ist, immer da war und einfach, ja.
00:50:23: extrem viel Raum in seinem Leben einnimmt.
00:50:26: und unbezahlter Arbeit muss man dazu sagen, natürlich.
00:50:30: Ja, und wir reden viel darüber.
00:50:32: Wir telefonieren oft.
00:50:33: Wir sehen uns relativ regelmäßig.
00:50:36: Wir telefonieren vor allem viel und ich frage ihn immer nach seinen Updates und nach dem, was eben so seiner Informationslage her los ist.
00:50:46: Er ist mir dann meistens irgendwie voraus, weil er viel mehr natürlich in den Perse-Sprachen-Kursen drin ist.
00:50:53: Dann gibt es natürlich irgendwie Ja, müdig.
00:50:57: Ich weiß nicht, ob ich es... Doch, es gibt schon auch irgendwie eine Müdigkeit natürlich, weil ich meine, so, das sind mittlerweile dort diese Diktatur eben siebenundvierzig Jahre.
00:51:08: Er ist letztes Jahr einundachtzig geworden.
00:51:10: Das heißt, er ist seit über sechzig Jahren in Deutschland und eben arbeitet politisch irgendwie für eine Demokratie und für ein anderes politisches System im Iran.
00:51:23: unterschiedliche Dinge machen müde, natürlich macht irgendwie zum einen die Fortdauer dieses Regimes müde und innerhalb dieser Müdigkeit ist es Auch, ja, es ist natürlich furchtbar zu sehen, was jetzt gerade los ist, dass es einfach nochmal so eine Eskalation von Militarisierung, von Gewalt und Töten gibt, gegeben hat.
00:51:49: Und das so aussieht, als wäre einfach die Bereitschaft dazu da.
00:51:54: Das ist etwas, was wir eigentlich immer gesagt haben, was ich immer gesagt habe, was ich womit ich auch irgendwie immer zu tun hatte mit dieser Aussage, die werden alles tun, um sich in der Macht zu halten, wirklich alles, weil es geht in diesem System wirklich überhaupt nicht um die Menschen, es geht einfach nur um den Macht erhalten dieses Systems und der Menschen.
00:52:14: und das muss man sagen, dieses Regime hat wirklich gut gelernt von seinen Vorgängern und es hat genug Menschen beteiligt an der Macht und es genug Menschen hängen mit ihren Familien und ihrem Existenzen an diesem Regime.
00:52:30: Und so sind sie eben bereit zu kämpfen und wahrscheinlich bis aufs Letzte.
00:52:34: Weil ihre Existenzen eben an dem Erhalt dieses politischen Regimes hängen.
00:52:39: Also das Teile und Herrsche funktioniert bisher leider gut in der islamischen Republik.
00:52:46: Das ist natürlich irgendwie eine ganz große Verzweiflung, das zu sehen.
00:52:50: Und es gibt Bestimmt auch bei ihm eine Müdigkeit zu beobachten, wie so die politischen Diskurser und wie die politische Landschaft in der Diaspora und innerhalb der Opposition irgendwie auch teilweise feststeckt oder sich immer wieder wiederholt.
00:53:05: Für mich allein ist es extrem frustrierend zu sehen, was für eine Sichtbarkeit und was für eine Rolle jetzt hier die monarchistische Exil-Opposition spielt.
00:53:15: Ja, ich muss mich immer sehr zügeln, weil eigentlich denke ich mir immer nur, gerade wenn ich junge Leute in meinem Alter oder jünger sehr, die glauben Resa Pahlavi, der eben in Washington sitzende Sohn des letzten Schaars, wäre irgendwie eine gute Figur für den Übergang oder eine gute Figur, um die Oppositionsbewegung hinter sich zu vereinigen.
00:53:38: Ich denke mir immer nur, Leute, lest doch mal ein Geschichtsbuch und denkt dann bitte nochmal nach, dass es auch frustrierend unermüden.
00:53:45: Und es ist aber natürlich, ja, es hat viele Facetten, ich glaube zum einen verblasst natürlich über diese mittlerweile fast fünfzig Jahre wehrende Gewaltherrschaft der islamischen Republik, verblasst die Gewalt des vorherigen Regimes und So Bilder der alten Elite, die irgendwie in Saus und Braus und in modernen westlichen Kleidern irgendwie gelebt haben und Partys gefeiert haben und Nachtleben hatten und Kulturesesleben hatten, die existieren natürlich weiterhin.
00:54:18: Und Diaspora ist natürlich auch irgendwie in irgendeiner Form oft so eine Konservierung von Alten.
00:54:24: Und Teil der Diaspora hier sind nur Monarchisten, weil auch die waren, die fliehen mussten.
00:54:29: Also, die nicht vorher, wie mein Vater schon, fast zwanzig Jahre, fünfzehn Jahre vorher fliehen mussten, sondern die eben seit Neunen-Siebzig fliehen mussten, als eben ihre Führungspersonen gestürzt wurde.
00:54:42: Die sind sehr, sehr laut, die haben sehr, sehr viel Geld.
00:54:45: Und die haben eben viele Medienkanäle, BBC, Falsi, teilweise ist es ein bisschen ambivalent.
00:54:51: Einerseits gibt es irgendwie so eine, kann man schon sagen, eine politische Agenda, an drei Seiten Abend arbeiten dort auch oft wirklich gut.
00:54:59: Wissen, also es ist ein bisschen schwierig darauf zu gucken.
00:55:02: Einerseits braucht man diese Medien irgendwie der Informationsverteilung halber und andererseits muss man sich immer bewusst sein, dass es eben irgendwie eine politische Agenda gibt.
00:55:13: Manotto ist auch so ein Londoner Sender, Iran International und das sind halt alles Sender, die irgendwie mehr oder weniger... Chesapatlawina stehen und die einfach extrem viel Geld haben.
00:55:24: Und die demokratischen Gruppen haben einfach eben nicht die Fans, die die Monarchisten haben.
00:55:32: Das macht es irgendwie schwierig.
00:55:34: Und einerseits... habe ich im deutschen Diskurs das Gefühl, ja, so allgemein so eine interessierte Leserinnenschaft weiß irgendwie, dass das Scharregime irgendwie auch so ein relativ klassisch autoritäres Regime gewesen ist, in dem irgendwie Andersdenkende verhaftet wurden, teilweise getötet wurden und vor allem ins Exil getrieben wurden.
00:55:58: Aber andererseits... sind natürlich so diese ganzen Diskurse und wie geschickt doch auch die die Informationspolitik der Monarchisten ist, ist nicht so richtig nachvollziehbar im deutschen Diskurs.
00:56:15: und das zum Beispiel immer wieder auch auf großen Demos in Köln, in Berlin, in Hamburg, die eben von Monarchisten ausgerichtet werden.
00:56:24: Es gibt viele, aber unter anderem eben die der Anhänger eben von Neuser-Parlavi, dass da Tutin Linken gerufen wird.
00:56:33: Das wird dann natürlich nicht berichtet, weil irgendwie teilweise... Ich weiß es nicht, die Sprachkompetenz in den Medien wäre eigentlich da, aber sie wird dann halt auch oft nicht genutzt.
00:56:42: Dass sie nicht gesehen wird, sondern es wird einfach nur gesehen.
00:56:44: Es ist eine große Demonstration von IranerInnen und dies friedlich.
00:56:49: Und dann ist alles prima so.
00:56:50: Deren Kurs ist ja irgendwie unterstützungswert.
00:56:53: Genau.
00:56:54: Und ich glaube, da werden dann oft so politische Nürsen, werden von der deutschen Mehrheitsgesellschaft da oft nicht so wahrgenommen.
00:57:02: Danke.
00:57:03: Wir sind natürlich Themen, die können wir jetzt auch nicht in einer so einer Podcast-Folge irgendwie abdecken.
00:57:08: Ich glaube, das ist klar.
00:57:09: Und es gibt ja auch dein Buch, das man lesen kann und viele andere Bücher.
00:57:14: Trotzdem finde ich diesen Blick total wichtig.
00:57:17: Vielleicht auch diese Ambiguität ist auch schon so ein viel bemühter Begriff, aber es auch auszuhalten und anzuerkennen, dass es da natürlich auch eine extreme Heterogenität geht, dass es da auch um innere Machtstrukturen geht, die man als, ich nenne es jetzt mal, Außenstehende, die sich vielleicht solidarisch zeigen wollen, vielleicht auch nicht immer direkt verstehen kann, aber da steckt ja auch wieder so ein vereinfachter Blick drin, wenn man es eben noch nicht mehr versucht.
00:57:48: in der Gleichzeitigkeit zu einem Verständnis davon, dass es auch eine oberste Priorität gibt, dieses Regime zu stürzen oder da auch Solidaritäten möglich sind, ohne diesen kritischen Blick zu verlieren.
00:58:05: Vielleicht ist es so besser, besser formuliert.
00:58:08: Also danke dafür, dass du das auch noch mal so ein bisschen aufgegliedert hast, sodass man das vielleicht ein mit dieser Folge oder mit diesem Gespräch so ein bisschen besser verstehen kann, falls man sich da noch nicht so intensiver mit beschäftigt hat.
00:58:21: Mit dem Blick auf die Zeit, auch wenn ich sehr gerne noch mehr hören würde und noch mehr Raum geben würde, aber ich glaube vor allen Dingen auch für Zuhörende, für die das vielleicht ein Einstieg ist, ist es auch schon relativ viel, würde ich so Richtung Hausaufgabe gehen, der ich tatsächlich festhalte, auch wenn ich noch nicht so genau weiß, wie das mit dem Beginn dieser Folgen so weitergehen wird dieses Jahr, wie ich zu Beginn gesagt habe.
00:58:47: Was wäre denn was, was du Zuhörenden, das kann jetzt irgendwie mit dem Kontext Schule zusammenhängen, muss es aber nicht als Hausaufgabe mit auf den Weg geben wollen würdest und damit ja auch mir, weil ich dir ja in diesem Moment auch Zuhöre und Zugehörte habe.
00:59:08: Ja, und vielen, vielen Dank dir dafür.
00:59:12: Ich glaube, das ist eigentlich relativ gut, auch auf Schule mündsbar.
00:59:19: Also ich würde, glaube ich, als Hausaufgabe, was jetzt auch eben so solidarisches Verhalten irgendwie mit der demokratischen Bewegung für Raden angeht, mir, glaube ich, wirklich wünschen, dass Menschen genau hinschauen.
00:59:38: und nachfragen und versuchen sich irgendwie noch mehr irgendwie zu bilden und zu lesen, um gerade diese Ambiguitäten und Nuancen irgendwie nachvollziehen zu können, weil ich sehe sehr oft, dass zum Beispiel irgendwie Freundinnen oder befreundeten Kolleginnen oder Accounts, denen ich irgendwie folge auf Social Media.
01:00:04: die mit Sicherheit die aller allerbesten Absichten haben.
01:00:08: Dinge liken in so einem iranpolitischen Kontext, die ich total problematisch finde.
01:00:15: Und die so bestimmten westlichen Rativen davon, wie irgendwie Opposition und Widerstand aussieht, folgen.
01:00:25: die das aber, glaube ich, überhaupt nicht wissen, so, die, glaube ich, irgendwie wirklich einfach nur gerne solidarisch sein möchten, die halt zum Beispiel nicht wissen, dass, also sie ist mittlerweile im persischsprachigen Kontext eigentlich total verbrannt, aber die halt zum Beispiel nicht wissen, dass diese Journalistin aus Washington Massie Alineja, dass sie eben so der rechten in den USA, sowohl der iranischen Rechten als auch in den USA, sehr nah steht.
01:00:52: Also ich würde mir einfach eine Beschäftigung irgendwie wünschen und genau das hinschauen und wünschen.
01:00:59: Und im Schulkontext beinhaltet das, glaube ich, und da bist du irgendwie viel qualifizierter und da gibt es bestimmt irgendwie auch mittlerweile mehr zu, mehr Material zu und bessere pädagogische Ansätze auch zu, eben Schülerinnen einzubeziehen und zu fragen, wie es ihnen geht und wie es ihren Familien geht und ob sie gerade im Schulkontext irgendwas brauchen.
01:01:26: Ich weiß nicht, ob man... In solchen Kontexten auch von LehrerInnen-Seite.
01:01:32: anbieten kann oder es so leben kann, dass man entweder Schülerinnen auch mal irgendwie in Ruhe lässt, in solchen extremen belastenden Situationen, ob man ihnen ja fragt, was sie brauchen, ob sie es brauchen, irgendwie in Ruhe gelassen zu werden oder ob sie Gespräch brauchen oder ob sie gerne, ob es irgendeine Möglichkeit und Raum gibt, eben vielleicht auch diese Inhalte, die sie gerade außerhalb der Schule wahrscheinlich von die Forstserien beschäftigen, dem irgendwie auch innerhalb von Schule.
01:02:01: einen Raum geben kann.
01:02:02: Ich kann mir vorstellen, dass es da mittlerweile, dass das sehr Lehrerinnen abhängig ist und dass es da aber auch vielleicht mittlerweile so bessere Ansätze gibt, als ich sie irgendwie noch mitbekommen habe.
01:02:14: Und das ist eigentlich das Wünsche, würde ich mir sowohl von interessierten und solidarischen Menschen allgemein als auch vielleicht in so einem Schulkontext wünschen.
01:02:27: Ja, vielen Dank.
01:02:29: Ich glaube, das ist auch noch mal so ein guter Hinweis darauf.
01:02:31: Oder das würde ich noch ergänzen wollen, dass es in deinem Buch natürlich nicht nur um Politik und an politische Biografien geht, sondern vielleicht anschließend daran auch sehr, sehr viel um Beziehung und sehr, sehr viel um... eure Beziehung, aber auch, was vielleicht so die Umstände der Welt auch mit Beziehungen machen, was näher zusammenbringt, was aber auch manchmal ein bisschen entzweit und so weiter.
01:03:00: Und ich glaube, das ist vielleicht auch nochmal ein Hinweis oder quasi Werbung an der Stelle, dass das Buch durchaus auch auf dieser Ebene gelesen werden kann und vielleicht auch sollte oder man es automatisch macht, wenn man es wiesst.
01:03:14: Danke.
01:03:15: Maria, dass du dir die Zeit genommen hast, trotz Erkältung, trotz Wochenende, trotz der Situationen, der du und wir uns gerade alle befinden.
01:03:24: Voll gut, dass du uns ein bisschen mitgenommen hast.
01:03:28: Ja, ja, vielen, vielen Dank dir, dass du das möglich gemacht hast.
01:03:33: Und natürlich vielen Dank fürs Zuhören an alle, die bis hierhin zugehört haben und bis zum nächsten Mal.
01:03:40: Tschüss, danke schön.
01:03:41: Untertitel im Auftrag des ZDF.